Chemnitz: Persönliche Erklärung des Noch-Geschäftsführers

Sobotzik über Weggang: "Ich sah keine Alternative mehr"

Thomas Sobotzik

Wird sein Amt beim CFC zum 15. September abgeben: Geschäftsführer Thomas Sobotzik. imago images

Schon vor dem Auswärtsspiel bei Bayern München II, das von teils wüsten Bedrohungen gegen Sobotzik begleitet war und in dessen Nachgang der CFC sogar Strafanzeige gestellt hat, sei sein Entschluss zum Rückzug gefallen, teilte er mit. Allein aufgrund der damals noch laufenden Transferphase habe er sein Amt zunächst weitergeführt - ehe die Trennung vor einer Woche öffentlich kommuniziert wurde. "Die Entwicklung tut mit unendlich leid, aber auf Grund der Ereignisse in den vergangenen Monaten sah ich keine Alternative mehr, als den Verein um die Entbindung von allen Aufgaben zu bitten. Was ich zuletzt an persönlichen Anfeindungen, Beschimpfungen und Drohungen erleben und erleiden musste, geht weit über das Maß hinaus, das verkraftbar ist", heißt es in seiner persönlichen Mitteilung.

Im Interesse meiner Familie hat er sofort zugestimmt.

Thomas Sobotzik über Insolvenzverwalter Klaus Siemon

Schon im Mai 2019, als der CFC kurz vor dem direkten Wiederaufstieg in die 3. Liga stand, sei er angefeindet worden, so Sobotzik. Weitere Bedrohungen folgten, insbesondere nach der Trennung von Ex-Kapitän Daniel Frahn, dem eine zu große Nähe zur rechten Fanszene vorgeworfen wird. Für eine sachliche Aussprache "mit dem radikalen Teil der Fans" sei er bereit gewesen, "aber dieses Anliegen hatte keine Chance auf eine Realisierung".

Grundsätzlich bedauere er den Weggang vom CFC, den er trotz des im April 2018 gestellten Insolvenzantrags als "einen traditionsreichen Klub" mit "hervorragender Perspektive" bezeichnet. Durch die Rückkehr in die 3. Liga, den Gewinn des Sachsenpokals und dem damit verbundenen Einzug in den DFB-Pokal, sieht er den Klub auf einem guten Weg: "Denn das gab es noch nie im deutschen Fußball, dass ein Verein in der Insolvenz aufsteigt und dabei seine Struktur noch komplett ändert und professionalisiert." Umso "unverständlicher ist es, dass mir aus der aktiven Fan-Szene immer öfter blanker Hass entgegen geschlagen ist und ganz gezielt hier Leute aus dem rechten politischen Lager mit ihren rassistischen und anti-semitischen Parolen den Verein und seine handelnden Personen in ein schlechtes Licht gerückt haben", prangert der 44-Jährige an.

Sobotziks Lob für Siemon

In diesem Zusammenhang hob er die Rolle des in Teilen der Fanszene ebenfalls umstrittenen Insolvenzwalter Klaus Siemon hervor: "Es imponiert mir, wie Klaus Siemon bis zur Stunde trotz vieler schlimmer Ereignisse unbeirrt daran festhält, dass für politische Chaoten im CFC kein Platz sein darf." Mit Siemon habe er auch schon zu einem früheren Zeitpunkt über einen Weggang gesprochen, weshalb ihn die Bitte um Freistellung "gar nicht mehr überrascht" habe, betont Sobotzik. "Im Interesse meiner Familie hat er sofort zugestimmt."

pau