Wilde Schlussphasen in Bochum und Darmstadt

St. Pauli besiegt HSV im Derby - VfB bleibt Erster

Danny Blum

St. Paulis Diamantakos erzielt per Flugkopfball das 1:0 gegen den HSV. Getty Images

Ausgerechnet am Millerntor: HSV verliert das erste Spiel und Platz eins

Am Montagabend stand am Millerntor das Derby zwischen St. Pauli und dem Hamburger SV an. Die Hausherren sicherten sich einen verdienten 2:0-Heimsieg, auch wenn sie kurz vor und nach dem Seitenwechsel eine Menge Glück brauchten. Diamantokos und ein Eigentor von van Drongelen besiegelten die erste Saisonniederlage des HSV, der damit auch den Spitzenplatz einbüßt. Zunächst waren die Kiez-Kicker sichtlich überrascht, dass die Hecking-Elf über weite Phasen der ersten Halbzeit extrem passiv agierte. Die Mannschaft von Jos Luhukay dagegen übernahm nach rund zehn Minuten die Initiative und belohnte sich sogleich durch den Kopfball-Abstauber von Diamantakos (18.). Erst unmittelbar vor dem Pausenpfiff wurden die Rothosen zwingender: Kittel streifte nur die Latte und Hinterseers Ausgleich wurde aberkannt, weil der Ball bei Jattas Flanke wohl im Toraus war (kein VAR möglich, da keine Kameras an der Torauslinie). HSV-Trainer Hecking reagierte auf den phasenweise pomadigen Auftritt seiner Elf und brachte Hunt zum Wiederbeginn. Fortan wurden die Gäste dominanter, doch ließen sie auch riesige Chancen liegen. St. Pauli stand unter Dauerdruck, versuchte zu kontern, doch echte Befreiung schaffte ein schnell ausgeführter Freistoß, den Knoll verlängerte und damit van Drongelen so irritierte, dass der HSV-Abwehrmann den Ball ins eigene Tor bugsierte. Dieser Gegentreffer wirkte heftig nach, St. Pauli spielte losgelöst und der HSV fabrizierte nur noch ein weiteres aberkanntes Tor durch Joker Harnik.

Bochum kommt nach 0:2 zurück

Mit einer Energieleistung hat sich der VfL Bochum nach einem 0:2-Rückstand wieder zurückgekämpft und gegen Dresden das Debüt von Trainer Thomas Reis durch ein 2:2 noch gerettet. Der VfL zeigte sich zunächst sehr engagiert und setzte Dynamo gerade zu Beginn der Partie mit aggressivem Pressing unter Druck. Mitte der ersten Hälfte kamen auch die Gäste besser in die Partie, sodass es mit einem leistungsgerechten torlosen Remis in die Kabinen ging. Nach der Pause erwischte Dynamo einen Traumstart und Jeremejeff erzielte die Führung. Der VfL war sofort um eine Antwort bemüht, blieb im Abschluss aber ohne Glück. Anders die Gäste, bei denen Joker Koné auf 2:0 stellte. Die Entscheidung? Nein. Denn der VfL biss sich nochmal rein und glich nach Trefffern von Blum und Losilla aus.

Torspektakel in Darmstadt

Am Böllenfalltor in Darmstadt erlebten die Zuschauer einen kurzweiligen Nachmittag mit reichlich Toren, aber ohne einen Sieger. Rasant ging die Partie zwischen den Lilien und Nürnberg los, was vor allem an den Hausherren lag, die sofort in die Offensive gingen. Dursun traf gegen passive Gäste nach wenigen Minuten. Doch die Franken hatten sofort eine Antwort parat. Hack, der zuletzt schon bei der U 21 einen Hattrick beim 5:1 gegen Wales erzielte, traf auch für den FCN zum Ausgleich. Heller vergab nach einer knappen halben Stunde die Chance zur erneuten Führung, Keeper Mathenia war zur Stelle. Dann war es erneut Dursun, der per Kopf traf. Doch der VAR griff ein, sah zuvor eine Abseitsposition. Die Hausherren fuhren weiter Angriff auf Angriff, aber der Club traf kurz vor der Pause durch Frey zur unverdienten 2:1-Führung. Nach dem Wechsel ein anderes Bild, denn die Franken zeigten sich jetzt mit der Führung im Rücken selbstbewusster. Doch Dumic und wieder Dursun drehten die Partie unter tatkräftiger Mithilfe der Nürnberger zugunsten der Darmstädter. Nürnberg kümmerte sich nicht darum, sondern suchte direkt den Weg nach vorne und Hack glich in der Schlussphase zum 3:3 aus.

Baumgart beschert Aue den Dreier

Erzgebirge Aue feierte gegen den VfL Osnabrück einen knappen 1:0-Sieg. Aue gab gegen Osnabrück in der ersten Hälfte den Ton an und lag folglich auch verdient mit 1:0 in Führung. Baumgart traf für die Sachsen nach 40 Minuten. Glück hatten die Hausherren, als ein abgefälschter Schuss von Heider nur am Pfosten landete. Die Schlussphase musste Aue schließlich mit zehn Mann über die Bühne bringen, weil Rizzuto die Ampelkarte sah. Letztlich reichte es zum dritten Saisonsieg, während Osnabrück die dritte Niederlage kassierte.

Irre Schlussphase in Regensburg

Durch einen 3:2-Sieg in Regensburg hat der VfB Stuttgart am Samstag die Tabellenführung übernommen. Die weiter ungeschlagenen Schwaben legten im ersten Durchgang einen dominanten Auftritt hin, führten zur Pause allerdings nur 1:0 durch ein Gonzalez-Tor (24.). Dies hätte sich fast gerächt, weil der Jahn mutiger wurde und per Foulelfmeter (71. Besuschkow) zum Ausgleich kam. Doch der VfB blieb cool, Badstuber köpfte trocken ein (76.). Spannung pur bot die Schlussphase: Regensburg kämpfte aufopferungsvoll; Stuttgarts Silas traf binnen zwei Minuten zweimal Aluminium. Die Partie endete schließlich mit zwei Toren in der Nachspielzeit (Ex-Regensburger Al Ghaddioui traf für den VfB, Palacios für den Jahn). Für die Stuttgarter war es der erste Auswärtssieg der Saison.

Hannover in der Krise

Immer kritischer wird die Lage derweil bei Hannover 96. Die Niedersachsen kassierten gegen das weiter ungeschlagene Bielefeld eine 0:2-Heimpleite. Die defensiv stabile Arminia nutzte eine Standardsituation zur knappen Pausenführung: Klos köpfte nach einem Freistoß ein (32.). Nach dem Seitenwechsel legten die Gäste per Foulelfmeter nach, den Voglsammer verwandelte (64.). Vom zweiten Tiefschlag erholte sich Hannover nicht mehr. Bielefeld spielte weiter clever, während sich 96 planlos in der Offensive zeigte. Als der gelbverwarnte Anton in der 80. Minute die Ampelkarte sah, war die Partie endgültig entschieden.

Ungewohnt: Heidenheim legt Blitzstart hin

Seit dem Auftaktsieg in Osnabrück war Heidenheim kein Dreier mehr gelungen, dies änderte sich im Heimspiel gegen Holstein Kiel (3:0). Trainer Frank Schmidt nutzte die Länderspielpause, um am Offensivspiel zu arbeiten - mit Erfolg. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld schaltete der FCH schnell um, Leipertz vollendete zur frühen Führung (4., noch abgefälscht von Neumann). Eine Kombination von Neuverpflichtung Kerschbaumer und Rückkehrer Kleindienst führte dann zum zwischenzeitlichen 2:0 (29.). Kurios: In den fünf Spielen zuvor hatten die Heidenheimer in den ersten Halbzeiten kein Tor geschossen. Im zweiten Durchgang erhöhte Kleindienst (Doppelpack!) nach einer Ecke - auch das hatte Schmidt gefordert: bei Standards mehr Torgefahr ausstrahlen.

KSC gewinnt Baden-Derby

Im Baden-Derby am Freitagabend zwischen dem Karlsruher SC und dem SV Sandhausen erwischten die Gäste den besseren Start. Gislason schoss aus der Distanz knapp vorbei (4.), Gordon rettete nach Zhirovs Kopfball auf der Linie (17.). doch auch der KSC hatte seine Möglichkeiten, Keeper Fraisl hielt stark gegen Pourié (21.) und Hofmann (27.). Die dickste Möglichkeit hatte aber der SVS in Person von Zenga, Uphoff hielt mit fantastischer Fußabwehr (31.). Nach der Pause blieb die Partie ausgeglichen, doch dann schlug der KSC zu. Hofmann verlängerte per Kopf auf Stiefler, der die Kugel über die Linie stocherte (57.). Porié und Hofmann hatten kurz hintereinander den nächsten Treffer auf dem Fuß (68.). Der SVS ließ die nötige Torgefährlichkeit vermissen, um noch zum Ausgleich zu kommen, so jubelten in Baden letztlich nur die Fans des Aufsteigers.

Kleeblatt gelingt gegen SVWW die späte Wende

Wehen Wiesbaden musste bei Greuther Fürth antreten, als Wiedergutmachung für das 0:5-Debakel gegen Regensburg hatte sich die Mannschaft entschlossen, die Ticket-Kosten der Fans für das Spiel in Fürth zu übernehmen. Trainer Rehm ließ ein halbes Dutzend neuer Spieler auflaufen, in der Tat wussten die Hessen zunächst zu gefallen. Schäffler hatte die frühe Führung auf dem Fuß, zielte aber Zentimeter daneben (7.). Die Franken wussten sich zu steigern und wären kurz vor der Pause beinahe durch Hrgota in Führung gegangen, der Ex-Fürther Röcker rettete auf der Linie. Ganze 12 Sekunden nach Wiederanpfiff war dann Schäffler für den SVWW zur Stelle - 1:0 für den Aufsteiger. Die Greuther Fürther rannten nun an, schafften dank Joker Keita-Ruel den Ausgleich (82.) und drückten auf den Sieg. Ein Elfmeter (Kuhn gegen Raum) brachte die Entscheidung zugunsten des Kleeblatts, Green verwandelte zum 2:1 in der Nachspielzeit.

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