Bosz-Elf erlebt selbstverschuldete Pleite - gegen Union droht nächstes Déjà-vu

Bayer und das Ende des Spaziergangs im Park

Bitte Enttäuschung: Leverkusen legte einen krassen Fehlstart in die Champions League hin.

Bitte Enttäuschung: Leverkusen legte einen krassen Fehlstart in die Champions League hin. picture alliance

Die Worte von Yuri Semin waren einfach wie treffend: "Wir wussten, wie wir spielen mussten. Es war kein Zufall. Wir haben gewonnen, weil wir diszipliniert gespielt haben", erklärte der Moskauer Trainer nach dem 2:1-Sieg seiner Mannschaft in Leverkusen, bei dem sich seine Mannschaft darauf verlegt hatte, kompakt und tief stehend zu verteidigen, und dies mit hoher Konsequenz durchzog. Die einfachsten Mittel, seit es im Fußball gilt, einen spielerisch überlegenen Gegner auszubremsen. Dass dies am Mittwoch genügte, sagt viel über den Auftritt der Werkself gegen Lokomotive Moskau aus. Defensiv und diszipliniert zu spielen, reichte völlig aus, um den Leverkusener Auftakt zu einem Reinfall werden zu lassen.

Bosz: "Mit solchen Fehlern ist es schwer zu gewinnen"

Natürlich war die Niederlage absolut selbstverschuldet. Jonathan Tah, der selbst mit einem unbedrängt gespielten Fehlpass eine große Konterchance der Russen eingeleitet hatte, urteilte: "Wir haben in der ersten Hälfte zu viele kleine Fehler gemacht." Leider war es nicht so - es waren krasse Fehler. Ein schlechter Einwurf Wendells, den Leon Bailey zu einem Steilpass Richtung eigenem Strafraum nutzte vor dem 0:1. Ein katastrophaler Fehlpass von Torhüter Lukas Hradecky, der Dmitri Barinov den freien Schuss aus 25 Metern auf das leere Bayer-Tor ermöglichte beim 1:2. "Mit solchen Fehlern ist es schwer zu gewinnen", stellte Peter Bosz nachher ernüchtert fest.

"Wir müssen jetzt Punkte holen, wo es keiner von uns erwartet"

Das dramatische an den Aussetzern: Es waren nicht die einzigen in dieser Partie. Vor der Pause reihten sich bis auf wenige Ausnahmen fast alle Spieler in die Reihe der Spielzerstörer ein. "Das war nicht das Leverkusen, das man normalerweise kennt", urteilte Bosz, der das Ziel Achtelfinale zwar noch nicht abschrieb, aber weiß, dass dies nur noch durch eine Sensation zu erreichen sein wird: "Wir müssen jetzt Punkte holen, wo es keiner von uns erwartet." Die nächsten Aufgaben stellen sich bei Juventus Turin und Atletico Madrid...

Nach dem 0:4 in Dortmund hat Bayer nun den zweiten Stimmungsdämpfer innerhalb von fünf Tagen hinnehmen müssen. Als "schade und enttäuschend" bewertet Tah den Abend, "vor allem, weil es kein Gegner war, gegen den du keine Chance hast". Und dies ist mit Semins Analyse die bitterste Erkenntnis.

Neun Gegentreffer in fünf Pflichtspielen sagen einiges aus

In der derzeitigen Verfassung reicht relativ wenig, um Bayers Offensivspiel zu torpedieren. Und in der Defensive zeigt sich die Bosz-Elf nicht nur aufgrund der hohen Fehlerquote in Ballbesitz extrem anfällig. Neun Gegentreffer in fünf Pflichtspielen gegen erstklassige, aber bis auf den BVB von ihrer Gesamtstärke doch sehr überschaubare Gegner wie Paderborn, Düsseldorf, Hoffenheim und Moskau sagen bei nur sieben erzielten Treffern einiges aus.

Als Tah nach der Moskau-Pleite gefragt wurde, wann es denn zum Bruch bei Bayer in dieser Saison gekommen sei, antwortete der Nationalverteidiger: "Ich würde nicht sagen, dass es überhaupt einen Bruch gab." Eine ungewollt zutreffende Bewertung. Offenbarte die Bosz-Elf doch schon beim Auftaktsieg gegen Paderborn (3:2) Schwächen, die nur nicht bestraft wurden. Und auch beim 3:1-Erfog in Düsseldorf hatte das Team frühzeitig in der zweiten Hälfte eine Nachlässigkeit an den Tag gelegt, die nicht zum Gesicht einer Spitzenmannschaft passt.

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Die Sicherheit und das Selbstverständnis aus der bärenstarken Rückrunde ist spätestens jetzt verflogen. Bayer muss nun in der Liga gegen Union Berlin wieder von vorne anfangen. "Wir dürfen die Köpfe nicht hängen lassen. Am Samstag müssen wir uns den Gefallen tun, dass wir wieder drei Punkte holen. Und dann wieder von Anfang an aufbauen. Keiner wollte das von uns, aber das gehört auch zum Fußball, leider", gibt Hradecky zu. "Wir müssen Lösungen finden. Union wird am Samstag ähnlich spielen, davon ist auszugehen. Das ist die Herausforderung", weiß Sportdirektor Simon Rolfes.

Hradecky: "Ich werde das Vertrauen in meine Mannschaft nie verlieren"

Die nächsten Spiele werden bedeutend dafür sein, nicht den Glauben an die eigenen Stärken zu verlieren. Der ans Weiterkommen in der Königsklasse ist deutlich reduziert, auch wenn Hradecky trotzig erklärt: "Ich werde das Vertrauen in meine Mannschaft nie verlieren. Natürlich ist es jetzt schwieriger. Die Champions League ist kein Spaziergang im Park." Die Partie gegen Union Berlin für diese Bayer-Elf genauso wenig.

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie Bayer 04 Leverkusen - Lokomotive Moskau