HSV-Torjäger vergab Hochkaräter - als er traf, wurde er zurückgepfiffen

Hinterseer als tragische Derby-Figur

Lukas Hinterseer

Erwischte einen unglücklichen Abend: HSV-Stürmer Lukas Hinterseer. imago images

Der HSV hatte durch Lukas Hinterseer wohl den Ausgleich erzielt, Schiedsrichter Sven Jablonski nach einem Signal von Assistent Holger Henschel aber entschieden, dass der Ball zuvor im Aus gewesen sein soll. Der HSV-Trainer aber machte - zu Recht - die schwache erste halbe Stunde als Ursache für die Derby-Pleite verantwortlich.

Hecking nicht frei von Irrtümern

"Am Ende ist St. Paulis Sieg verdient, weil die ersten 30 Minuten gar nicht gut von uns waren, wir haben nur abgewartet, sind erst nach 35 Minuten aufgewacht." Da hatte der Underdog bereits geführt, weil auch der Trainer-Routinier nicht frei von Irrtümern ist. "Wer rechts verteidigt, wird nicht spielentscheidend sein", hatte der 55-Jährige am Vortag gesagt. Und überraschend Youngster Josha Vagnoman den Job des verletzten Jan Gyamerah zugewiesen.

Der 19-Jährige stand beim ersten Gegentreffer am Anfang der Fehlerkette, weil er Flankengeber Mats Möller Daehli nichtmal halbherzig unter Druck setzte, und er schlief vor Rick van Drongelens Eigentor als er Marvin Knoll nach einem Freistoß laufen ließ. "Diesen Freistoß", zürnte Hecking, "habe ich den Jungs zwei Stunden vorher noch in der Vorbereitung gezeigt - das ist so nicht zu akzeptieren."

Ich glaube nicht, dass der Ball im vollen Umfang über der Linie war.

Marvin Knoll (FC St. Pauli)

Der HSV hätte dennoch zurückkommen können. Lukas Hinterseer vergab mehrfach, einmal sogar kläglich das sichere 1:1. Und als er es erzielt hatte, wurde er zurückgepfiffen. Bitter für den HSV: Assistent Henschel stand rund 50 Meter entfernt und in einem äußerst schlechten Winkel, nicht annähernd an der Grundlinie, die der Ball bei Bakery Jattas Vorlage überschritten haben soll. Selbst St. Pauli-Antreiber Marvin Knoll räumte ein: "Ich glaube nicht, dass der Ball im vollen Umfang über der Linie war." Kein TV-Bild konnte die Schiedsrichter-Entscheidung bestätigen - aber eben auch nicht widerlegen. Damit behielt der mutmaßlich falsche Pfiff Bestand. "Der Fehler" beklagte Hecking, "liegt darin, dass auf der wichtigsten Linie keine Kamera ist."

Rehabilitation gegen Erzgebirge Aue

Grundsätzlich aber hielt er sich lieber mit seiner Mannschaft auf: "Wir müssen uns einmal schütteln, und dann am Sonntag gegen Aue die richtige Antwort geben." Dann möglichst von der ersten und nicht erst von der 30. Minute an. Martin Harnik ist seinem verkorksten HSV-Debüt sicher, dass das gelingen wird: "Wir sind alle enttäuscht, haben aber von der Anfangsphase abgesehen, kein schlechtes Spiel gemacht. Wir können dennoch mit einer breiten Brust in die Partie gegen Aue gehen. Das wird uns nicht umwerfen."

Sebastian Wolff