Sven Bender erfuhr nach Kopftreffer vom Arzt von der Führung

Viertes Eigentor für Bayer - Völler: "Das ist kein Zufall"

Augsburgs Florian Niederlechner (Mi.) köpft ins eigene Tor

Während Augsburgs Florian Niederlechner (Mi.) ins eigene Tor köpft, bekommt Leverkusens Sven Bender Rani Khediras Fuß ins Gesicht. imago images

Nach dem Spiel hatte Sven Bender gut lachen. Dabei hatten sich seine Mitspieler in der 35. Minute durchaus ernsthafte Sorgen um den Innenverteidiger gemacht, nachdem dieser bei einer Flanke von Nadiem Amiri einen Tritt von Augsburg Rani Khedira im Gesicht abbekommen hatte. Dass Bayer in dieser Situation trotzdem zum Führungstreffer durch ein Eigentor von Florian Niederlechner kam, kommentierte der Abwehrchef nachher locker: "Ich habe es nicht mitgekriegt, ich hatte einen Fuß im Gesicht. Unser Arzt hat mir dann mitgeteilt, dass der Ball drin war. Ich nehme es trotzdem mit. Vielleicht war es auch der Dosenöffner", beschrieb der 30-Jährige die Situation und ihre Folgen aus seiner Sicht.

Seine Kollegen waren unmittelbar nach dem Treffer erstmal geschockt. Nachher verteilte Stürmer Kevin Volland, ebenfalls ein Spieler, der mit hohem körperlichen Einsatz für die Mannschaft kämpft, ein dickes Lob an Bender: "Sven hat sich beim ersten Tor geopfert. Wenn er sich nicht so reinstürzt..." Dann wäre Bayers Führung womöglich nicht gefallen.

Das wird noch öfter passieren, das ist kein Zufall.

Rudi Völler

Denn Niederlechners Eigentor wollte selbst Rudi Völler nicht als reines Glücksprodukt gewertet wissen. "Das sind Situationen, in denen man als verteidigender Spieler versuchen muss, an den Ball zu kommen. Sonst macht ihn den Gegner rein", beurteilt der Geschäftsführer und ehemalige Mittelstürmer die Szene. Seine Prognose für den weiteren Saisonverlauf ist in Bezug auf die Leverkusener Spiele eindeutig. "Das wird noch öfter passieren", sagt Völler, "das ist kein Zufall."

Weil Bayers druckvolles Spiel mit scharfen und gut getimten Hereingaben die verteidigenden Spieler unter enormen Druck setzt. Schon vor Niederlechners Eigentor hatte Augsburgs Felix Uduokhai eine Hereingabe mit letzte Mühe zur Ecke geklärt. "Die Situation war für den Abwehrspieler noch schwerer. Da sind schon öfter Eigentore daraus entstanden", so Völler.

Dreimal fiel das 1:0 per Eigentor

Das mit den Eigentoren für Leverkusen ist zwar nicht beabsichtigt, aber eine Konsequenz aus dem Bayer-Spiel. Niederlechner war in dieser Saison bereits der vierte gegnerische Akteur, der für Bayer 04 traf. Zuvor hatten Aachens Peter Hackenberg zum 1:0 beim Leverkusener 4:1-Sieg im DFB-Pokal, Düsseldorfs Lewis Baker zum 1:0 beim 3:1-Erfolg von Bayer bei der Fortuna sowie Benedikt Höwedes bei Leverkusens 1:2-Niederlage gegen Lokomotive Moskau in der Champions League zum zwischenzeitlichen Ausgleich in das aus ihrer Sicht falsche Tor getroffen.

Drei der vier Eigentore sorgten also für die wichtige 1:0-Führung, Sven Bender und seinen Kollegen ist diese kuriose Häufung nur recht. Auch wenn nicht jedes Eigentor mit so hohem körperlichen Einsatz bezahlt werden sollte wie in Augsburg. Ob er eine Verletzung davongetragen habe, wurde Bender nachher gefragt. Der Kämpfer, für seine nicht unerhebliche Anzahl von Blessuren bekannt, antwortete mit einem selbstironischen Lächeln: "Da ist nicht mehr dazu gekommen."

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie FC Augsburg - Bayer 04 Leverkusen