Eindeutiges Votum in Frankfurt

Bundestag wählt Fritz Keller zum DFB-Präsidenten

Fritz Keller

Soll wieder für ruhigere Zeiten beim DFB sorgen: Präsident Fritz Keller. picture alliance

Kellers Wahl - ohne Gegenstimme - zum DFB-Präsidenten am Freitag beim Bundestag galt zuvor schon als sicher. Der 62 Jahre alte Spitzenwinzer und Klubchef vom SC Freiburg soll als starker Mann für ruhige Zeiten beim von Krisen und Skandalen immer wieder erschütterten Verband sorgen. Nach dem Rücktritt von Reinhard Grindel im April benötigt der DFB eine starke Führungspersönlichkeit, die allerdings auch bereit ist, zu delegieren. "Mit mir wird es keine One-Man-Show geben", versprach Keller bereits im Vorfeld. "Ich habe großen Respekt vor dem Amt, der Aufgabe und dem, was vor mir steht. Ich kann nicht mehr machen, als alles zu geben. Wenn so viele Leute meinen, dass ich da was bewegen kann, dann mache ich das gerne."

Gerhard Mayer-Vorfelder, Theo Zwanziger, Wolfgang Niersbach und dann auch noch dieses Jahr im April Grindel. Die letzten vier DFB-Präsidenten brachten ihre Amtszeiten aus den unterschiedlichsten Gründen in diesem Jahrtausend nicht regulär zu Ende. "Der DFB hat an Vertrauen verloren. Es ist an der Zeit, der Fußballwelt zu zeigen, dass der DFB ein vertrauenswürdiger Partner und Gastgeber der EM 2024 ist", sagte Interimspräsident Rainer Koch am Freitag in Frankfurt.

"Das letzte Lagerfeuer der Gesellschaft"

Als Sofortmaßnahme kündigte Keller eine externe Generalinventur aller DFB-Bereiche an, der sportlichen wie der wirtschaftlichen. "So können wir Glaubwürdigkeit und Vertrauen zurückgewinnen", sagte Keller. "Der DFB muss ein seriöser Anwalt, Dienstleister und Lobbyist sein. Wir sind eine Integrationsmaschine, das letzte Lagerfeuer der Gesellschaft."

Ich habe ihn kennengelernt als Menschen, der Zusammenhänge versteht. Das ist wichtig für die Einigkeit der Amateure und Profis. Ich verspreche mir von ihm für die nächsten Jahre sehr viel.

Bundestrainer Joachim Löw

Keller soll nun also ein anderer DFB-Boss sein. Klar und hart auf Reformkurs, moralisch unbedingt integer, aber vor allem ein Vermittler zwischen dem Amateur- wie Profilager. Unter dem 13. Präsidenten soll es zudem eine deutlichere Trennung zwischen den wirtschaftlichen und den gemeinnützigen Aufgaben geben. Deshalb werden alle Aktivitäten, mit denen Geld verdient wird, künftig von der DFB GmbH verantwortet. Gemeinnützige Aufgaben obliegen dem DFB e.V. Starker Mann der GmbH soll Generalsekretär Friedrich Curtius werden, Oliver Bierhoff ist als Geschäftsführer Sport vorgesehen.

So ist Keller nach den Statuten nicht mehr der Chef des Bundestrainers. Dennoch formuliert der künftige DFB-Boss auch in dieser Hinsicht seinen Anspruch: "Im Profibereich wollen wir international wieder dahinkommen, wo wir waren - mit der Nationalmannschaft und der Bundesliga."

Alle bisherigen Präsidenten des DFB:

1900 bis 1904: Ferdinand Hueppe
1904 bis 1905: Friedrich Wilhelm Nohe
1905 bis 1925: Gottfried Hinze
1925 bis 1945: Felix Linnemann
1950 bis 1962: Peco Bauwens
1962 bis 1975: Hermann Gösmann
1975 bis 1992: Hermann Neuberger
1992 bis 2001: Egidius Braun
2001 bis 2004: Gerhard Mayer-Vorfelder
23.10.2004 - 07.09.2006: Gerhard Mayer-Vorfelder/Theo Zwanziger
08.09.2006 - 01.03.2012: Theo Zwanziger
02.03.2012 - 09.11.2015: Wolfgang Niersbach
10.11.2015 - 14.04.2016: Rainer Koch/Reinhard Rauball (interimsweise)
15.04.2016 - 02.04.2019: Reinhard Grindel
02.04.2019: Rainer Koch/Reinhard Rauball (interimsweise bis 27. September 2019)
ab dem 27.09.2019: Fritz Keller

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