Leverkusen: Sven Bender bricht Training ab

Bosz zieht den Hut vor "Sündenbock" Tah

Blickt auf zwei aufregende Länderspieltage zurück: Leverkusens Abwehrspieler Jonathan Tah.

Blickt auf zwei aufregende Länderspieltage zurück: Leverkusens Abwehrspieler Jonathan Tah. picture alliance

Peter Bosz ist dafür bekannt, einen relativ nüchternen Blick auf die Dinge zu werfen. Seine Analysen fallen meist ausgewogen aus, sparen nicht an Kritik, wo sie auch angebracht ist. Dabei bevorzugt Bosz meist den Blick auf das große Ganze. Ein Kopfschütteln rufen seine Einschätzungen, anders als die seines einen oder anderen Trainerkollegen, beim Zuhörer nicht hervor.

Am Dienstag jedoch brachte der 55-Jährige seine Verwunderung darüber zum Ausdruck, wie sehr sich die Kritik nach der 2:4-Niederlage des DFB-Teams gegen die Niederlande auf Leverkusens Jonathan Tah fokussierte. "Ich wundere mich, dass sich alle auf Jona gestürzt haben", monierte Bosz, "Jona hat schlecht gespielt, das stimmt. Aber er war nicht der einzige, da waren noch zehn andere. Doch ich hatte danach den Eindruck, dass Deutschland nur verloren hat, weil er schlecht gespielt hat. Aber das war nicht der Grund."

Die Rolles des Sündenbocks für seinen besten Innenverteidiger passte Bosz überhaupt nicht. Auch, aber nicht nur, weil er weiß, wie sich so ein extrem negatives mediales Echo auf einen Spieler auswirken kann. "Deswegen war ich gespannt, als er gegen Nordirland reinkam: Wie macht er das jetzt? Da muss man mental stark sein", erklärt der Niederländer seine Bedenken, die sich aber im Nachhinein als unbegründet erwiesen.

"Jona hat von Anfang an alles richtiggemacht"

Vielmehr gab der 23-Jährige auf dem Platz eine starke Antwort. "Jona hat von Anfang an alles richtiggemacht. Sein Passspiel war sehr sauber, sehr scharf. Als Verteidiger hat er auch seine Aufgabe erfüllt. Chapeau!", lobt Bosz, der weiß: "Das ist nicht einfach. Nach einer Einwechslung gut zu spielen, ist schon nicht einfach. Das können nicht alle Spieler. Und wenn er nach dem letzten Spiel so abserviert wurde und dann so spielt, dann muss man den Hut ziehen. Das hat er super gemacht."

Bosz sieht Benders Einsatz beim BVB nicht in Gefahr

So sollte Tahs schwache Leistung gegen die Niederlande am Samstag beim Spiel in Dortmund nicht mehr nachwirken. Ähnliches erwartet Bosz auch von der Schulterverletzung, die sich Tahs Innenverteidiger-Kollege Sven Bender am Dienstag im Training zuzog. Der 30-Jährige war nach einem Zweikampf mit Kevin Volland mit starken Schmerzen an der linken Schulter liegen geblieben und brach die Einheit ab. Doch Bosz sieht Benders Einsatz beim BVB nicht in Gefahr: "Das tut weh und dann vergeht der Schmerz. Ich mache mir keine Sorgen wegen Samstag."

Stephan von Nocks

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