Nürnbergs Mittelfeld-Antreiber überzeugt in Hannover

Erlösung für Behrens: Ist der Kapitän bald wieder unantastbar?

Hanno Behrens

Erlösung in Hannover: Club-Kapitän Hanno Behrens überzeugte beim klaren 4:0-Erfolg. picture alliance

Hieß es vor Hannover angesichts der drei vorausgegangenen Remis "ja aber", so heißt es nun "aber hallo!" Auf überschaubare drei Punkte beläuft sich zudem nur noch der Abstand auf den Aufstiegsrelegationsplatz, da erzeugt so eine Serie fraglos Mut. "Im Fußball können sich die Dinge manchmal sehr schnell ändern, vor allem in der 2. Liga. Wenn du da eine kleine Serie startest, bist du wieder oben dabei", hält Kapitän Hanno Behrens fest.

Das mit dem Alles-kann-sich-rasch-ändern trifft auch auf den 29-Jährigen selbst zu. Vor Hannover befand er sich im Krisenmodus, auch wenn er das selbst nie so "empfunden hat". Mit einem Tor, einer Traumvorlage und einer insgesamt starken Leistung katapultierte sich der Kapitän auf jeden Fall aus seinem unstrittigen Quoten-Tief. Dass dort zuvor die Null stand, galt vielen als klares Indiz dafür, dass Behrens nicht mehr der Behrens war, der den Club in der Saison 2017/18 zum Aufstieg schoss. Dass ihm jene 14 Tore als Maßstab unter die Nase gerieben wurden, empfand er indes als merkwürdig. Seine taktische Rolle damals wäre schließlich eine ganz andere gewesen - wo er sich einst als verkappter Stürmer im vorderen Bereich austoben konnte, sei er nun mit deutlich defensiveren Aufgaben betraut, auf der Sechs sowieso, aber auch wenn er auf der Acht zum Zuge kommt.

Einleuchtend wie nachvollziehbar, und doch stellte sich in dieser Saison lange Zeit sehr wohl die Frage nach dem internen Stellenwert des einst Unantastbaren. Das begann damit, dass ihm eben keine klare Rolle zugeteilt wurde, mal war's die Sechs, mal ein Stück weiter vorne, mal eher auf der Seite als zentral - und gipfelte darin, dass Trainer Damir Canadi ihn in Sandhausen beim 2:3 zur Pause auswechselte. Rein von der Leistung gesehen war dies nachvollziehbar, zudem legte sich damals der Trainer in der darauffolgenden Woche gewaltig für ihn ins Zeug. "Er ist unser Kapitän und ein sehr wichtiger Spieler fürs uns. Und das bleibt er auch", betonte Canadi später.

Zeitweise verlor er seine herausragende Bedeutung fürs Spiel

Nette Worte, die er in Sandhausen dennoch selbst ein Stück weit konterkarierte. Wie gesagt, Behrens war dort schlecht - wie auch alle seine Nebenleute, es war die mit Abstand schwächste Hälfte des Absteigers in dieser Saison. Und in so einer Gemengelage, wenn jede Auswechslung gerechtfertigt gewesen wäre, wählt man normalweise nicht ausgerechnet seinen Kapitän - es sei denn, man zweifelt an ihm. Dabei gilt es anzufügen, dass Behrens auch ein Stück weit Anlass dazu gab. Nicht was seine Einstellung betraf, auf dem Rasen haute er, um es salopp zu sagen, wie immer alles raus, verloren hatte er jedoch zeitweise seine herausragende Bedeutung fürs Club-Spiel. Er war zwar nie schlechter als seine Nebenleute, aber oftmals eben auch nicht besser, seine im Wortsinn mitreißende Fähigkeit war ihm abhandengekommen. Ob es an der Rollenverteilung lag, daran, dass er nicht das grenzenlose Vertrauen spürte, oder schlicht an dem Umstand, dass sich die kräftig umgemodelte Mannschaft erst finden musste?

Wir haben auch zuvor nicht so schlecht gespielt, wie es gesehen wurde.

Hanno Behrens

Einerlei, seit Montagabend kann man diese Fragen vorerst in die Tonne treten. Dass Behrens diese ganze Diskussion ohnehin für überzogen hielt, verdeutlich er mit seiner generellen Nachbetrachtung des Hannover-Spiels: "Wir haben sehr diszipliniert verteidigt und dann unsere schnellen Leute gut eingesetzt. Wir haben aber auch zuvor nicht so schlecht gespielt, wie es gesehen wurde."

Was nun sehr abgeklärt ums Eck kommt, sah am Montagabend auf dem Rasen noch ein wenig anders aus. Als Behrens nach 26 Minuten zum 2:0 einköpfte, sprach sein ungewohnt ausgelassener Jubel Bände - zumal er selbst ungeachtet seines positiven Naturells keiner ist, der in die eine wie in die andere Richtung zum Überschwang neigt. So verwundert es nun auch nicht, wenn er die oft bemühte Euphorie-Bremse durchtritt. "Es gibt keinen Grund, jetzt groß zu feiern. Wir haben am Sonntag zu Hause gegen St. Pauli die Chance, einen großen Schritt nach vorne zu machen." Und dabei eine schwarze Serie zu beenden. Seit gut 17 Monaten sind den Franken nicht zwei Siege am Stück gelungen - zuletzt glückte ihnen dies Ende April 2018 in der 2. Liga am 32. Spieltag, als sie dem 3:1 in Kiel einen 2:0-Heimsieg über Braunschweig folgen ließen.

Dass die Kiez-Kicker ebenfalls zuletzt fünfmal ungeschlagen vom Platz gegangen sind, dabei dreimal als Sieger, verspricht einen spannenden Nachmittag: Gegen den neuen Verein des einstigen Club-Sportvorstandes Andreas Bornemann wird sich zeigen, was das 4:0 vom Montag wert ist.

Chris Biechele