Hertha: Auf dem linken Flügel - oder als Zehner?

Dilrosun drängt in die Startelf

Javairo Dilrosun, Weston McKennie (li.)

Mut zum Dribbling: Javairo Dilrosun zieht an Schalkes Weston McKennie (li.) vorbei. imago images

Der Niederländer, den Hertha-Coach Ante Covic in Mainz nach 80 Minuten für Dedryck Boyata einwechselte, belebte auf Anhieb Herthas Offensive: nicht auf dem Flügel, wo er seit dem Wechsel von Manchester City nach Berlin im Sommer 2018 in aller Regel agiert hatte, sondern auf der Zehn. Der abermals weitgehend wirkungslose Ondrej Duda, Herthas Stamm-Zehner, hatte da längst auf der Bank Platz genommen. Der Arbeitstag des in dieser Saison noch torlosen Slowaken war bereits nach 69 Minuten beendet.

Dilrosun und der Mut zum Dribbling

"Mit Javairo", sagte Covic, "hatten wir in der Schlussphase jemanden auf der Zehn, der die Tiefe beläuft. Das ist voll aufgegangen." Dass ausgerechnet Dilrosun das Tor von Marko Grujic vorbereitete, war kein Zufall. Die zehn finalen Minuten in Mainz genügten, um den in der Vorsaison gewonnenen Eindruck zu bestätigen: Mit seiner dynamischen, unberechenbaren Spielweise und seinen Fähigkeiten und dem Mut im Dribbling ist Dilrosun ein Gewinn für Hertha, auch wenn er an seiner Geradlinigkeit und Torgefährlichkeit weiter arbeiten muss.

Spielersteckbrief Dilrosun

Dilrosun Javairo

Trainersteckbrief Covic

Covic Ante

Hertha BSC - Vereinsdaten

Gründungsdatum

25.07.1892

Vereinsfarben

Blau-Weiß

Ende Juli hatte sich der Profi, der im November 2018 gegen Deutschland (2:2) in der niederländischen A-Nationalmannschaft debütiert und sich dabei verletzt hatte, in Herthas Trainingslager im österreichischen Stegersbach eine Muskelverletzung im Oberschenkel zugezogen. Erst Ende August war er ins Mannschaftstraining zurückgekehrt. Beim 0:3 auf Schalke - vor der Länderspielpause der Bundesliga - durfte Dilrosun die letzten 30 Minuten ran, in Mainz die letzten zehn. Gegen Paderborn scheint die Zeit reif für den ersten Startelf-Einsatz in dieser Saison - auf dem linken Flügel oder sogar auf der Zehn. Die zentrale Rolle traut Covic Dilrosun prinzipiell zu.

Ernährungsumstellung - und nun Startelfeinsatz?

Vor einem Jahr, in seiner ersten Hertha-Saison, war der im Nachwuchs von Ajax Amsterdam (2006-2014) und Manchester City (2014-2018) ausgebildete Dribbler mit fünf Scorerpunkten in den ersten vier Bundesliga-Spielen kometenhaft gestartet. Die unsanfte Landung in der Realität kam indes schnell: Nach mehreren Muskelblessuren (Oberschenkel, Rücken) und fast fünfmonatiger Ausfallzeit kam er erst im April zu seinem Bundesliga-Comeback.

Inzwischen trainiert er im Kraftraum verstärkt für seine Stabilität und den Rücken und hat auch seine Ernährung ein wenig umgestellt. Er isst nicht mehr so viel rotes Fleisch. Auf dem Rasen freilich verströmt Dilrosun eine Spielfreude wie eh und je: "Wenn ich auf dem Platz bin, spiele ich einfach Fußball - so wie immer." Genau das darf er am Samstag im so wichtigen Spiel des Letzten gegen den Vorletzten vermutlich von Anfang an. Die Frage ist nur: in welcher Rolle?

Steffen Rohr

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