Mit dem Helm für Albanien

Paderborn: Wilde Tage für Gjasula

Klaus Gjasula

In Frankreich, gegen Island: Klaus Gjasulas bunte Länderspielreise. imago images

Sein erster Auftritt im Trikot des Landes seiner Eltern begann für den Paderborner Klaus Gjasula wortwörtlich mit Misstönen. Im Auswärtsspiel Albaniens bei Weltmeister Frankreich hatte die Regie im berühmten Stade de France versehentlich die Hymne Andorras aufgelegt, ehe sich der Stadionsprecher nach Pfiffen der offenkundig albanischen Fans auch noch zu dem Hinweis genötigt sah, doch bitte "die Nationalhymne von Armenien zu respektieren".

Das Länderspieldebüt im reifen Alter von 29 Jahren begann Gjasula dann in etwa so, wie sein letztes Spiel in der Bundesliga geendet hatte. Konnte der Mittelfeldspieler beim 1:1 in Wolfsburg von Glück sagen, nach einem rüden Foul an VfL-Akteur Yannick Gerhardt in der Schlussminute nicht die Rote Karte gesehen zu haben, so stieg er diesmal 13 Minuten nach seiner Einwechslung kurz nach der Pause gegen Frankreichs Blaise Matuidi mit gestrecktem Bein ein, erhielt aber wiederum "nur" Gelb.

Sportlich aber überzeugte der Debütant. Nach dem nicht überraschenden 1:4 in St. Denis ging es für den stets mit einem Helm spielenden Gjasula im zweiten Match in seiner Geburtsstadt Tirana weiter, und es wurde erneut wild, diesmal ganz positiv. In der Startelf stehend sicherte der in Baden-Württemberg aufgewachsene, nach zahlreichen Stationen 2018 in Paderborn gelandete Spieler nach 90 Minuten ein fulminantes 4:2 gegen Island, das die Chancen der Albaner zumindest auf eine ordentliche Platzierung in der EM-Qualifikationsgruppe H (derzeit Rang vier) noch einmal verbessert.

Mit positiven Erfahrungen kehrt Gjasula nun nach wilden Tagen zurück nach Paderborn, wo der Bundesliga-Spielplan ihm und den übrigen Länderspiel-Reisenden einen freien Tag mehr kredenzt. Am Sonntag dann soll es im Heimspiel beim Westfalenduell gegen den FC Schalke 04 den ersten Sieg geben.

Mit dem frischgebackenen Nationalspieler, der sich in dieser Saison Seite an Seite mit seinem einstigen mannschaftsinternen Konkurrenten Sebastian Vasiliadis einen festen Platz im Team ergattert hat. Die Doppelsechs bildet zentral vor der Abwehr das Herzstück in Trainer Steffen Baumgarts 4-4-2 - taktisch gut abgestimmt, spielerisch und im Zweikampf stark. Und neuerdings dank Gjasula auch mit einem Schuss internationaler Erfahrung versehen.

Michael Richter