Der neue Modus im Test

VOLTA - Dauerhafter Kampf gegen Fehler

Ist der VOLTA-Modus die erhofft große Neuerung in FIFA 20? Wir haben es getestet.

Ist der VOLTA-Modus die erhofft große Neuerung in FIFA 20? Wir haben es getestet. EA SPORTS

Kurz vor Schluss: Das eigene Team liegt mit zwei Toren hinten, nur noch 30 Sekunden auf der Uhr. Was auf dem grünen Rasen ein nahezu uneinholbarer Rückstand wäre, ist im Straßenfußball ein Klacks. Die Uhr wird bei jedem Foul und wenn der Ball im Aus ist, angehalten, und Tore sind im Sekundentakt möglich. Mit VOLTA Football schafft es EA wieder einmal, frischen Wind in seine FIFA-Simulation zu bringen. Der Straßenfußball spielt sich hervorragend - zumindest auf den ersten Blick.

Das ist gut

Aus Modus-Sicht hat EA seine Hausaufgaben gemacht. Volta beeindruckt mit schnellen, dynamischen Spielen und bringt neue Elemente in die ausgetretenen FIFA-Pfade. Pässe, Vorlagen und Flanken sind über die Banden möglich, und so testet der Spieler jederzeit die Grenzen des Modus: Ist der Ball in den freien Raum über die Wand noch drin? Wie lässt sich der Doppelpass besonders gewinnbringend einsetzen?

VOLTA schafft es, die Eigenheiten der Modi hervorragend wiederzugeben: Im 3 vs. 3 ist jeder Stürmer, Verteidiger und Torhüter zugleich, und nicht immer gibt es eine Anspielstation, dribbeln ist also angesagt. Das 4 vs. 4 ist auf dem kleinen Feld angemessen wuselig und die Räume eng. Im Futsal 5 vs. 5 kann der Spieler gleich wieder vergessen, was er gelernt hat, allein die großen Tore und fehlenden Wände stellen neue Herausforderungen und müssen mit anderer Steuerung angegangen werden. Beispielsweise muss in VOLTA sehr genau mit dem linken Stick gezielt werden: Bei Pässen hilft das Spiel etwas, bei Schüssen muss Skill her. Das ist hervorragend und holt FIFA ein ganz kleines Stück aus der Arcade-Ecke. Wenn ich daneben ziele, schieße ich daneben. Fast wie im Fußball.

Auch den Storymodus setzt EA auf den ersten Blick ordentlich um. Die Präsentation ist durchaus mitreißend, die Geschichte aber eher lahm: Neuling kommt zu ambitionierter Mannschaft mit Weltmeisterträumen und steigt zum Teamleader auf.

(Achtung, SPOILER)

Die Ikone des Squads reißt sich dann schnell das Kreuzband und muss in die Trainerrolle. Allerdings: WIE HEIßT DER? spielt nach seiner Verletzung auf dem Feld noch zu Ende und schießt sogar Tore. Das versuche man mal mit einem echten Bänderriss... Nach diesem unglaublichen Rückschlag verkrümelt sich das ganze Team und man startet bei 0. Dröge. Immerhin wird es so spannend wie möglich erzählt.

Das neue Chemiesystem ist dagegen durchaus interessant. Es gilt zu überlegen: Welchen Chemistry-Style will ich mit meiner Mannschaft in welchem Modus erreichen? Denn alle verstärken unterschiedliche Attribute. Dazu müssen dann Spieler von verschiedenen Plätzen der Welt verpflichtet werden. Nach jeder gewonnenen Partie darf man einen Spieler der gegnerischen Mannschaft ins eigene Team holen. Das ist eine coole Belohnung für einen Sieg und schafft eine schöne Dynamik bei der Teamzusammenstellung.

Das ist schlecht

Eigentlich ist VOLTA ein konstanter Kampf mit der FIFA-KI. Die macht nämlich so viele dumme Fehler, dass der Frustfaktor immens hoch ist. Statt das Tor zu decken, eiert der letzte Mann gerne mal in die Ecke. Der Gegner muss dann egal von wo auf dem Feld nur noch schießen. Im Angriff schaffen die Mitspieler nur manchmal Räume, oft genug stehen im 3 vs. 3 alle auf einem Punkt oder einer Linie. Das hat absolut nichts mit der Realität zu tun. Hier wird eindeutig klar, dass EA ein unfertiges Spiel abgeliefert hat. VOLTA ist nicht zu Ende entwickelt. Manchmal macht die KI dann doch, was sie soll: nämlich die nicht gesteuerten Spieler übers Feld wetzen lassen. Denn in Kleinfeldformaten gilt immer: Die ohne Ball müssen laufen. Dann ist irgendwann eine Anspielstation frei, ein schickes Spiel möglich. Manchmal klappt das und führt dann auch zu Traumtoren, die sofort in Frust zerfallen, wenn der eigene Spieler in der Verteidigung vom Gegenspieler wegläuft. Mit zwei menschlichen Spielern funktioniert alles deutlich besser.

Macht Spaß, ist aber noch nicht ausgereift: Der neue Modus

Macht Spaß, ist aber noch nicht ausgereift: Der neue Modus "Volta". EA SPORTS

Stattdessen scheint EA die Jahresfrist vor allem zur Entwicklung kosmetischer Gegenstände genutzt zu haben. Es gibt eine unglaubliche Fülle an Hosen, Frisuren, Tattoos, Shirts und Pullis. Allerdings griffen wir schon nach fünf Minuten zu gleichfarbiger Oberbekleidung. Ohne Trikots ist es recht schwer, den Gegner im weißen Shirt vom Mitspieler im weißen Shirt zu unterscheiden. Fehlpässe sind vorprogrammiert.

Leider lässt einen EA auch ziemlich allein, was Skillmoves anbelangt. Passen und schießen wird geübt, aber für Skillmoves muss man selbst das richtige Menü finden. Es gibt coole Klamotten, wenn man drei davon nutzt, um den Gegner auszutricksen. Hilfen jedoch, die über ein bloßes "drück RT und LT" hinausgehen, fehlen.

Die Schwierigkeit ist ein weiterer Punkt, an dem offenbar nicht in letzter Konsequenz gefeilt wurde. In den Turnieren schwanken die Spiele zwischen super leicht und bockschwer. Kurz nach Beginn hat uns FIFA gebeten, das Niveau auf Weltklasse zu heben, weil wir zu hoch gewannen. Schon im ersten Story-Turnier geht es aber gegen eine Mannschaft, die auf Halbprofi-Level immer noch eiskalt 13:4 siegt. Vielleicht ist es EAs Hinweis darauf, dass bessere Kicker hermüssen. Den ersten 83er haben wir gerade in einem freien Turnier gegen eine weitere bockschwere Mannschaft (Halbprofi...) geholt. Mit diesem Wendepunkt geht es zurück zu 8:0-Führungen, die EAs DDA allerdings sofort ausgleicht und auf einmal mühelos fünf Tore am Stück schießt. Online haben wir den Modus noch nicht getestet, da das Problem aber in der eigenen KI liegt, dürfte sich dort nichts ändern.

Fazit:

VOLTA hätte absolut großartig sein können, hätte EA den Modus fertig entwickelt. Auch jetzt blitzt die Klasse schon auf: Wer Kleinfeldaction mag, mit viel Dynamik, kurzen Spielzeiten und stylischer Präsentation, wird den Rest von FIFA erstmal nicht mehr angucken. Allerdings nur so lange, bis der Frustfaktor Überhand nimmt. Es ist anzunehmen, dass EA im Laufe der Saison an der VOLTA-KI nachpatcht. Der Onlinezwang und die Münzsammelei in den Modi geben, gepaart mit den coolen Gegenständen, schon einen Hinweis, wo VOLTA mal hinsoll, wenn es fertig ist. Oft mussten wir den Modus neu starten, da die Xbox zulange untätig war, die Verbindung verloren wurde und VOLTA dann meckert. Der Fortschritt in freien Turnieren wird offenbar nicht immer gespeichert.

Bei allen Negativpunkten bleibt im Fazit zu sagen: VOLTA macht richtig Spaß. Die Jagd nach coolen Klamotten und spielstarken neuen Kickern, kombiniert mit der schnellen Action, ist ein hervorragend runder Zeitvertreib. Stolpern wird man bei aller Begeisterung aber über die unnötigen Fehler und halbgar entwickelten Features.

Holm Kräusche

FIFA 20: So sieht der neue VOLTA-Modus aus