Cleveland gastiert zum Abschluss von Week 2 bei den New York Jets

Ist der "Hypetrain" der Browns falsch abgebogen?

Quarterback Baker Mayfield und Receiver Odell Beckham Junior

Enttäuschte und weiter selbstbewusste Protagonisten aus Ohio: Quarterback Baker Mayfield und Receiver Odell Beckham Junior. imago images

Die mediale Berichterstattung der letzten Wochen und Monate kannte besonders in den USA genauso wie in Deutschland nur eine Richtung: Die Cleveland Browns sind top aufgestellt, haben unter anderem dank Quarterback Baker Mayfield sowie dem Transfer von Odell Beckham einen Hype entfacht und könnten zum ersten Mal seit 2002 wieder die Play-offs erreichen.

Das können sie auch immer noch schaffen, es ist ja erst ein Spieltag absolviert, 15 stehen aus. Allerdings hat das erste Heimspiel und die damit verbundene 13:43-Abfertigung von den sicherlich nicht als Giganten eingestuften Tennessee Titans Enttäuschung und Fragezeichen hervorgerufen.

Drei fatale Fehler von Mayfield

Was kam sportlich von Spielmacher Mayfield, der sich in der Offseason als lässiges Model in Lederjacke oder auch langem Designer-Mantel in der "GQ" ablichten hatte lassen, damit sein ohnehin schon kultiges Image weiter aufpoliert und sich auch noch ein wenig abfällig über den von den New York Giants an Position sechs gedrafteten Quarterback Daniel Jones geäußert hatte ("Ich kann nicht glauben, dass sich die Giants für Daniel Jones entschieden haben, das bringt mich um den Verstand")? Nun ja, ein richtig großes Spiel legte Mayfield nicht aufs Parkett: Zwar verbuchte der 24-Jährige mit 25 von 38 angebrachten Pässen 285 Yards und einen Touchdown, er leistete sich aber auch drei Interceptions - auch wenn die erst spät und teilweise aus Verzweiflung entstanden.

Allein die Drives der gesamten zweiten Halbzeit unterstützten eher wieder die Thesen über die "alten Browns" - und nicht den Rummel, der das Team im Vorfeld "hochgejazzt" hatte: Punt, Touchdown, Interception, Interception, Turnover on Downs, Interception-Touchdown (Pick-Six von Malcolm Butler), Turnover on Downs. Stolze 18 Strafen für minus 182 Yards halfen ebenfalls nicht, genauso wenig wie die Hinausstellung von Left Tackle Greg Robinson (nach einem Kick gegen Titans-Safety Kenny Vaccaro) in einer ohnehin wackligen O-Line. Seit 1999 sieht die Bilanz der Browns in Eröffnungsspielen weiter dramatisch schlecht aus: ein Sieg, 19 Niederlagen, ein Remis. Ratlose Gesichter auf den Rängen im mit 67.431 Zuschauern besetzten FirstEnergy Stadium waren die Folge.

Randgeschichten passten bei alldem irgendwie ins Bild: Während Star-Receiver Beckham während des Spiels (!) eine 200.000-US-Dollar-Uhr getragen hat, dies auch weiterhin tun will ("Ich habe sie auch immer im Training an und geh damit duschen") und das auch von den Regeln her darf, so hat ein wütender Fan offenbar Tennessees Cornerback Logan Ryan mit Bier beschüttet.

Kitchens lässt Kritik kalt: "Mir egal"

"Wir haben die Disziplin und unsere Gelassenheit verloren", analysierte der neue Head Coach Freddy Kitchens hinterher rein aufs Sportliche bezogen, wollte all das jedoch nicht zu hoch hängen. "Es ist nur ein Spiel - und es war klar, dass wir besonders auf die Probe gestellt werden. Entweder nimmst du die Widrigkeiten an und rennst darauf zu - oder du rennst weg. Und wir haben eine Gruppe von Leuten, die sich dem (Druck; Anm.d.Red.) stellen. Es ist ein und bleibt nur ein Spiel. Mir egal, was andere sagen. Klar zählt das auf der Anzeigetafel, aber jedes Spiel zählt nur einmal."

Quarterback Baker Mayfield und Head Coach Freddy Kitchens

Redebedarf: Baker Mayfield und Head Coach Freddy Kitchens. imago images

Stattdessen blickt der 44-Jährige, der seit 2018 in Cleveland arbeitet und binnen kurzer Zeit vom Associate Head Coach & Running Backs Coach zum Offensive Coordinator und zum Cheftrainer aufgestiegen war, schon wieder voraus. Genauer gesagt auf das kommende Monday Night Game bei den New York Jets (Dienstag, 2.15 Uhr MESZ), die selbst Probleme haben nach 16:0-Führung und 16:17-Pleite gegen die Buffalo Bills. "Wir müssen das Spiel genau bewerten und dann weitersehen", so Kitchens. "Sicher ist, dass wir den Ball schneller aus Mayfields Hand bekommen müssen. Wir haben ihn viel zu lange gehalten. Darüber hinaus müssen wir den Ball besser beschützen. Und ich selbst muss bessere Spielzüge ansagen, die uns mehr weiterhelfen in Situationen."

Mayfield: "Jeder wirft uns jetzt direkt in den Müll"

Mayfield selbst hatte gegenüber "ESPN" ebenfalls noch etwas zu sagen: "Jeder wirft uns jetzt direkt in den Müll. Und das ist gut so. Ich weiß, was für Kerle wir hier haben. Außerdem gebe ich ehrlich gesagt nichts darauf, was außerhalb passiert. Ich weiß, dass wir eine Reaktion zeigen werden. Wir werden zurückschlagen."

Einmal mehr große Worte, die im kommenden Monday Night Game auf die Probe gestellt werden. Schließlich hatte auch Titans-Tight-End Delanie Walker nach der Auftaktpleite vielsagend mitgeteilt: "Ihr alle könnte ihnen (den Browns; Anm.d.Red.) von mir aus jetzt schon die Krone aufsetzen. Am Ende muss aber immer erst noch Football gespielt werden."

mag

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