Bierhoffs "Projekt Zukunft" - Reform der Elite-Lizenz?

DFB: Ausbildung auf links

Oliver Bierhoff

Wird für den Jugendfußball ein "Erdbeben" verkünden: Oliver Bierhoff. imago images

Möglich, dass der DFB-Direktor Nationalmannschaften und Akademie in seinem Vortrag auf Zahlen des dritten Bundesliga-Spieltags verweisen wird. Denn bei den 18 Topklubs standen damals lediglich sieben Mann der Jahrgänge 1997 und jünger mit deutschem Pass in den Startmannschaften.

Damit sich diese Statistik langfristig wieder ändert, hat der Verband das "Projekt Zukunft" ins Leben gerufen. So heißt das Konzept, das Bierhoff vorstellen wird und das noch in einem Grundsatzbeschluss verabschiedet werden muss. Neben dem Projektteam und den Gremien von DFB und DFL, so lautet der Plan, sollen künftig mehr als 250 Fußballexperten aus dem Amateur-, Profi- und Juniorenbereich mitarbeiten. Und die Ideen sollen es in sich haben. "Das ist schon ein Erdbeben, im positiven Sinne", sagt ein mit der Sachlage Vertrauter und vergleicht die Dimension mit der Einführung der Nachwuchsleistungszentren (NLZ) um die Jahrtausendwende.

Neben den bereits angestoßenen Reformen im Kinderbereich (der kicker berichtete exklusiv) wird man sich auch mit Themen wie der Abschaffung von Auf- und Abstieg beschäftigen, mit Spielrunden der NLZ untereinander, wie sie beispielsweise in Spanien und England nicht unüblich sind. Auch Durchlässigkeit zu den Profis wird ein Thema sein, ebenso wie der zu sehr durchstrukturierte Tag in den NLZ und damit die Frage, ob hochveranlagten Nachwuchskickern in jungen Jahren zu viel Verantwortung abgenommen wird.

Parallel denkt man nach kicker-Informationen auch intensiv über eine Reform der DFB-Elite-Jugend-Lizenz nach. Diese soll künftig spezifischer für angehende NLZ-Trainer ausdifferenziert werden. Denn derzeit sehen die Experten beim Verband die Schnittmenge der Coaches, die die Elite-Lizenz anstrebt, als schwer miteinander zu vereinbaren an, da es manche in den Seniorenbereich zieht, wieder andere in den Nachwuchs und andere in den gehobenen Amateurfußball. Scheint, als würden die nächsten Schritte nun konkretisiert, um die Ausbildung, ein großer Kritikpunkt nach dem WM-Debakel 2018, auf links zu drehen.

Benni Hofmann