Bremen: "Geile Aktionen, der Junge hat Qualität"

Entdeckung Goller imponiert den Routiniers

Startelfpremiere: Bremens Benjamin Goller, hier vor Leipzigs Ibrahima Konaté.

Startelfpremiere: Bremens Benjamin Goller, hier vor Leipzigs Ibrahima Konaté. Getty Images

Der 20-Jährige stand überraschend in der Startelf, nachdem Milot Rashica doch hatte abwinken müssen. Bei seiner Premiere von Beginn an blieb der schmächtige Angreifer dann prompt über die vollen 90 Minuten auf dem Rasen, während die vergleichsweise etablierten Offensivkollegen Johannes Eggestein und Josh Sargent vom Feld mussten. Schon damit fällte Trainer Florian Kohfeldt ein deutliches Urteil.

Ungewollt im Blickpunkt stand Goller zunächst auch: Im Zweikampf mit ihm hatte Niclas Füllkrug am Freitag seinen Kreuzbandriss erlitten. Doch wer die Bilder dieses Trainingsunfalls sieht, kann feststellen, dass Goller in dem fatalen Moment auch nur ein völlig wehrloses Opfer der Umstände war. "Bei diesem Zweikampf konnte wirklich keiner irgendetwas dafür", betont Kohfeldt zu Recht. Nach der Leipzig-Partie sagte der Coach über Goller: "Er hat das Vertrauen gerechtfertigt und gezeigt, dass er auf dem Weg ist, ein Bundesligaspieler mit richtig starken Fähigkeiten zu werden."

Bargfrede: "Benni hatte tolle Aktionen"

Speziell in Eins-gegen-Eins-Duellen wusste der im Sommer ablösefrei aus Schalke verpflichtete Youngster dank seiner Schnelligkeit zu gefallen, selbst gegen Leipzigs athletisch hervorragende Abwehrkräfte. Und wenn der schmalbrüstige Goller (1,80 Meter, 71 Kilo) mal vom mehr als 20 Kilo (!) schwereren Ibrahima Konaté über den Haufen gerannt wurde, stand er, äußerlich völlig unbeeindruckt, einfach wieder auf - um unerschrocken ins nächste Dribbling zu gehen. Den erfahrenen Mitspielern imponierte die grün-weiße Neuentdeckung damit hörbar: "Benni hatte tolle Aktionen", lobt etwa Philipp Bargfrede, "an ihm lag's sicher nicht, dass wir verloren haben." Und Michael Lang schwärmt: "Benni hatte geile Aktionen. Man sieht, dass der Junge Qualität hat."

Als Joker dürfte Goller bis auf weiteres fest im Profikader bleiben

Goller absolvierte zwar die Vorbereitung mit den Profis, war aber ursprünglich zunächst für die Regionalliga eingeplant. Nun gehört er zweifellos zu den Akteuren, für die Werders Verletztenmisere "eine Chance bedeutet, sich zu beweisen", wie Manager Frank Baumann gerne anführt. Zum großen Hoffnungsträger sollte man ihn naturgemäß aber nicht stilisieren. "Man muss die Dinge schon ins rechte Licht rücken", merkt Kohfeldt wohlweislich an, "Benni hat sich auch gegen solche Gegner gut durchgesetzt, er hatte starke Laufwege, hat Dinge vorbereitet. Seine ersten 90 Bundesligaminuten am Stück waren schon in Ordnung. Aber das heißt jetzt noch nicht zwingend etwas für die nächsten Wochen." Immerhin: Als Joker dürfte Goller bis auf weiteres fest im Profikader bleiben.

Im Gegensatz zu Luc Ihorst, der in der Schlussphase als Mittelstürmer eingewechselt wurde. Bei dem 19-jährigen Eigengewächs will Kohfeldt nach dessen Bundesligadebüt ausdrücklich "keine unnötigen Erwartungen wecken". Sondern: "Es war eine Notsituation. Luc soll sich in Ruhe weiterentwickeln, weiter mit der U 23 spielen. Er wird jetzt nicht fest zu unserer Trainingsgruppe gehören." Auch wenn er in den Einheiten der Profis schon mit guter Physis und Torinstinkt auf sich aufmerksam machte. In dem 1,90-Meter-Hünen, der 2017 drei Mal für die U-18-Nationalelf des DFB auflief, könnte durchaus Werders Strafraumstürmer der Zukunft aus den eigenen Reihen heranwachsen.

Thiemo Müller

Bilder zur Partie Werder Bremen - RB Leipzig