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FIFA eSport ohne Geldeinsatz: "Absolut unmöglich"

Packs in FIFA 20

FIFA eSport ohne Geldeinsatz: "Absolut unmöglich"

In FUT 20 dreht sich wieder alles um Top-Spieler und die Packs. Ist das Glücksspiel?

In FUT 20 dreht sich wieder alles um Top-Spieler und die Packs. Ist das Glücksspiel? EA SPORTS

Morgen ist es soweit: FIFA 20 erscheint offiziell. Profis und Special-Edition-Käufer spielen aber schon seit Tagen, und die sozialen Medien sind einmal mehr überschwemmt von Pack-Openings. Die Profis präsentieren ihre Errungenschaften und legen ganz nebenbei ihre Münz- und FIFA Points-Konten offen. Die Beträge sind hoch. Für die Punkte wird immer Echtgeld fällig - 12.000 Stück kosten 100 Euro.

Dafür werden zum Beispiel Packs erworben, aus denen mit Glück seltene und benötigte Spieler gezogen werden. Viele - gerade junge - Spieler werden es den Profis nachmachen und erneut Unsummen für Packs ausgeben, um mit einer äußerst geringen Wahrscheinlichkeit eine Legende zu erhalten - und sich damit einen vermeintlichen Vorteil zu verschaffen. Kritiker sehen in diesem Lootbox-System ein Glücksspiel für Minderjährige. "Es ist Wahnsinn!", sagte Schalke-Profi Tim 'Tim Latka' Schwartmann im Gespräch mit dem SID: "Es ist im Prinzip mit Glücksspiel gleichzusetzen, wenn man Lootboxen kauft."

Packs sind wie Überraschungseier

Lootboxen erweitern laut Definition des Verbandes der deutschen Games-Branche (game) "die Möglichkeiten der Spieler mit virtuellen Gegenständen und Zusatzinhalten". Dem Positionspapier zufolge gebe es aber deutliche Unterschiede zu Glücksspiel-Mechanismen. Lootboxen würden "Sammelkarten-Spielen, Panini-Sammelbildern oder Überraschungseiern" entsprechen.

Außerdem enthalten Lootboxen demnach "immer einen vorher genannten Umfang", der Spieler "erhält immer einen Gegenwert in Form virtueller Inhalte". Spielehersteller Electronic Arts (EA) schloss sich dieser Positionierung auf Anfrage an.

Premium Gold-Pack auf dem Prüfstand

Der Gegenwert schwankt allerdings stark. kicker eSport hat diesen anhand der beliebten Premium Gold-Packs durchgerechnet. Laut der ausgegebenen Wahrscheinlichkeiten ist durchschnittlich in jedem fünften Pack ein 82+-Spieler, in nur noch jedem 21sten ein 84+-Kicker. Kauft man für 100 Euro 12.000 Münzen, was dem besten Tarif entspricht, sind das umgerechnet 80 Packs, womit jedes etwa 1,25 Euro kostet. Treffen die Wahrscheinlichkeiten zu, zieht man aus den 80 Kartenpackungen vier Spieler mit der Wertung 84+ und 12 Spieler der Wertung 82+. Und selbst diese vier Topkicker sind nicht unbedingt die wertvollen. 100 Euro also für 16 ordentliche Spieler, und das auch nur mit Glück.

Will man oben mitspielen, sind die guten Kicker alternativlos, sagt 'Tim Latka'. Messi oder Ronaldo müssten schon her, ansonsten "ist das so, als würde man mit Schalke gegen Real Madrid spielen". Nicht ausgeschlossen natürlich, dass Schalke gewinnt, aber die Knappen wären vom Start weg immer im Nachteil.

Deshalb investieren Jugendliche oft drei- bis vierstellige Beträge, um sich den Traum von einer professionellen eSport-Karriere zu erfüllen. Während Profis ihr Investment durch Preisgelder häufig wieder reinholen oder der Verein finanziell hilft, macht ein Großteil der Spieler ein Minusgeschäft.

Es ist im Prinzip mit Glücksspiel gleichzusetzen, wenn man Lootboxen kauft.

'Tim Latka' über FIFA-Packs

Cihan Yasarlar, Profi bei RB Leipzig, gab einen Einblick: "Ich investiere in den ersten Tagen und Wochen mehrere tausend Euro." Und: Es sei "absolut unmöglich", ohne Einsatz von Geld an die Weltspitze zu gelangen, sagte der 26-Jährige. Laut Schwartmann besteht sogar die Möglichkeit, vierstellige Summen in das Spiel zu stecken und "noch immer nicht das Beste zu haben". Ein paar Ausnahmen gibt es trotzdem, wie das deutsche Nachwuchstalent 'DullenMIKE'. Es bewies in der vergangenen Saison, dass zumindest die Qualifikation für große Turniere auch mit schlechteren Teams möglich ist.

EA sieht das anders

Seit FIFA 19 schlüsselt EA die Wahrscheinlichkeiten auf. Augenfällig: Für die besten Spieler fehlt die Angabe.

Seit FIFA 19 schlüsselt EA die Wahrscheinlichkeiten auf. Auffällig: Für die besten Spieler fehlt die Angabe. EA SPORTS/kicker eSport

Auch EA SPORTS beschwört immer wieder den Narrativ davon, dass der bessere Spieler sich durchsetzen würde, und nicht der mit Ikonen. "Bei FIFA geht es um Geschicklichkeit, Können und Erfahrung. Gewinner sind die besten und erfahrensten Spieler", sagte Martin Lorber, PR Director von EA in Deutschland, erst kürzlich der "Games Wirtschaft". "Pay2Win wird allgemein als ein Spiel definiert, in dem man Ingame-Items kaufen kann, mit denen die Käufer einen echten Wettbewerbsvorteil gegenüber den Spielern haben, die diese nicht kaufen. Aber das ist nicht FIFA", sagte er weiter und liegt damit im Widerspruch mit Schwartmann und Yasarlar. Eine Einstufung der Lootboxen als illegales Glücksspiel - wie etwa in Belgien oder den Niederlanden - ist in Deutschland derzeit nicht in Sicht. Familienministerin Franziska Giffey (SPD) hatte in der Vergangenheit mehr Verantwortung der Spielehersteller im Sinne des Jugendschutzes eingefordert.

Die Problematik in FIFA ist bekannt und deswegen weisen so gut wie alle deutschen Profis einhellig darauf hin: Macht es uns nicht nach. Das ist unsere Arbeit und wir bekommen das Geld von unseren Vereinen.

Viel Wirkung dürfte das im Angesicht von häufig jugendlichen Weltmeistern nicht haben. Der Nimbus bleibt bestehen: Wer sich nur genug anstrengt, kann es schaffen. Hoffentlich zumindest ohne Schulden.

Holm Kräusche/sid

Havertz oben dabei: Die besten Talente in FIFA 20