Ex-Kapitän über den kritisierten Spielmacher

Mertesackers Anekdote: Arsenal-Fans verstehen Özil nicht

Per Mertesacker mit Mesut Özil im Dezember 2013

Deutliche Ansage: Per Mertesacker mit Mesut Özil nach Arsenals 3:6 bei ManCity im Dezember 2013. picture alliance

Joe Willock (20), Reiss Nelson (19) und Gabriel Martinelli (18) haben in dieser Premier-League-Saison schon für den FC Arsenal gespielt, Mesut Özil (30) nicht. Erst fehlte er wegen Sicherheitsbedenken, dann wegen kleinerer gesundheitlicher Probleme, zuletzt saß er 90 Minuten auf der Bank.

Die Aufbruchsstimmung, die bei den Gunners nach den spektakulären Transferausgaben im Sommer herrscht, ist an Özil völlig vorbeigegangen. Unai Emery findet immer noch keine Verwendung für ihn, wobei nicht ganz klar ist, ob das am Trainer oder an Özil liegt. Die schwierige Phase, in die der Spielmacher seit Arsene Wengers Abschied 2018 geraten ist, scheint jedenfalls zum Dauerzustand zu werden.

"Er kann den Pass spielen, den kein anderer spielen kann - er hat ein magisches Gespür"

Weil Özil immer noch der mit Abstand bestbezahlte Spieler im Kader ist, ist die Klubführung ungeduldig und unzufrieden und der Anhang ebenso. Das könne er sogar verstehen, sagt sein früherer Mitspieler Per Mertesacker nun in einem in britischen Medien zitierten Interview anlässlich seiner nun auch auf Englisch erschienenen Biographie: Aber "wahrscheinlich verstehen die Fans ihn einfach nicht".

Wie also ist Özil? "Erst einmal liebt er Fußball", sagt Mertesacker, der schon in Bremen mit ihm zusammenspielte und derzeit Leiter der Arsenal-Jugendakademie ist. "Er ist ein Genie am Ball, das kann man in jedem Training beobachten. Wenn er ihn bekommt, denkt er, er stünde im Park, er kann den Pass spielen, den kein anderer spielen kann. Er hat ein magisches Gespür."

"Ich dachte, dass das jetzt bestimmt länger zwischen uns stehen würde"

Und er habe einen ungewöhnlichen Charakter, wolle sich immer mit allen gut stellen. "Er ist nicht der Typ, der zu den Leuten geht und sagt: 'Du musst das und das machen.' Er ist anders, und manchmal hatte ich Probleme, damit klarzukommen", erzählt Mertesacker und erinnert sich an einen Vorfall vom Dezember 2013, als Özil sich nach einer 3:6-Niederlage bei ManCity nicht bei den mitgereisten Fans bedanken wollte.

"Als ich dann zu ihm gegangen bin und gesagt habe: 'So machen wir das hier nicht', dachte ich, dass das jetzt bestimmt länger zwischen uns stehen würde. Aber er sagt dann eher: 'Nein, das ist schon okay, das akzeptiere ich, schauen wir nach vorne.'" Während er, Mertesacker, noch Tage und Wochen danach ob des Vorfalls "wirklich sauer" war, sei Özil "in solchen Momenten ganz locker und hat kein Problem damit".

Mertesacker nimmt Özil in die Pflicht: "Es muss von ihm kommen"

Wie geht es weiter für den bald 31-Jährigen bei den ambitionierten Gunners, die laut Mertesacker "in zwei bis drei Jahren" wieder um den Meistertitel mitspielen werden? "Letztlich", sagt der vier Jahre ältere Ex-Profi, "muss es von ihm kommen, wenn er auf das nächste Level kommen will." Gerade würde es den Arsenal-Fans wohl schon reichen, wenn er eines seiner früheren Level wieder erreichen würde.

jpe

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