Millionenverlust prognostiziert

Minusgeschäft eSport: Gründer verrät Kosten eines LoL-Teams

Richard Wells gründete das League-of-Legends-Team H2K

Richard Wells gründete das League-of-Legends-Team H2K. lolesports

"Den Mund aufmachen, wenn es getan werden muss", das war schon in der EU LCS ein Leitspruch von H2K und Richard Wells. Damals trieb die britische Organisation die Einführung eines Franchising-Systems voran. Doch obwohl H2K nicht Teil der neuen LEC wurde und sich aus League of Legends zurückzog, hat Wells derzeit wieder das Gefühl, etwas sagen zu müssen.

In einem sechzehnminütigen Video Wells legt die Finanzen eines beispielhaften LoL-Teams dar und gibt detaillierte Informationen sowie Zahlen zu Einnahmen und Ausgaben. Als Grundlage dafür dienten eigene Erfahrungen mit H2K, Medienberichte und Insiderinformationen. Daher gibt auch er zu bedenken: "Natürlich sind nicht alle Zahlen zu hundert Prozent genau." In seiner Kernaussage ist er sich aber sicher: League-of-Legends-Teams verlieren jährlich Geld - und das nicht allzu knapp. Selbst mit hohen Preisgeldern und einigen entfallenen Kosten kommt Wells auf eine Million Euro Verlust.

Gigantische Spielergehälter

Größter Kostenpunkt der Teams sind die Spielergehälter. Laut Wells verdient ein LEC-Profi durchschnittlich 250.000 Euro pro Jahr. Das mal fünf gerechnet, plus 60.000 Euro für jeden der fünf Nachwuchs-Spieler und zusätzlichen Ausgaben für Sozialversicherung macht eine Summe von 1,86 Millionen Euro im Jahr und 83 Prozent der gesamten Ausgaben.

Der Rest besteht im Wesentlichen aus 300.000 Euro Personalkosten, 60.000 Euro für Räumlichkeiten - auch wenn diese Summe mit zusätzlichem Büro auf rund 100.000 Euro steigen kann - und 30.000 Euro für Rechtsberatung. Reise- sowie Anschaffungskosten und Essen lässt Wells aus seiner Rechnung heraus. So kommt er auf Jahresausgaben in Höhe von etwa 2,25 Millionen Euro.

Einkünfte fehlen

Den Ausgaben stehen die Einkünfte gegenüber. Im eSport sind dabei vor allem fünf Geldströme interessant. Wells kommt in seinem Beispiel auf eine Summe von etwa 762.000 Euro. 330.000 Euro davon stammen von eigenen Sponsoren oder Werbepartnern, 330.000 Euro von Liga-Sponsoren, 32.000 Euro durch Preisgelder, 50.000 Euro durch Merchandise und 20.000 Euro durch digitale Verkäufe im Spiel. Übertragungsrechte verkauft die LEC derzeit nicht. Zusammengenommen reicht das bei weitem nicht, um die Kosten zu decken. Nach Wells Kalkulation entsteht ein Minus von fast 1,5 Millionen Euro.

Größter Kritikpunkt des Gründers am aktuellen System ist die Verteilung der Sponsoren-Gelder. 50 Prozent der Einnahmen von den LEC-Teams werden nämlich erst in einen Pool geworfen, zusammen mit dem Geld der Liga-Sponsoren, und dann auf alle zehn Organisationen sowie Riot Games aufgeteilt. Da jede Mannschaft einen gleichgroßen Anteil erhält, sinkt das Interesse, selbst große Sponsoren ranzuholen. Wells wünscht sich zudem, dass Riot Games mehr Geld zahlt. 2018 hätte jedes Team noch 550.000 Euro erhalten, nun sind es 230.000 weniger.

Kein Todesurteil Fairerweise ist bei Wells Rechnung anzumerken, dass die LEC seit der Umstrukturierung Ende 2018 zahlreiche neue Sponsoren dazugewonnen hat. Wie viel Geld die zahlen, ist zwar unbekannt und kann alle Kosten unmöglich decken, die Summe sollte jedoch gestiegen sein. Zudem gelten eSport-Teams immer noch als Investition, die erst in ein paar Jahren Gewinn abwerfen soll. Verlust ist demnach eingeplant. Liga und Mannschaften müssen sich in den nächsten Jahren trotzdem neue Wege einfallen lassen, um Geld zu verdienen. Erst dann wird aus der Investition eSport-Team auch ein wirtschaftlich nachhaltiges Geschäft.

Christian Mittweg