Erster Platzverweis im 247. Bundesligaspiel

Anführer Sahin: "... das wäre peinlich"

Nuri Sahin

Flog erstmals in der Bundesliga vom Platz: Nuri Sahin. imago images

Nicht nur, weil in Maxi Eggestein (Rücken) womöglich auch die Alternative auf der Sechser-Position weiter ausfällt. Sondern auch, weil Sahin aktuell einen Wert für die Mannschaft entfaltet, den ihm nicht mehr jeder zugetraut hätte. Wie schon gegen Augsburg war der Ex-Dortmunder beim 2:1 an der Alten Försterei als Stratege vor der Abwehr ein wesentlicher Erfolgsfaktor. Und auch in der Kabine fand Sahin vor Anpfiff offenbar die richtigen Worte.

"Nuri hat bislang eine top Saison gespielt", lobt Trainer Florian Kohfeldt, "er ist der Denker und Lenker, nach vorne wie nach hinten. Und gerade in Berlin war er auch in der Kabine so wichtig, wie er gesprochen hat, wie er die anderen geführt hat." Was Sahin den Kollegen mitteilte, verriet der 52-malige türkische Nationalspieler auf Nachfrage selbst: "Ich habe gesagt, dass es keine Ausreden gibt. Wenn ich nach dem Spiel dastehen würde und sagen: Der fehlt, der fehlt, der fehlt, es ist doch klar, dass wir verlieren - das wäre peinlich. Es ging darum, zu gewinnen." Eine Marschroute, die das Team perfekt umsetzte: "Jeder hat sich reingehauen, ich bin stolz auf die Jungs", so Sahin. "Für die Entwicklung jedes Einzelnen bedeutet so ein Sieg viel."

Zu schnell ausgeführt: Zeitspiel!?

Warum er den ersten Platzverweis im 247. Bundesligaspiel quittieren musste, konnte Sahin allerdings "nicht verstehen". Auch objektiv betrachtet erscheint die Entscheidung des insgesamt schwachen Schiris Tobias Welz absurd. Weil Sahin einen Freistoß zu schnell (!) ausführte, wurde ihm Zeitspiel unterstellt. Selbst wenn die Freigabe des Balls tatsächlich noch nicht erfolgt war, hätte ein souveräner Referee die Partie einfach weiterlaufen lassen. Wollte Sahin wirklich Zeit schinden, hätte er sich im Zweifel ins eigene Fleisch geschnitten. So wurde die Spielfortsetzung durch Welz erst Recht verzögert - und Werder wie Sahin im Hinblick auf die kommende Partie gegen den Spitzenreiter unverhältnismäßig bestraft.

Thiemo Müller

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