DEL 2019/20, Vorschau: Die Mitfavoriten

Neue Trainer in Köln und Berlin, DEG und ERCI in Lauerstellung

Mike Stewart

Nach Augsburg nun Coach in Köln: Mike Stewart. imago images

Kölner Haie: Die Ära Stewart beginnt

Personal: Bei den Haien beginnt die Ära von Coach Mike Stewart, den die Kölner von den Augsburger Panther weglockten. Der AEV hatte die Rheinländer 2018/19 trotz erheblich geringerer finanzieller Mittel mit Rang drei hauchdünn distanziert. Stewart folgt auf Interimstrainer Dan Lacroix, der die Haie nach der Beurlaubung von Peter Draisaitl Ende Januar nur bis zum Saisonende übernommen und bis ins Halbfinale geführt hatte. Stewart gilt als akribischer und sehr detailorientierter Trainer, der dies auch von seinen Spielern verlangt.

Kölner Haie - Vereinsdaten
Eisbären Berlin - Vereinsdaten
Düsseldorfer EG - Vereinsdaten
ERC Ingolstadt - Vereinsdaten

Kölns punktbester Verteidiger der vergangenen Saison, Morgan Ellis (38 Zähler), heuerte in der KHL an. Mit Felix Schütz, der einen erneuten Wechsel ins Ausland bevorzugte, bis zuletzt aber in Heimatnähe in Straubing mittrainierte, sowie Ryan Jones (Karriereende) und Mike Zalewski (Wien) gingen drei weitere der besten zehn Scorer der Spielzeit 2018/19. Durch die Abgänge von Alexander Sulzer (Düsseldorf), Kai Hospelt (Krefeld) sowie Steve Pinizzotto und Corey Potter (beide ebenfalls wohl Karriereende) sparten die Haie in Sachen Budget gewaltig ein. Auch Nachverpflichtung Rok Ticar (nun Oskarshamn/SHL) kehrte nicht zurück. Weiter zum Kader gehört Marcel Müller, der nach über einem Jahr Pause nach schwerer Knieverletzung aber noch immer nicht spielfähig ist.

Zumindest in der Abwehr reinvestierte Sportdirektor Mark Mahon aber auch einen Teil der eingesparten Summen: Mit Jakub Kindl (32; 351 NHL-Spiele für Detroit) gelang die Verpflichtung eines für DEL-Verhältnisse äußerst prominenten Akteurs. Die beiden 27-jährigen Taylor Aronson (Nürnberg) und Kevin Gagné (Mora/SHL) wiesen ihre Qualitäten ebenfalls bereits nach. Im Angriff dagegen kamen mit dem zweitbesten DEL-Scorer der vergangenen Saison, Jon Matsumoto (32), der Stewart bereits aus gemeinsamen Zeiten in Augsburg kennt, sowie dem Deutsch-Kanadier Jason Bast (30; ebenfalls Nürnberg) nur zwei Spieler für die Topreihen, dazu noch der NHL-erfahrene Defensivstürmer Zach Sill (31). Auch, um eigenen Talenten wie Lucas Dumont (22) oder Mick Köhler (21) mehr Einsatzzeiten zu gewähren.

Ausblick: Wie schnell gewöhnen sich Mannschaft und Stewart aneinander? Was passiert, wenn das Team die hohen Anforderungen des 47-Jährigen auf und neben dem Eis umsetzt, war zuletzt in Augsburg zu sehen. Gelingt dies in Köln ebenfalls, dann werden die Haie, die sicherlich noch mehr individuelle Qualität besitzen als die Süddeutschen, ein für jeden Gegner äußerst unangenehmer Rivale sein.

kicker-Tipp: Setzt Stewart seine Vorstellungen in Köln vollends durch, gehören die Haie - nach Mannheim und München - zu den heißesten Titelanwärtern.

Düsseldorfer EG: Mit mehr Tempo und Jugend weiter nach oben?

Max Kammerer

Rückkehr ins DEG-Trikot nach einem Jahr in den USA: Max Kammerer. imago images

Personal: Trotz geschaffter direkter Play-off-Qualifikation gab es bei der DEG - zum Teil gewollt, zum Teil ungewollt - einen mittelgroßen personellen Umbruch. Während Harold Kreis kurz vor dem Auftakt über die Saison 2018/19 hinaus verlängerte, brachen den Düsseldorfern mit Lokalmatador Philip Gogulla (München) und Jaedon Descheneau (Brynäs/SHL) die beiden besten Scorer weg. Auch Topverteidiger Ryan McKiernan (Berlin) heuerte bei der besser zahlenden Konkurrenz an. Mit Calle Ridderwall, Alexandre Picard und Patrick Köppchen beendeten drei Führungsspieler ihre Karriere. Die Importspieler Braden Pimm, John Henrion und Kevin Marshall erhielten ebenfalls keinen neuen Vertrag.

Jünger und schneller werden, hieß das Ziel von Kreis und Geschäftsführer Stefan Adam auf dem Transfermarkt. Ein Glücksfall dabei: Eigengewächs Max Kammerer (22) kehrte nach einem Jahr im Farmteam der Washington Capitals vorzeitig aus Nordamerika zurück. Aus Bremerhaven kam mit dem Deutsch-Kanadier Chad Nehring (52 Punkte in 52 Spielen 2018/19) ein auch physisch präsenter Deutsch-Kanadier, dazu in Ex-NHL-Akteur Luke Adam (29) ein frisch gebackener deutscher Meister mit Mannheim. Für mehr jugendlichen Elan und Tempo sollen insbesondere der Lette Rihards Bukarts (23), Ex-ECHL-Star Reid Gardiner (23) und der aus München losgeeiste Tobias Eder (21) sorgen.

In der Defensive sollen gleich drei Skandinavier für Stabilität, aber auch guten Spielaufbau sorgen. Alexander Urbom (28) galt längere Zeit als hoffnungsvolles Talent der New Jersey Devils. Der offensiver orientierte dänische Nationalspieler Nicholas Jensen (30) erzielte für Bremerhaven zuletzt zehn Tore. Auch der 22-jährige norwegische Rechtsschütze Johannes Johannesen verfügt über Qualitäten im Spiel nach vorne. Ein Wagnis ging die DEG mit der Rückholaktion von Ex-NHL-Verteidiger Sulzer ein. Der gebürtige Kaufbeurer war 2007 aus Düsseldorf nach Nordamerika gewechselt. Zum Start fehlt der 35-Jährige prompt krankheitsbedingt, sodass man in Marc Zanetti (28; spielte schon 2012 und 2014 für die DEG) einen weiteren Importspieler hinzu holte.

Ausblick: Auch wenn die DEG im vergangenen Frühjahr die direkte Play-off-Teilnahme noch fast verspielte: Der zum Teil gewollte Umbruch birgt auch das Risiko, dass mit weniger Erfahrung und Eingespieltheit im Kader auch ein Verlust an der Konstanz einher geht, die die Düsseldorfer zuletzt zu einem Top-Sechs-Team machte. Allerdings: Mit Nationalkeeper Mathias Niederberger, Routinier Alexander Barta (36) oder den Nationalspielern Marco Nowak (29), Bernhard Ebner (28) und nun auch wieder Kammerer ist - zusätzlich zu den prominenten Neuzugängen Adam, Nehring oder Urbom - in allen Mannschaftsteilen weiter viel Qualität im Kader.

kicker-Tipp: Die DEG ist breit aufgestellt und verfügt zumindest auf dem Papier auch über eine gute Mischung und Altersstruktur. Sollte das Team schnell zusammenfinden, ist daher sogar eine Steigerung im Vergleich zum Vorjahr drin.

Berlin: Alter Kern mit neuer Verpackung

Lukas Reichel, Mark Flood (li.)

Erst 17-Jähriger Berliner Hoffnungsträger: Lukas Reichel (re.). imago images

Personal: Der Verlauf der vergangenen Saison, als ein bereits großer Vorsprung auf Rang elf gegen Ende durch eine lange währende sportliche Krise fast noch verspielt wurde, sorgte letztlich dafür, dass sich Sportdirektor Stephane Richer für einen größeren Umbruch im Kader entschied. Mit Jamie MacQueen wurde der Toptorjäger (24 Treffer) ebenso ziehen gelassen wie der fünfbeste Scorer Brendan Ranford. Auch von gleich vier Akteuren mit deutschem Pass trennten man sich: Jens Baxmann (Iserlohn; nach 18 Jahren), Colin Smith (Ingolstadt) sowie Martin Buchwieser (Frankfurt/DEL2) und Daniel Fischbuch (Nürnberg) - von letzteren beiden sogar trotz noch laufendem Vertrag. Mit Micki DuPont, Danny Richmond und Mark Cundari erhielten auch drei Importspieler in der Defensive keinen neuen Kontrakt mehr. Trotz guter Statistiken (91,5 Prozent Fangquote in der Hauptrunde, sogar 93,1 in den Play-offs) blieb auch der kanadische Keeper Kevin Poulin nicht.

Im Tor setzt Richer stattdessen nun auf eine "deutsche" Lösung, denn der aus Iserlohn verpflichtete dänische Nationaltorhüter Sebastian Dahm (32) besitzt auch einen deutschen Pass. Neben ihm als erfahrenem Fixpunkt sollen Marvin Cüpper (25), vielleicht auch schon Maximilian Franzreb (23) den nächsten Schritt zur Stammkraft gehen. Neu ist auch Coach Serge Aubin, den Richer bereits aus gemeinsamen Hamburger Zeiten kennt und der nach der Meisterschaft 2017 mit Wien zuletzt Mitte Januar in seinem ersten Jahr in Zürich beurlaubt worden war. In der Abwehr holte Richer mit Offensivverteidiger McKiernan aus Düsseldorf sowie Allrounder und Führungsspieler John Ramage (28) aus Übersee zwei Akteure, die gehobenes DEL-Niveau darstellen.

Gleiches gilt zweifellos auch für Nationalspieler und Torjäger Leo Pföderl (26), der seine bislang einzige DEL-Station Nürnberg nach sieben Jahren verließ, um eine neue Herausforderung zu suchen. Pföderl ist wohl der Berliner Topneuzugang des Sommers, auch wenn mit Ex-NHL-Akteur Maxim Lapierre (34; fast 700 Spiele in der besten Liga der Welt) mit weiterer prominenter Name verpflichtet wurde, der bereits in der Vorbereitung auftrumpfte. Weniger auffällige, aber ebenfalls effektive Dienste soll der kurz vor dem Start fest verpflichtete Pierre-Cedric Labrie leisten. Und da sind ja auch noch die Youngster, allen voran Lukas Reichel, der im Alter von 17 Jahren in seiner ersten Profi-Saison schon in der DEL für Furore sorgen könnte. Auch Co-Trainer-Sohn Sebastian Streu (19), Charlie Jahnke und Vincent Hessler (beide 21) besitzen Potenzial.

Ausblick: Der Kern der Kaders blieb trotz der Blutauffrischung, zu der auch die Vertragsverlängerung des spät im Februar spät nachverpflichteten Austin Ortega (25; 18 Scorerpunkte in nur 13 Spielen) gehört, zu größeren Teilen erhalten. Spieler wie Frank Hördler, André Rankel, Florian Busch (alle 34) oder Sean Backman und Florian Kettemer (beide 33) verfügen über enorme Erfahrung und sicher auch noch Qualität, haben die beste Zeit ihrer Karriere aber wohl bereits hinter sich. Zudem wirft die neue Konstellation im Tor kleinere Fragezeichen auf. Dennoch: Auf dem Papier gehören die Eisbären zu den besten vier Teams der DEL.

kicker-Tipp: Gelingt es Aubin, die Neuzugänge und Youngster mit dem "alten" Kern des Teams zusammenzuschweißen, ist für die Hauptstädter mehr als nur die bloße Play-off-Teilnahme drin. Gelingt dies nicht, ist auch ein erneutes sportliches Auf und Ab nicht auszuschließen.

ERC Ingolstadt: Offensive hui, Defensive pfui?

Mike Collins, Rylan Schwartz (re.)

In der vergangenen Saison Topscorer und Toptorjäger der Schanzer: Mike Collins (Mi.). imago images

Personal: Nach einer sehr ordentlichen Saison 2018/19 mit Platz fünf dem sehr knappen Aus in Spiel sieben des Viertelfinals gegen Köln behielt Sportdirektor Larry Mitchell den Kern des Teams beisammen. Mit Thomas Greilinger hörte allerdings ein Urgestein der DEL und Publikumsliebling in Ingolstadt im Alter von 37 Jahren auf - nachdem er in seiner letzten Saison noch einmal 42 Punkte erzielt hatte. Nicht zu halten war mit Tyler Kelleher ein weiterer Rechtsaußen, der nach Schweden (Oskarshamn) wechselte. Mit Patrick Cannone wurde der beste Vorlagengeber der Hauptrunde (30 Assists) nach Schwenningen ziehen gelassen. Benedikt Kohl (Straubing), Laurin Braun (Krefeld) und Ryan Garbutt wurden nicht weiterverpflichtet.

In Sachen Neuzugängen erhielt folgerichtig insbesondere der Angriff knapp zur Hälfte ein neues Gesicht. Neben dem in Wolfsburg zuletzt langzeitverletzten, aber hochveranlagten Kris Foucault (28) holte Mitchell zwei weitere neue Importspieler: Den Kanadier Matt Bailey (28), der zuletzt drei Jahre in Mora (Schweden) aktiv war und eher der Kategorie Führungs- und Defensivstürmer zuzuordnen ist, sowie den schussstarken US-Amerikaner Wayne Simpson (29) aus der AHL. Einen deutschen Pass besitzt dagegen der aus Berlin gekommene und als Center wie Außen einsatzbare Colin Smith (26). Der sich im Dunstkreis des Nationalteams befindende Mirko Höfflin (27) soll den Greilinger-Abgang im Angriff zumindest ein wenig vergessen machen. Aus Augsburg kam zudem Defensivstürmer Hans Detsch (25).

In Defensive wie Tor gehen die Schanzer derweil nahezu in gleicher Besetzung wie im Vorjahr in die Saison. Kohls Abgang wurde lediglich mit der Akquise von Talent Garret Pruden (20) kompensiert, der aber zumindest vorerst eher eine untergeordnete Rolle in den Planungen von Coach Doug Shedden spielen dürfte.

Ausblick: Eine starke Offensive (158 Tore), viel Tempo und Zug im Spiel, aber auch eine - trotz eines guten Torhütergespanns - relativ anfällige Defensive (152 Gegentor): Dies kennzeichnete Ingolstadt 2018/19. Aufgrund der gerade in der Defensive ausgebliebenen Veränderungen dürfte sich daran wenig ändern. Der mit gleich sieben Importspielern besetzte Angriff, der mit Höfflin, Smith, Darin Olver (34), David Elsner (27) und Shootingstar Tim Wohlgemuth (20) auch auf dem deutschen Sektor gut aufgestellt ist, sollte erneut gegen jeden Gegner Torgefahr ausstrahlen können. Kleines Manko zum Start: Neben Starverteidiger Ville Koistinen (37) (mit Knieblessur) fehlt auch Stürmer Höfflin (Daumen-Bruch) in den ersten Saisonwochen.

kicker-Tipp: Die Schanzer gehören zu den mobilsten Teams der DEL und verfügen auch über viele erfahrene Akteure. Ein Platz außerhalb der Top-Sechs wäre eine leise Enttäuschung.

Joachim Meyer

Die Top-Neuzugänge der 14 DEL-Klubs