"Kleiner Faserriss" nach voreiliger Entwarnung

Der Nächste, bitte: Auch Moisander fällt aus

Niklas Moisander

Auch er muss pausieren: Bremens Kapitän Niklas Moisander. imago images

Zugezogen hatte sich Moisander die Blessur am vergangenen Freitag, während des Auslaufens nach dem tags zuvor absolvierten "Geheimtest" bei Hannover 96. Der 33-Jährige brach die Einheit vorzeitig ab, mit einer Entwarnung war der Klub anschließend schnell bei der Hand - nicht zum ersten Mal voreilig. Die Verletzung entpuppte sich als gravierender als die zunächst angenommene Zerrung. Oder verschlimmerte sie sich etwa in der Zwischenzeit, in der Moisander individuell, aber unter Anleitung, trainierte? Wie auch immer. An diesem Donnerstag sagte Kohfeldt: "Es ist wie verhext. Sich bei dieser Einheit zu verletzen, ist nicht zu erklären." Noch bis Mittwoch, so der Coach, "sind wir alle fest davon ausgegangen, dass Niklas wieder spielen kann." Als Moisander dann aber doch nicht ins Mannschaftstraining einsteigen konnte, folgten weitere Untersuchungen und nach knapp einer Woche endlich auch die exakte Diagnose.

Neben den Ausfällen an sich sind solche Abläufe definitiv ein Ärgernis in einem Profiklub. Unabhängig davon, dass Kohfeldt in Bezug aufs Zustandekommen der jeweiligen Verletzungen beteuert: "Bei aller Selbstkritik ist für uns intern weiterhin kein Muster zu erkennen." Wie sehr ihn die Personalmisere und deren Begleitumstände nerven müssen, überspielte Kohfeldt am Donnerstag derweil nahezu Oscar verdächtig: "Es macht mir unheimlich Spaß, daran zu arbeiten, Lösungen zu finden", strahlte der Fußballlehrer, "und ich bin total überzeugt von den Spielern, die da sind. Wir werden auch in Berlin wieder eine richtig starke Mannschaft auf den Platz bringen und wollen dieses Spiel gewinnen." Das Vertrauen in seine Truppe ist Kohfeldt dabei ebenso abzunehmen wie seine demonstrative Jetzt-Erst-Recht-Mentalität. Dass es in ihm nicht trotzdem brodelt, ist dennoch nicht zu glauben.

Bemerkenswert dabei: Trotz der unfassbaren Unglücksserie bleibt Kohfeldt in seinem Handeln rational. "Wir werden keinen Spieler vorzeitig auf den Platz schicken, wenn noch ein Risiko besteht. Wir müssen die Ruhe bewahren, so schwer es uns fällt." Deshalb etwa sei Milot Rashica noch kein Thema für Samstag. "Milot wird dann nächste Woche gegen Leipzig ganz sicher wieder dabei sein", kündigt Kohfeldt an, "eventuell auch Ömer Toprak und vielleicht sogar Niklas Moisander."

Dreierkette mit Friedl, Sahin und Lang?

Wie er den nun bereits vierten Ausfall eines Innenverteidigers kurzfristig kompensiert, "weiß ich schon, verrate es aber nicht", sagt Kohfeldt. Die wahrscheinlichste Lösung: Eine Dreierabwehrkette mit Michael Lang, Nuri Sahin und Marco Friedl. Davor ein Fünfer-Mittelfeld mit Maxi Eggestein auf der Sechs, Theo Gebre Selassie sowie Leo Bittencourt auf den Außenbahnen und Davy Klaassen plus Yuya Osako auf den Halbpositionen. Und ganz vorne das Angriffsduo Niclas Füllkrug/Johannes Eggestein. Eine Formation, der beim Aufsteiger drei Punkte zuzutrauen sind, wäre das allemal. "Um alles andere", sagt Kohfeldt, "kümmern wir uns danach."

Thiemo Müller

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