Erinnerung an einen ganz besonderen Elfmeter

Van der Vaart: "Ich dachte: Ich schieße das Ding jetzt zum Himmel"

Sagt in Hamburg tschüss: Rafael van der Vaart.

Sagt in Hamburg tschüss: Rafael van der Vaart. imago images

Die Geschichte vom geplanten (und geplatzten) Wechsel zum FC Valencia ist oft erzählt worden. Noch nicht verraten hat der 36-Jährige bislang, was in seinem Kopf vorging, als er zwei Tage, nachdem er sich im Trikot der Spanier hatte fotografieren lassen, im Heimspiel gegen Bayer Leverkusen beim Stand von 0:0 zum Elfmeter für seinen HSV antrat. "Für einen Sekundenbruchteil habe ich gedacht: Ich schieße das Ding jetzt zum Himmel, und dann ist es vorbei. Dann habe ich auf die Nordtribüne geschaut, unsere Fans gesehen. Ich habe diese Leute immer geliebt. Dann habe ich an Damian gedacht: Wenn du das machst, bist du kein Vorbild, sowas macht kein Vater. Also habe ich den Ball gegen René Adler reingehauen."

Mein Abschiedsspiel in Hamburg ist auch eine Entschuldigung.

Rafael van der Vaart

Hamburg gewann durch van der Vaarts Tor 1:0 - und der Niederländer die Herzen zurück, nachdem er sich in der Woche zuvor zunächst für das UEFA-Cup-Auswärtsspiel in Budapest angeblich verletzt abgemeldet und dann im Valencia-Trikot posiert hatte, um seinen Wechsel zu erzwingen. "Es war eine Geschichte, die zu mir gehört. Gefühlt konnte ich in diesem Moment in Hamburg nicht mehr leben. Überall, wo ich hinkam, waren Fotografen, überall hieß es, da kommt van der Verrat. Ich war im Tunnel, wollte nur noch weg."

Rafael van der Vaart im Gespräch mit kicker-Redakteur Sebastian Wolff.

Rafael van der Vaart im Gespräch mit kicker-Redakteur Sebastian Wolff. kicker

Heute blickt er sehr differenziert auf die turbulenten Tage im August 2007 zurück. "Durch Dinge wie diese habe ich mich weiterentwickelt. Damals zum Beispiel war ich der Meinung, dass ich alles richtig gemacht hätte. Heute weiß ich, ich war jung und dumm. Mein Abschiedsspiel in Hamburg ist deshalb ein Dankeschön, aber auch eine Entschuldigung."

In der kicker-Montagsausgabe lesen Sie alles über van der Vaarts zweiten emotionalen Höhepunkt und die Legende von "tomorrow, my friend" um Marcelo Diaz aus dem Jahr 2015.

Sebastian Wolff