Weitere Trainer-Station im Profifußball keine Option

Vollmann über Karriereende: "Im Fußball sollte man sich keine Grenze setzen"

Vor dem Duell seiner Ex-Vereine: Peter Vollmann.

Vor dem Duell seiner Ex-Vereine: Peter Vollmann. imago images

237-mal saß Vollmann in der 3. Liga auf der Trainerbank und ist damit Rekordcoach. Seit Anfang der Saison ist er zurück bei seinem ehemaligen Klub aus Niedersachsen - im Amt des Sportdirektors. Vollmann, der als Trainer sowohl mit Rostock als auch mit der Eintracht in die 2. Bundesliga aufstieg, sagte angesprochen auf die Erinnerungen an diese Zeit: "Mit vielen Weggefährten von damals habe ich heute noch Kontakt, das finde ich am schönsten. Das beschränkt sich aber nicht nur auf diese beiden großen Erfolge, sondern betrifft auch viele andere Momente, die ich im Sport erlebt habe."

Unterschiede zwischen seinen ehemaligen Stationen sieht Vollmann in der Fan-Szene: "Die Braunschweiger Anhänger sind aus meiner Sicht ein wenig herzlicher, die Hansa-Fans etwas rauer", so Braunschweigs Sportdirektor: "Ich habe beides erlebt und weiß beides sehr zu schätzen, weil jeder Verein seinen eigenen Charakter haben muss. Ich denke, man könnte es auch Identifikation nennen."

"Ein guter Mix"

An Vollmanns Seite beim BTSV steht mit Christian Flüthmann ein "junger aufstrebender Trainer", wie er ihn nennt. Reinreden will er dem ehemaligen Co-Trainer trotz seiner großen Erfahrung nicht: "Christian kann hier völlig frei arbeiten, seine Vorstellungen und Ideen umsetzen. Selbstverständlich tauschen wir uns ständig aus - und diese Zusammenarbeit ist auch für beide Seiten positiv." Für ihn bildet das Duo "einen guten Mix".

Im zurückliegenden Winter sind viele richtige Entscheidungen getroffen worden.

Peter Vollmann

In der Tat auch einen erfolgreichen, blickt man auf die aktuelle Tabelle der 3. Liga. Braunschweig ist mit 18 Punkten aus sieben Partien Spitzenreiter, nur ein Spiel wurde bislang nicht gewonnen (0:3 gegen Duisburg). "Dass wir aktuell so gut dastehen", so Vollmann, "konnten wir sicherlich in dieser Form nicht erwarten. Allerdings war uns schon klar, dass im zurückliegenden Winter viele richtige Entscheidungen mit Blick auf den Kader getroffen worden waren. Sonst wäre die erfolgreiche Aufholjagd in der Rückserie nicht möglich gewesen. Das war schon ein guter Grundstein. Auch für diese Saison haben wir uns gut verstärkt. Vor allem aber zeigt die Mannschaft von Beginn an eine große Geschlossenheit."

Sein Credo für den bleibenden Erfolg: "Bist Du mal nicht erfolgreich, dann arbeite solange, bis der Erfolg wieder eintritt. Wichtig ist es, selbstbewusst aufzutreten, aber niemals arrogant zu sein."

Zukunft offen, aber keine weitere Trainer-Station

Vollmanns Vertrag bei der Eintracht läuft noch zwei Jahre, an ein Karriereende im Profifußball denkt der 61-Jährige noch nicht: "Ich habe gelernt, dass man sich im Fußball niemals eine Grenze setzen sollte. Es gibt auch Trainer und Sportdirektoren, die jenseits der 70 sehr gute Arbeit leisten. Das soll aber nicht heißen, dass es mein Ziel ist, auch dann noch in der Verantwortung zu stehen. Aber solange ich gesund bin und es mir Freude bereitet, ist alles möglich."

Nur eines ist sicher: Als Profi-Trainer wird Vollmann nach seiner letzten Station beim VfR Aalen (bis Saisonende 2017/18) nicht mehr tätig sein. "Ich habe mich bewusst dafür entschieden, in Braunschweig eine neue Aufgabe zu übernehmen. Das hatte ich mir reiflich überlegt und auch keine Sekunde bereut. Von daher wird der VfR Aalen meine letzte Trainerstation im Profifußball bleiben. Ob ich später in meiner Heimat vielleicht noch einmal hobbymäßig einen kleinen Amateurverein trainiere, ist eine andere Frage."

"Werde der Erste sein, der Pavel gratuliert"

Und das, obwohl die Wahrscheinlichkeit hoch ist, in dieser Spielzeit als Rekordtrainer in Liga drei abgelöst zu werden, denn Viktoria Kölns Trainer Pavel Dotchev (217 Spiele) und Stefan Krämer (207) vom 1. FC Magdeburg könnten vorbeiziehen. "Erst einmal bin ich froh, dass ich so viele Spiele bestreiten durfte", erklärte Vollmann und ergänzte: "Dass ich Rekordtrainer der 3. Liga wurde, macht mich stolz. Wenn mich Pavel demnächst überholt, werde ich der Erste sein, der ihm gratuliert."

tfr

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