Keine langfristige Struktur, keine Stabilität

FIFA-Spieler? Bei uns nicht, sagt Europas bestes LoL-Team

G2 CEO Carlos 'ocelote' Rodriguez (l.) hält ein Investment in FIFA derzeit für sinnlos

G2 CEO Carlos 'ocelote' Rodriguez (l.) hält ein Investment in FIFA derzeit für sinnlos. Riot Games

Warum haben große eSport-Organisationen eigentlich so selten FIFA-Spieler unter Vertrag? Eine Frage, die auch der ehemalige League-of-Legends- und FIFA-Kommentator Joe Miller hatte. Das Urgestein stellte sie ganz frei heraus auf Twitter und G2 Esports-Gründer sowie CEO Carlos 'ocelote' Rodriguez antwortete.

Da war Miller an den richtigen Mann geraten, Rodriguez ist seit jeher eine schillernde Figur in der Szene und gibt gerne Auskunft über seine Ansichten. Die Antworten fallen dann auch deutlich aus: Zu viele negative Punkte würden ein Engagement in FIFA verhindern. Das gibt zu denken, denn 'ocelote' ist keiner, der neue Investments ängstlich hinauszögert.

FIFA ungeeignet für Organisationen

Rodriguez geht hart ins Gericht mit der kompetitiven Szene von FIFA: Zunächst einmal sei das Turnier-Struktur ein großes Hindernis für ein Investment. G2 wünscht sich Systeme, die langfristige Bemühungen möglich machen und begrüßen. Besonders hervor hebt 'ocelote' die jährliche Neuerscheinung von FIFA. Spieler müssten sich immer wieder neu einstellen. Das brächte keine Stabilität. Weder für die Mannschaft, die außer seltenen Ausnahmen keine kontinuierlich guten Spieler verpflichten könnten. Noch für die Profis selbst, die wenig Einfluss auf solche Veränderungen haben. Beispiele in der Szene gibt es zuhauf: In einem Jahr gewinnt Spencer 'Gorilla' Ealing die WM, im nächsten verschwindet er nahezu von der Bildfläche.

Kaum Teamwettbewerb und Fokus auf Klubs

Rodriguez stößt auch sauer auf, dass EA und die FIFA kaum Anstrengungen unternehmen, einen Teamwettbewerb zu entwickeln. Einzig der FeCWC ist für Teams zugänglich und legt den Fokus auf Mannschaften. 'Ocelote' schränkt ein, dass er unter den richtigen Bedingungen allerdings durchaus bereit wäre, Einzelsportler zu unterstützen.

Logischerweise gefällt dem selbstbewussten CEO von G2 auch nicht, dass der Fokus auf Fußballmannschaften liegt und nicht auf eSport-Teams. Das ist näher betrachtet in der Tat ein Paradoxon an sich, da man ja einen eSportwettbewerb ausrichtet und nicht realen Fußball. Rodriguez vermutet strategische Absichten dahinter, die auf Lizenzierungen beruhen. Wahrscheinlich versprechen EA und FIFA sich aber auch mehr Geld und Strahlkraft von den Fußballvereinen.

Fazit: No-Go

'Ocelote' schließt mit der Zusammenfassung, dass keines der Probleme für sich ein Investmenthindernis sei. Allerdings wären alle zusammengenommen ein "No-Go" für eine langfristige Strategie. Er hätte bereits FIFA-Spieler unter Vertrag gehabt, sagt er, die auf höchstem Niveau gespielt hätten, allerdings hätte G2 davon nichts Nennenswertes gehabt. Tatsächlich spielte bei G2 unter anderem Levy 'SterrenStatuSs' Frederique, der heute für Özils 'M10' antritt.

eSport ist trotz der Millionenbeträge, die in die Szene gepumpt werden, kein leichtes Geschäft. Derzeit ziehen sich unterschiedlichste Organisationen aus FIFA zurück, The F2 ist ein prominentes Beispiel. "Es zeigt, dass irgendwas nicht stimmt", sagte auch Moderator und Szene-Experte 'ChuBoi' zu den Teamrückzügen. Kein Wunder also, dass der Geschäftsmann Carlos Rodriguez sehr genau durchrechnet, ob sich ein Engagement in FIFA überhaupt lohnt. Ist die Zeit für einen Eintritt gewachsener eSport-Organisationen also immer noch zu früh? Ein Alarmsignal? Das muss die Zeit zeigen. EA und die FIFA setzen zumindest für den Moment weiter auf Fußballvereine.

Holm Kräusche

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