Hertha: In Köln soll der erste Auswärtssieg her

Covic: "Wir trauen uns mehr zu"

Ante Covic

War mit der Trainingswoche zufrieden: Hertha-Coach Ante Covic. picture-alliance

Die Bilanz stimmt aus Berliner Sicht: Sechs der jüngsten acht Spiele beim FC gewann Hertha. Trotzdem warnt Manager Michael Preetz: "Köln ist ein klarer Bundesligist und kein typischer Aufsteiger. Daran ändert sicherlich auch nichts, dass sie jetzt ein Jahr in der 2. Liga waren. Sie haben eine gute Mannschaft und eine tolle Atmosphäre - und sie haben in der vergangenen Saison den besten Zweitligasturm aller Zeiten gestellt und auch jetzt eine Angriffsformation, die mehr als konkurrenzfähig ist."

Hochsensible Stürmer - Energische Arbeit auf dem Trainingsplatz

Das dachten - und denken - sie bei Hertha von ihrer eigenen Offensivabteilung auch. Allerdings steckt nach nur einem Angreifer-Tor in fünf Spielen, Dodi Lukebakios von Vedad Ibisevics Rücken abgefälschtem Distanzschuss in München (2:2), im Sturm der Wurm. Sowohl in Mainz (1:2) als auch gegen Paderborn (2:1) durfte sich Davie Selke in vorderster Front beweisen. Resultat: viel Aufwand, wenig Ertrag. Covic redet seine nach Toren lechzende Offensivabteilung stark: "Stürmer sind hochsensible Menschen, die Erfolgserlebnisse brauchen, um Selbstvertrauen zu entwickeln. Aber wir sollten Davie Selke und Vedad Ibisevic nicht ausschließlich an Toren messen." Wer am Sonntag im Angriff startet, ist noch offen. Von Rekord-Einkauf Lukebakio, der gegen Paderborn 90 Minuten auf der Bank geblieben war, hatte Covic in der Trainingswoche eine Reaktion gesehen. Womöglich bekommt der belgische U-21-Nationalspieler in Köln eine neue Chance. Generell hat Covic gefallen, was er in dieser Woche in den Übungseinheiten beobachtet hat. "Im Training trauen wir uns mehr zu", sagt der Kroate. "Wichtig wird sein, dass wir das auch am Wochenende umsetzen." Auf dem Trainingsplatz ging es in diese Woche zur Sache, der Kampf um die Startelf-Plätze tobt. "Dass wir eine gute Atmosphäre in der Kabine besitzen, darf sich nicht darin widerspiegeln, dass wir Händchen haltend auf dem Platz rumlaufen", erklärt Covic. "Das haben alle verstanden. Jeder weiß, dass es keine geschenkten Einsatzminuten gibt."

Spielerisch ist viel Luft nach oben

Nach der fußballerisch kargen Darbietung gegen Paderborn erhoffen sich die Hertha-Verantwortlichen Schritt für Schritt eine spielerische Entwicklung. Dem Aufsteiger aus Paderborn hatte Hertha am vergangenen Wochenende im eigenen Stadion Ball und Feld weitgehend überlassen und sich aufs Kontern verlegt. Die Daten waren frappierend: 6:18 Torschüsse, 38 zu 62 Prozent Ballbesitz, 325:510 gespielte Pässe. Es war ein erzitterter Sieg, kein erspielter - und das Medien-Echo fiel entsprechend aus. "Viele meiner Spieler lesen, was geschrieben wird", sagt Covic. "Aber ausschlaggebend ist, was in unseren vier Wänden passiert. Die Gründe, warum wir noch nicht die Dominanz erzeugen, die wir uns wünschen, sind bekannt - und die arbeiten wir Tag für Tag ab. Wir hoffen, dass wir in Köln mehr spielerische Akzente im Spiel haben werden als gegen Paderborn."

Die Aufstellung ist derweil nicht nur im Sturm noch offen. In der Innenverteidigung droht womöglich ein unfreiwilliger Umbau. Dedryck Boyata, der in Mainz und gegen Paderborn Herthas Defensive stabilisierte, trainierte zwar am Freitag mit, hat aber weiterhin Beschwerden in der Wade. Sollte der ablösefrei von Celtic Glasgow gekommene Belgier ausfallen, stehen als Ersatz Jordan Torunariga und Karim Rekik bereit.

Steffen Rohr

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