Nach dem 0:4 beim BVB

Die Benders: Klartext im Kabinengang

Lars Bender, Sven Bender

Brüder im Zwist: Lars und Sven Bender nach dem 0:4 in Dortmund. imago images

Es begann auf dem Platz. Mit dem Schlusspfiff. Gerade hatte Bayer das 0:4 kassiert. Und Sven und Lars Bender diskutierten und gestikulierten wild. Die Emotionen kochten hoch und wollten sich auch nicht so schnell abkühlen. Auch nach dem Gang zu den Leverkusener Fans und auf dem Weg in die Umkleide hatten sich die Zwillinge noch nicht beruhigt. Sven Benders Stimme donnerte durch den Kabinengang.

"Man muss sich auch die Meinung sagen können. Und wir sind da etwas emotionaler, weil wir nicht so gut verlieren können", erklärte Sven später den lautstarken Disput, "aber das ist alles wieder vergessen. Das war nicht schlimm." Vielmehr sieht der Abwehrchef dies als gutes Zeichen an. "Schlimm wäre es, wenn wir nach so einem Spiel gar nicht mehr reden würden", so Sven Bender, der in der Kabine mit seinen Kollegen noch länger Redebedarf gehabt hatte. "Wir haben ein bisschen diskutiert, was wir hätten besser machen können. Da gab es einiges. Trotzdem muss man nicht alles schlecht reden. Wir müssen mutig bleiben. Es ist nicht so, dass wir uns in die Hose gemacht hätten. Wir hatten wieder extrem viel Ballbesitz und brutale Konterchancen - aber das hat Dortmund besser gelöst."

Trotz 0:3 noch Vorwärtsgang: Wendell entblößt Bayer

Dass Bayer am Ende auseinanderfiel, wurmte beide Benders. Dass Wendell selbst beim Stand von 0:3 noch nach vorne verteidigte und so vor dem 0:4 die linke Abwehrseite entblößte, ebenso. "Natürlich müssen wir uns in den letzten Minuten cleverer anstellen", sagte Sven Bender, "da müssen wir uns auch mal hinstellen und sagen: Wir machen den Laden dicht." Wendell tat das Gegenteil.

Was in dieser Schlussphase geschah, "hat sich komisch angefühlt", erklärte Lars Bender, "wir können es auch nicht einfach akzeptieren. Es geht ums gewinnen. Man kann am Ende auch mal ein Spiel verlieren, aber nicht so. Vor allem nicht wie in den letzten Minuten. Das tut uns weh, wenn wir dann zerfallen und ein, zwei Tore zu viel kassieren. Da nehme ich uns mit in die Verantwortung, aber es gehört auch dazu, ein bisschen Emotion zu zeigen."

Mein Bruder und ich sind so aufgewachsen, uns gegenseitig auch mal verbal die Schnauze einzuhauen.

Lars Bender

Diese waren zweifelsohne vorhanden. Und dass dabei absoluter Klartext im Kabinengang gesprochen wurde, räumt Lars unumwunden ein: "Mein Bruder und ich sind so aufgewachsen, uns gegenseitig auch mal verbal die Schnauze einzuhauen. Das ist aber fünf Minuten später auch vergessen."

Der offensiv insgesamt eher harmlose Auftritt nicht. "Rund ums Tor war Dortmund einfach eine Klasse besser als wir. Bis zur Box haben wir es teilweise gut gespielt, aber was die Effektivität und den Zug zum Tor angeht, da waren sie uns einfach voraus", analysierte der Kapitän nach dem zweiten Spiel ohne Leverkusener Torerfolg hintereinander.

Chance zur Korrektur gegen Moskau

Denn entscheidend ist am Ende der Effekt - wie bei dem emotionale Zwist der Benders. Ein klärendes Gewitter kann oftmals hilfreich sein, um sich zu entwickeln. "Es ist ein Lernprozess", sagt Sven zum ernüchternden Auftritt, "dass es Rückschläge gibt, ist normal. Aber sie sollten nicht so häufig vorkommen."

Schon gar nicht am Mittwoch im ersten Champions-League-Spiel gegen Lokomotive Moskau. Doch Bender sieht die Partie auch als Chance zur Wiedergutmachung. "Das Schöne an den englischen Wochen ist, dass man auch schnell etwas korrigieren kann. Deshalb müssen wir das Spiel auch schnell abhaken." Inklusive aller Emotionen.

Stephan von Nocks

Bilder zur Partie Borussia Dortmund - Bayer 04 Leverkusen