Keller: "Die volle Kontrolle liegt beim e.V."

Wie der neue DFB-Chef sein Amt ausführen will

DFB-Präsident Fritz Keller

Trat sein Amt mit Witz und Charme an: DFB-Präsident Fritz Keller. picture alliance

Es gibt selten Überraschungen bei einem DFB-Bundestag. Insofern war das Treffen am Freitag in Frankfurt/Main, bei dem Fritz Keller erwartungsgemäß zum neuen Präsidenten des Verbandes gewählt wurde, schon ein bisschen ungewöhnlich. Denn Überraschung eins fiel dem ein oder anderen Beobachter so recht ins Auge, als Keller seine Rede hielt. Ute Groth saß in der drittletzten Reihe und machte sich eifrig Notizen. Die Chefin des DJK TuSa 06 Düsseldorf, die selbst Präsidentin hatte werden wollen, aber nicht nominiert worden war und scharfe Kritik geäußert hatte.

Sie hörte - und goutierte übrigens auch, wie sie dem kicker versicherte - eine Rede des Kandidaten Keller, die ein bisschen erahnen lässt, wie er sein Amt beim DFB ausüben wird. Mit dem nötigen Witz wie Charme, mit einer gewissen Lockerheit - rechte Hand in der Hosentasche, mit dem Anspruch, Kritikern des DFB zuzuhören ("Wenn Sie irgendetwas haben: Tragen Sie es vor, wir diskutieren darüber. Das wird dazu beitragen, dass der DFB in ruhigeres Fahrwasser fährt.") und mit dem Vorsatz zu Veränderungen. Ein Vergütungsausschuss steht sinnbildlich für mehr Governance.

Keller überrascht mit General-Inventur

"Es ist verkehrt, Vertrauensverlust auf eine Person zu reduzieren. Wir müssen das Vertrauen an der Basis und in der Gesellschaft zurückgewinnen", fordert der ehemalige Präsident des SC Freiburg, der dieses Amt rechtzeitig abgab. Durchaus überraschend war die Ankündigung des Winzers und Gastronom, nach der bereits 2017 durch McKinsey erfolgten Bestandsaufnahme inklusive Strukturreform eine General-Inventur durch Externe durchführen zu wollen: "Da wird alles durchleuchtet. Es wird eine Ausschreibung geben, wir werden in die Ecken schauen, es geht nicht nur um Finanzen, sondern auch um Entscheidungsprozesse."

"Wir müssen so transparent sein irgendwann, dass es langweilig ist, über uns zu erzählen.

DFB-Präsident Fritz Keller

Dass Keller aufgrund des weiter fortschreitenden GmbH-Prozesses, in Frankfurt per Grundsatzbeschluss verabschiedet, und diversen Satzungsänderungen, wie etwa dem Verlust der Richtlinienkompetenz, zum Frühstücksdirektor würde, befürchten Kritiker. Der 62-Jährige lässt durchblicken, dass er sein Amt als Teamplayer ("Ich möchte kein Alleinentscheider sein. Ich werde reingrätschen, wenn es etwas zum Reingrätschen gibt.") ausführen wird, aber beileibe kein Grüß-Gott-August sein will. Zunächst, so kündigte er an, als "Spielertrainer" im Präsidialausschuss als stimmberechtigtes Mitglied zu fungieren, um den GmbH-Prozess aktiv zu begleiten. Später erfolge dann der Wechsel in den (noch zu gründenden) Aufsichtsrat der GmbH - beide Rollen sind laut DFB wegen der Trennung zwischen Geschäftsbetrieb und gemeinnütziger Aufgaben nicht gleichzeitig ausführbar. Einen Machtverlust kann Keller durch die Satzungsänderungen nicht erkennen: "Ein Aufsichtsratsvorsitzender hat sämtliche Kontrollmechanismen in alle einzelnen geschäftsführenden Geschichten. Wir sollten uns auf schnellere Entscheidungswege konzentrieren. Selbstverständlich wird das Hauptamt mehr Verantwortung übernehmen müssen, aber die volle Kontrolle liegt beim e.V."

Vorbehalte gegen Distelrath

Um Macht geht es immer bei solchen Bundestagen und zweifelsohne mächtig im Verband ist Dr. Rainer Koch. Und da wären wir bei Überraschung Nummer drei: Es gab Gegenstimmen bei dessen Wiederwahl zum 1. Vize-Präsident Amateure. Nämlich zehn, dazu sieben Enthaltungen. Das klingt nach wenig, ist aber für DFB-Bundestage doch ungewöhnlich. Vor allem aus dem Nordostdeutschen Fußballverband kamen diese Voten, dabei dürfte es um das Politikum (der in Frankfurt verabschiedeten) Regionalligareform gegangen sein, mutmaßlich auch bei den sieben Enthaltungen in Bezug auf die Wiederwahl Ronny Zimmermanns. Auch gegen Günter Distelrath als Vize-Präsident gab es offenbar Vorbehalte, nämlich 33 Enthaltungen. Diese stammten größtenteils aus dem Profilager und hängen offenbar mit der Altersgrenze zusammen. Denn eigentlich hätte der DFB-Bundestag erst im Oktober stattfinden sollen, dann aber wäre der ehemalige Sparkassenverbandschef bereits 70 Jahre alt gewesen und hätte nicht in das Präsidium gewählt werden können. Kurzerhand war noch unter Ex-Präsident Reinhard Grindel, unter dem der wegen der WM-Affäre ohnehin schon wankende Verband noch weiter Schlagseite erhielt, der Termin in den September vorverlegt worden. Grindel und Distelrath sind pikanterweise beide Vertreter Niedersachsens, weswegen man den Enthaltungen durchaus eine Signalwirkung kontra Mauschelei zuschreiben kann. Derlei Kumpanei möchte Keller künftig vermeiden, zumindest erklärte er: "Wir müssen so transparent sein irgendwann, dass es langweilig ist, über uns zu erzählen."

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Benni Hofmann