Gesprächsbedarf mit Lichtsteiner und Shaqiri

In der Schweiz brodelt es: "Wir haben ein Problem zu lösen"

Stephan Lichtsteiner und Xherdan Shaqiri

Heikle Mission: Eine Schweizer Delegation reist zu Stephan Lichtsteiner und Xherdan Shaqiri (re.). imago images

Er möchte sich lieber auf seinen Verein Liverpool konzentrieren - so lautete Shaqiris offizielle Begründung seiner Absage an den Schweizer Fußballverband. Eigentlich einleuchtend, da der "Kraftwürfel" bislang lediglich sechs von maximal 360 Minuten in der Premier League absolvieren durfte. Hinter vorgehaltener Hand sollen jedoch mentale Probleme, ein äußerst belastetes Verhältnis zu Coach Vladimir Petkovic sowie der (unerfüllte) Wunsch nach der Kapitänsbinde die tatsächlichen Ursachen darstellen.

Statt Petkovic: Tami als Kommunikator gefragt

Um diesen Missständen auf den Grund zu gehen, reist mit Tami der erst im Juli dieses Jahres installierte Direktor der Nationalmannschaft samt Delegation nach Liverpool, um seinen Star dort zu einer Rückkehr zu bewegen: "Wir werden Xherdan besuchen, um ihn zu unterstützen, was seine Probleme verursacht", will Tami Shaqiri nicht nur als Spieler, sondern vielmehr als "Mensch" betrachten. "Wie jede Person hat auch er das Recht, sich unwohl zu fühlen und eine schwierige Zeit durchzumachen", so Tami, der anstelle des als wortkarg geltenden Petkovic nun als Kommunikator gefordert ist: "Wir haben ein Problem zu lösen. So etwas kommt in jedem Team vor. Wir dürfen nur nicht denken, es löse sich von selbst."

Einzelne Spieler müssen betreut werden. Man darf dabei aber nicht das Kollektiv aus den Augen verlieren.

Pierluigi Tami

Dass sich nun der Verdacht aufdrängt, dass Shaqiri über den Rest des Teams gehoben werde, wies der Tessiner von sich: "Einzelne Spieler müssen betreut werden", so Tami, aber man dürfe "dabei nicht das Kollektiv aus den Augen verlieren". In diesem Kollektiv fehlte zuletzt auch Stephan Lichtsteiner. Der Neu-Augsburger, vor seinen Vertretern Yann Sommer und Granit Xhaka der eigentliche Nati-Kapitän, wurde von Petkovic mehr oder weniger ausgebootet ("Petkovic rasiert seinen Captain").

Auch mit Lichtsteiner soll gesprochen werden

Jedoch schoss dieser nicht mit verbalen Giftpfeilen um sich, sondern machte seinem Ärger vielmehr pointiert und mittels cleverer Umschreibungen Luft. Somit konnte man seine Meinung, wie Petkovic mit ihm als verdienten Nationalspieler und Kapitän verfährt, zwischen den Zeilen herauslesen. Obgleich es, wie auch in der Causa Shaqiri, eigentlich Aufgabe des Trainers ist, dem Routinier mitzuteilen, ob man weiter mit ihm plane, oder es für Lichtsteiner keine Zukunft mehr in der Schweizer Auswahl gebe, ist es "nur" die SFV-Delegation um Tami, die eine Stippvisite nach Augsburg auf der Agenda stehen hat, um auch mit dem 35-Jährigen den Dialog zu suchen.

kög