Nach Todesfall einer Iranerin

"Schande" - Iran hält an Stadionverbot für Frauen fest

Die Frauen im Iran erhalten viel Unterstützung

Die Frauen im Iran erhalten viel Unterstützung: Dieses Banner wurde bei der WM 2018 aufgehängt. imago images

Der Iran ist will trotz der landesweiten Proteste weiterhin an einem Stadionverbot für Frauen festhalten. "Unter den derzeitigen Umständen ist die Anwesenheit der Frauen in den Stadien nicht ratsam", sagte Stabschef Mahmud Waesi am Mittwoch laut der Nachrichtenagentur Mehr. Die Regierung habe zwar grundsätzlich keine Einwände, aber im Vorfeld müssten die "moralischen Voraussetzungen" erfüllt werden. Dies aber sei noch nicht der Fall, weil es weiterhin seitens der männlichen Fans "vulgäre Beschimpfungen" in den Stadien gebe. Solch eine Atmosphäre sei für islamische Frauen nicht geeignet, sagte der Stabschef von Präsident Hassan Ruhani.

Seit der Islamischen Revolution 1979 ist es Frauen im Iran nicht gestattet, Fußballspiele zu besuchen. Nach Protesten dagegen war am Montagabend eine Frau ums Leben gekommen. Sahar Khodayari hatte sich in der vergangenen Woche vor einem Teheraner Gericht mit Benzin übergossen und angezündet und erlag nun im Krankenhaus ihren schweren Verletzungen.

Die 30-Jährige war von der Polizei festgenommen worden, nachdem sie als Mann verkleidet versucht hatte, bei einem Spiel ihres Lieblingsvereins Esteghlal Teheran ins Stadion zu gelangen. Vom Gericht wurde sie zudem wegen Beamtenbeleidigung zu sechs Monaten Haft verurteilt. Aus Protest gegen die Verurteilung zündete sie sich an.

"Schande" - Tod löst Protestwelle aus

Ihr Tod führte zu einer Protestwelle in den sozialen Netzwerken gegen Polizei und Justiz. Der Kapitän der iranischen Nationalmannschaft, Masoud Shojaei, sprach von einer "Schande". Sein Stellvertreter Ashkan Dejagah forderte von den Verantwortlichen umgehend ein Umdenken. "Wann wollt ihr denn endlich mit solchen Sachen aufhören ... genug ist genug", schrieb der Ex-Bundesligaprofi auf Instagram. Auch Ex-Bayern-Spieler Ali Karimi, der 117 Länderspiele für den Iran bestritten hat, meldete sich via Instagram zu Wort und rief zu einem Stadionboykott auf.

FIFA: WM-Ausschluss 2022 droht

Die Forderung von FIFA-Präsident Gianni Infantino, auch Frauen den Stadionbesuch für Qualifikationsspiele der WM 2022 zu erlauben, ist schon länger ein hitziges Diskussionsthema im Iran. Denn falls der Iran diese Forderung nicht erfüllen sollte, könnte dies zu einer Disqualifikation der Nationalmannschaft für die WM-Endrunde in Katar führen. "Wir fordern die iranischen Behörden erneut auf, die Freiheit und Sicherheit aller Frauen zu gewährleisten, die an diesem legitimen Kampf zur Beendigung des Stadionverbots für Frauen im Iran beteiligt sind", erklärte die FIFA unter dem Eindruck des tragischen Todes der Iranerin ungewohnt deutlich.

Kürzlich hatte das iranische Sportministerium bekanntgegeben, dass Frauen immerhin beim WM-Qualifikationsspiel in Teheran gegen Kambodscha zugelassen werden. "Die Frauen dürfen für das Qualifikationsspiel gegen Kambodscha am 10. Oktober ins Asadi-Stadion", sagte Vizesportminister Dschamschid Taghisadeh der staatlichen Nachrichtenagentur IRNA unlängst. Die Bedingungen dafür seien im Teheraner Asadi-Stadion gewährleistet. Offen ist allerdings, ob diese Ankündigung tatsächlich für alle Frauen und grundsätzlich für die Zukunft gilt.

tru/dpa/sid