Leipzigs Coach schießt sich auf den Schiedsrichter ein

Nagelsmann gereizt: "Dann darf es gerne weiter bergab gehen"

Julian Nagelsmann

Julian Nagelsmann wirkte nach den beiden Niederlagen gegen Schalke und Lyon gereizt. imago images

Die defensiven Blackouts und die Nachlässigkeiten in der Chancenverwertung, die letztlich ursächlich waren für die Niederlage gegen die zuletzt arg kriselnden Franzosen, wollte der neue RB-Coach nicht "größer machen, als es ist". Vielmehr sah er ein "gutes Spiel mit viel Power und Leidenschaft", auf kritische Nachfragen reagierte der Coach mit einer Mischung aus Sarkasmus und Gereiztheit. "Wenn die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ein Abwärtstrend ist, dann darf es gerne weiter bergab gehen", konterte er auf Fragen zur Leistung seiner Mannschaft: "Dann werden wir die nächsten Spiele wieder gewinnen."

Wenn die Art und Weise, wie wir gespielt haben, ein Abwärtstrend ist, dann darf es gerne weiter bergab gehen.

Julian Nagelsmann

Was den 32-Jährigen zusätzlich und scheinbar am meisten nervte, war die Leistung des Schiedsrichters Antonio Mateu Lahoz. Der spanische WM-Referee wendete eine großzügige Linie bei den Zweikämpfen an, trat aber etwas selbstherrlich auf (kicker-Note 4). Gerade Letzteres monierte Nagelsmann ausführlich - nachdem Mateu Lahoz nicht nur ihn, sondern auch Lyon-Trainer Sylvio Mendes mit Gelben Karten bedacht sowie RB-Physiotherapeut Alexander Sekora die Rote Karte unter die Nase gehalten hatte.

Nagelsmanns Ausflüchte

"Haben Sie schon einmal den Clasico gesehen, wenn er pfeift?", echaffierte sich Nagelsmann auf der Pressekonferenz: "Ich glaube, es gab noch kein Spiel in Spanien, das mehr als 40 Minuten Nettospielzeit hatte." Der Vollständigkeit halber sei gesagt, dass Mateu Lahoz in seiner bisherigen Karriere zweimal das Duell Real Madrid gegen den FC Barcelona leitete (2018/19 im Halbfinale der Copa der Rey und einmal in der Liga 2014/15). Bei seinen sonstigen Einsätzen fiel er eher dadurch auf, kleinlich zu pfeifen und relativ viele Gelbe Karten zu verteilen. Letzteres könnte die Nagelsmann'sche These von der geringen Nettospielzeit stützen. Aber ob das für das Lyon-Spiel entscheidend war?

Julian Nagelsmann sieht Gelb von Schioedsrichter Mateu Lahoz.

Ungläubig: Julian Nagelsmann sieht Gelb von Schiedsrichter Mateu Lahoz. imago images

Die Verwarnung kassierte Nagelsmann am Mittwochabend in der 58. Minute, eine überzogene Maßnahme, die den Coach ratlos zurückließ. "Warum ich eine Gelbe Karte bekommen habe, weiß ich nicht, ich habe nichts gemacht. Es war ein hartes Foul in die Kniekehle. Da hatte ich schon ein bisschen Angst um die Knie meines Stürmers. Ich habe aber weder Gelb noch Rot, ja nicht einmal einen Freistoß gefordert."

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Auf der Suche nach Erklärungen wurde es "skurril", wie Nagelsmann berichtet. "Als ich mich zu meinem Sportdirektor umgedreht und gefragt habe, warum sich der ein oder andere Spieler so verhält. Da kam er (Mateu Lahoz, Anm. d. Red) wieder raus und sagte: 'Beim nächsten Mal schicke ich dich auf die Tribüne.' Ich fragte: 'Warum?' Da sagte er: 'Halt die Klappe, sonst gehst du auf die Tribüne.'"

Halt die Klappe, sonst gehst du auf die Tribüne.

Schiedsrichter Mateu Lahoz zu Nagelsmann

Nagelsmann zeigte diesmal wenig Verständnis. "Wir sprechen ja immer viel in der Gesellschaft darüber, dass wir kommunizieren sollen. Das ist mit Schiedsrichtern in der Champions League tatsächlich nicht ganz so einfach."

Vor vier Tagen, als er gegen Schalke seine erste Gelbe Karte sah, war er noch einsichtiger. "Da habe ich mich wie ein Verrückter aufgeführt."

bst

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