Gelbe Karte nach verständlicher Reaktion an der Seitenlinie

Kohfeldt: "Dann verlasse ich jedes Mal die Coaching Zone"

Neven Subotic, Florian Kohfeldt und Claudio Pizarro

Mittendrin: Neven Subotic, Florian Kohfeldt und Claudio Pizarro. imago images

Zugleich führte der Werder-Coach noch die äußeren Gegebenheiten - enges Stadion und hektisches Spiel - als mildernde Umstände an. Und: "Ansonsten steht es mir nicht zu, mich zur Spielleitung groß zu äußern."

Dass er selbst die Gelbe Karte sah, kritisierte Kohfeldt indes unmissverständlich. Die Emotionen des Fußballlehrers waren dabei absolut nachzuempfinden, die Entscheidung des Referees in diesem Fall aber zumindest vertretbar.

Als der Bremer Neuzugang Leo Bittencourt nach einem intensiven Zweikampf mit Neven Subotic über die Seitenauslinie in die Bande krachte, war Kohfeldt nicht mehr zu halten. Der 36-Jährige sprintete los, "weil ich Angst hatte um meinen Spieler". Eine komplett nachvollziehbare Reaktion, die Szene wirkte auf den ersten Blick gefährlich, und sie war es auch. Allerdings nicht weil Subotic über die Maßen brutal eingestiegen wäre, sondern "weil die Werbebanden hier etwas näher am Platz sind als anderswo", wie Bittencourt selbst richtig feststellte.

Kohfeldt vermisst "Fingerspitzengefühl"

Nach seiner eigenen Wahrnehmung, so Kohfeldt, "renne ich zu Leo hin, weil er aus einem Meter mit dem Kopf gegen die Bande gerammt wird. Und dann kriege ich eine Gelbe Karte. Entschuldigung, aber das hat nichts mit Fingerspitzengefühl zu tun."

Die TV-Bilder allerdings belegen einen anderen Ablauf: Kohfeldt läuft im ersten Impuls zunächst in Richtung des als Übeltäter ausgemachten Subotic - und löst damit zwangsläufig eine Rudelbildung aus, ehe er sich um Bittencourt kümmert. Rein regeltechnisch ist Welz hier also kein Vorwurf zu machen.

Zwingend war Gelb für Kohfeldt in Anbetracht des menschlich ganz normalen Verhaltens allerdings nicht. Vielmehr wirkte die Sanktion wie ein verzweifelter Versuch des zu diesem Zeitpunkt längst überforderten Unparteiischen, das Geschehen irgendwie wieder in den Griff zu bekommen. "Vor der Saison wurde uns gesagt: Mit Gelben Karten für Trainer wird sehr vorsichtig umgegangen", merkt Kohfeldt an. "Wahrscheinlich wird man mir jetzt sagen: Du darfst die Coaching Zone nicht verlassen. Aber ich sage ganz deutlich: Wenn so etwas passiert, verlasse ich jedes Mal die Coaching Zone."

Gelb geben sollte es dafür unbedingt, wenn übertrieben reklamiert wird. Aber nicht, wenn ein Trainer aus gutem Grund einfach mal für einen Moment nicht ganz gelassen bleibt.

Thiemo Müller