Bayreuth: Abstiegskandidat des Vorjahres aktuell auf Tabellenplatz vier

Rost: "Der Traum von der Rückkehr in den Profifußball lebt"

Timo Rost

Seit September 2018 Trainer der SpVgg Bayreuth: Timo Rost. imago images

Im September 2018 übernahm Rost die damals stark abstiegsbedrohte Spielvereinigung. Rund ein Jahr später rangiert Bayreuth in der Regionalliga Bayern auf dem vierten Tabellenplatz. Im Interview mit dem "Bayerischen Fußballverband" bilanzierte der 41-Jährige: "Seitdem ich in Bayreuth bin, ist die sportliche Entwicklung absolut positiv. Mein Trainerteam und ich haben der Mannschaft eine neue Spielphilosophie verpasst, die das Team angenommen und schnell umgesetzt hat. Alle haben hervorragend mitgezogen."

Der Verein, der in den späten achtziger Jahren in der 2. Bundesliga spielte, scheint unter Rost den sportlichen Ambitionen des traditionsreichen Klubs gerecht zu werden. Der Coach meinte: "Der Traum von der Rückkehr in den Profifußball lebt." Allerdings wisse man die Gesamtsituation sehr gut einzuschätzen.

"Wir müssen die Kirche im Dorf lassen"

Zum einen sei der Verein "infrastrukturell noch lange nicht drittligatauglich", so Rost. Beispielsweise steht der ersten Mannschaft kein Kunstrasenplatz zur Verfügung. "Die vom Verein seit längerer Zeit angestrebte Professionalisierung verläuft schleppend", bemängelte der Fußballlehrer, der dies jedoch nicht auf fehlende Bemühungen der Vereinsverantwortlichen zurückführen möchte: "Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass auch die Stadt mitziehen muss, um einen Klub drittligatauglich zu machen. So war es bei meinen vorherigen Stationen bei Energie Cottbus und bei RB Leipzig."

Von einer zuletzt mehrmals abstiegsgefährdeten Mannschaft kann nicht auf einmal der Aufstieg erwartet werden. Wenn wir aber schon einmal so weit vorne stehen, wollen wir uns jetzt auch oben festbeißen.

Timo Rost über das Saisonziel der SpVgg Bayreuth

Zum anderen fände Rost möglicherweise aufkeimende Aufstiegsambitionen angesichts der jüngeren sportlichen Vergangenheit des Klubs vermessen: "Nachdem der Verein in den zurückliegenden Jahren immer gegen den Abstieg gespielt und sich in der Saison 2017/18 sogar erst in der Relegation mit viel Glück gerettet hatte, kann es erst einmal nur darum gehen, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Wir müssen die Kirche im Dorf lassen. Von einer zuletzt mehrmals abstiegsgefährdeten Mannschaft kann nicht auf einmal der Aufstieg erwartet werden." Dennoch räumte er ein: "Wenn wir aber schon einmal so weit vorne stehen, wollen wir uns jetzt auch oben festbeißen."

Starke Gegner in den kommenden Wochen

Bei diesem Vorhaben erwartet die "Oldschdod", wie der Klub genannt wird, in den kommenden Wochen knackige Aufgaben: An den beiden nächsten Spieltagen treffen die Gelb-Schwarzen auf zwei der drei Mannschaften, die aktuell in der Tabelle über ihnen rangieren. Den Aufsteiger TSV Aubstadt, dessen Konstanz im Kader und die Euphorie nach dem Aufstieg den Verein bisher erstaunlich weit trägt, und seinen Ex-Verein Greuther Fürth II. Die kommenden Gegner schätzt Rost wie folgt ein: "Es ist nicht ungewöhnlich, dass ein Neuling stark startet. Überraschen würde es mich, wenn Aubstadt es schaffen sollte, über die komplette Saison so konstant positive Ergebnisse einzufahren. Fürth hat endlich zu seinen Wurzeln zurückgefunden und setzt seine Prioritäten wieder auf den Nachwuchsbereich."

Die U 23 des Kleeblatts war eine der ersten Trainerstationen des ehemaligen Bundesligaprofis (er spielte unter anderem für Energie Cottbus und den VfB Stuttgart). Zwar habe direkt nach der Spielerlaufbahn die Möglichkeit bestanden, bei RB Leipzig als Assistent von Profitrainer Ralf Rangnick oder als Jugendcoach zu arbeiten, der gebürtige Laufer entschied sich jedoch für einen anderen Weg: "Ich wollte das Handwerk des Trainers von der Pike auf lernen. Dafür bin ich in meine Heimat nach Bayern gegangen, habe dort meine Trainerscheine gemacht und parallel den Amateurklub FC Amberg sowie die U 23 der SpVgg Greuther Fürth trainiert." Jenen Weg gewählt zu haben, bereut der frühere Mittelfeldspieler nicht - ganz im Gegenteil: "Die Erfahrungen, die ich in diesen Jahren gesammelt habe, waren Gold wert."

"Wenn ich irgendwann die Chance dazu bekomme, Profitrainer zu werden, wäre das sicher attraktiv für mich"

Rost, der mittlerweile den Anspruch habe, so hoch wie möglich tätig zu sein, konstatierte bezüglich seiner persönlichen Ambitionen: "Wenn ich irgendwann die Chance dazu bekomme, Profitrainer zu werden, wäre das sicher attraktiv für mich. Sollte es nicht so kommen, wäre es aber kein Weltuntergang." Seine aktuelle Arbeit bei der SpVgg Bayreuth dürfte sicherlich ein überzeugendes Bewerbungsschreiben sein, um vielleicht irgendwann nochmal in höheren Spielklassen anzuklopfen.

kon