Frankfurt: Neuformierte Abwehr lässt wenig zu

Rönnow strahlt Ruhe aus - "Endspiele gegen Lüttich"

Strahlte bei seinem allerersten Saisoneinsatz viel Ruhe aus: Frankfurts Ersatztorwart Frederik Rönnow.

Strahlte bei seinem allerersten Saisoneinsatz viel Ruhe aus: Frankfurts Ersatztorwart Frederik Rönnow. imago images

"Lüttich sind die entscheidenden Spiele", sagte auch Mittelfeldspieler Sebastian Rode, "in drei Wochen kann schon alles entschieden sein." Am 24.Oktober empfängt die Eintracht Standard in der Frankfurter Arena, am 3. November muss sie in Lüttich antreten. "Es ist noch ein langer Weg in die K.o.-Phase", mahnte Trainer Adi Hütter, "aber das Ergebnis von London hat uns natürlich gut getan." Lüttich hatte parallel zum Eintracht-Erfolg bei Arsenal 0:4 verloren.

Die Frankfurter fühlen sich nun ganz leicht im Vorteil, nachdem sie die überraschend hohe Hürde in Portugal mit Mühe genommen haben. "Das ist eine technisch sehr gute Mannschaft, die uns das Leben schwer gemacht hat", stellte Manager Hübner fest, "hier muss man erstmal gewinnen." Soll heißen: Das muss Standard der Eintracht erstmal nachmachen.

Kostic und André Silva vergaben in aussichtsreichen Positionen

Vitoria hatte sich in der Tat als spiel- und kampfstarker Kontrahent entpuppt, freilich mit großen Schwächen beim Abschluss. Die gefühlte und tatsächliche Überlegenheit der Portugiesen hatte sich nicht in Torchancen ausgedrückt. Die klareren hatte trotz einer wenig glanzvollen Leistung die Eintracht herausgespielt. "Man sieht immer mehr, dass nicht der Ballbesitz entscheidend ist, sondern die Torchancen", sagte Hübner, "und die waren eindeutig auf unserer Seite." Vor allem Filip Kostic und André Silva vergaben in aussichtsreichen Positionen den zweiten Treffer. "Der hat gefehlt, dann hätten wir uns leichter getan", sagte Rode.

Hütter: "Wir haben nur wenig zugelassen"

Der Frankfurter Trainer bemühte sich in der Stunde des Erfolgs um Sachlichkeit. Mit dem Ergebnis sei er natürlich "sehr zufrieden", sagte Hütter, "besonders freue ich mich, dass wir zu Null gespielt haben." Das spielerische Element war ihm freilich deutlich zu kurz gekommen, vor allem in der ersten Halbzeit sei das Aufbauspiel "nicht gut, zu wenig vertikal und zu selten über die Außen angelegt" gewesen. Dass die Wechsel in der Abwehr "nicht reibungslos vonstatten gehen würden", sei ihm schon vorher klar gewesen. Gerade unter diesem Aspekt hätten Frederik Rönnow als Vertreter des an der Schulter operierten Kevin Trapp und die neu formierte Dreierkette ohne Makoto Hasebe (Gehirnerschütterung) dem Druck gut Stand gehalten. "Wir haben nur wenig zugelassen", sagte Hütter.

Ndicka: "Ich bin durch ein Tal gegangen"

Rönnow und der für Hasebe ins Team gekommene Evan Ndicka haben ganz persönliche Siege gefeiert. Der dänische Nationaltorwart strahlte bei seinem allerersten Saisoneinsatz viel Ruhe aus, machte keine Fehler, zeigte eine grundsolide Leistung. Dass er nicht die Strafraumpräsenz hat wie Trapp, wollte ihm hinterher niemand vorwerfen. "Er hat souverän gespielt", lobte Manager Hübner. Ndicka, in dieser Saison erst einmal bei der Niederlage in Leipzig eingesetzt, hatte das wahrhaft "goldene Tor" erzielt. "Ich bin durch ein Tal gegangen, ich wusste aber auch, dass ich irgendwann wiederkommen würde, das war heute der Fall", sagte der erst 20 Jahre alte Franzose. Ob er auch am Sonntag gegen Werder Bremen verteidigen wird, liegt an der Genesung von Hasebe. Noch haben sie bei der Eintracht die Hoffnung, dass der Japaner sich so gut erholt hat, dass er spielen kann.

Hinteregger als "Fels in der Brandung"

Hasebes Vertreter Martin Hinteregger hatte die "Liberoposition" komplett anders interpretiert. Ein Spielaufbau mit genauen Pässen ins Mittelfeld war dem Österreicher nicht möglich, auch wegen der hohen Aggressivität und des taktischen Geschicks der Portugiesen. Die hatten kaum Raum gegeben für Kombinationsspiel aus der Abwehr heraus, sodass Hinteregger das Mittel der langen und hohen Schläge gewählt hatte. Für Trainer Hütter war er dennoch der "Fels in der Brandung", der die Abwehr zusammengehalten hatte.

ps

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