Freiburg verpasst trotz bester Chancen den Sprung an die Spitze

Höler: "Bei mir fehlte ein bisschen die Luft"

Lucas Höler

War es zu warm auf dem Platz? Freiburgs Torschütze Lucas Höler spekuliert über den Leistungsabfall nach der Führung. imago images

"Dafür spielt man Fußball"

Freiburg kam stark aus den Startlöchern, setzte den FC Augsburg gleich gehörig unter Druck. Nachdem der SC schon drei gute Gelegenheiten ungenutzt gelassen hatte, war Lucas Höler nach einem sehenswerten Doppelpass mit Christian Günter zur Stelle, wuchtete den erst noch abgeblockten Ball vor der eigenen Fantribüne ins kurze Eck. "Das ist ein überragendes Gefühl. Ich habe es extrem genossen und werde mir das Tor noch öfter anschauen. Dafür spielt man Fußball", freute sich der Torschütze, der mit nun zwei Treffern und zwei Vorlagen Freiburger Topscorer ist.

Trotz dieses wie gemalten Auftakts verlor der SC seltsamerweise nach der Führung zusehends den Faden und fing sich noch vor der Pause gegen sonst weitgehend harmlose Gäste den Ausgleich. Nach der Pause wurde es offensiv zunächst noch schwächer und ungenauer, ehe die Breisgauer gegen Ende des Spiels, nach einer Umstellung auf 4-4-2, noch mal ein Powerplay entfachten, inklusive zweier Pfostentreffer durch Nicolas Höfler und Nils Petersen. Warum aber blieb der SC zwischenzeitlich 60 Minuten ohne Torchance? "Am Anfang haben wir ein Feuerwerk abgebrannt, bei mir hat danach ein bisschen die Luft gefehlt", legte Höler ein ungewöhnliches Geständnis ab.

Konditionelle Probleme schon nach 30 Minuten bei einem Akteur wie Höler, der vor allem meist läuferisch und im Pressing überzeugt? Das mutet seltsam an. Ob es einigen seiner Kollegen auch so ergangenen war, wisse er nicht, er könne nur für sich selbst sprechen. "Es war wieder sehr heiß auf dem Platz. Vielleicht war es zu warm? Vielleicht habe ich zu früh im Spiel zu viel Gas gegeben? Ich weiß es nicht genau. Letzte Woche ins Sinsheim war es bei mir nicht so", suchte Höler selbst nach Erklärungen an einem sonnigen Spätsommertag in Südbaden, an dem die maximalen Temperaturen jedoch mit vergleichsweise niedrigen 24 Grad Celsius angeben wurden.

"Es war jedenfalls schade, dass es so eine Phase in unserem Spiel gab. Nach dem guten Beginn haben wir uns wohl zu sicher gefühlt, waren dann geschockt vom 1:1 und mussten es erstmal verdauen. Am Ende hätten wir anscheinend früher anfangen müssen, Druck zu machen - aber man lernt immer dazu", sagte der erfrischend offene 25-Jährige, der sich auch selbst in die Pflicht nahm: "Ich muss weiter arbeiten, dass es auch wieder 90 Minuten bei mir passt."

In der 75. Minute war Höler für Shootingstar Luca Waldschmidt ausgewechselt worden. Allein, dass der erst Anfang 2018 von Zweitligist Sandhausen gekommene Arbeitertyp schon zweimal im Angriff den Vorzug vor dem technisch begnadeten Neu-Nationalspieler bekommen hat, zeigt Hölers positive Entwicklung beim SC. Die aktuelle Scorerbilanz stimmt auch. Nun muss nur die Sache mit der Luft wieder besser werden, sonst sitzt Höler bei dem aktuell großen Konkurrenzkampf beim SC auch schneller wieder draußen als es ihm lieb sein kann.

Dem vergebenen vierten Saisonsieg will Höler allerdings nicht lange nachtrauern: "Dann holen wir die drei Punkte in Düsseldorf." Spannend, ob der Topscorer am Sonntag im Rheinland wieder in der Startelf steht und wie es dann um seinen Energiehaushalt bestellt ist.

Carsten Schröter-Lorenz