Nach Pfefferspray-Einsatz im Gästeblock beim Union-Spiel

"Nicht nachvollziehbar": BVB kritisiert Berliner Polizei

Gästeblock an der Alten Försterei

Im Gästeblock der Alten Försterei kam es beim Spiel zwischen Union und dem BVB zu Auseinandersetzungen - und dem Einsatz von Pfefferspray. imago images

Die Dortmunder verurteilten in einer Stellungnahme vom Montagabend jegliche Form von Fangewalt. Intensive Gespräche mit Anhängern, Mitarbeitern und Augenzeugen hätten jedoch auch erhebliche Zweifel am Vorgehen der Polizei aufgeworfen. "Statt durch bloße Präsenz deeskalierend zu wirken, als rund 100 Union-Anhänger aufgrund einer stabilen Zaunanlage vergeblich versuchten, sich Zugang zum Gäste-Fanblock zu verschaffen, setzte die Polizei direkt Reizgas ein und löste panische Reaktionen aus", schrieb der Vizemeister in seiner Mitteilung: "Aus Sicht des BVB erfolgte der Reizgas-Einsatz aus nicht nachvollziehbaren Gründen und z.T. von Positionen, die es nicht erlaubten, die wenigen gewaltbereiten Fans vom Gros der Unbeteiligten zu separieren."

Aus Sicht des BVB erfolgte der Reizgas-Einsatz aus nicht nachvollziehbaren Gründen und z.T. von Positionen, die es nicht erlaubten, die wenigen gewaltbereiten Fans vom Gros der Unbeteiligten zu separieren.

Stellungnahme Borussia Dortmund

Viele friedliche Fans, "unter ihnen Eltern mit Kindern", seien in den hinteren Reihen durch Reizgas verletzt worden. Nicht akzeptabel sei aus Dortmunder Sicht zudem: "BVB-Fanbeauftragte und Fanprojekt-Mitarbeiter wurden mitunter an ihrer Arbeit gehindert und körperlich angegangen. Interventions- und Konflikt-Arbeit war so kaum möglich." Der BVB wünscht sich von der Berliner Polizei eine "kritische Auseinandersetzung mit der eigenen - aus unserer Sicht nicht schlüssigen - Strategie".

Das war in der Alten Försterei passiert: Zur Durchführung einer großen Choreographie auf der gegenüberliegenden Seite der Alten Försterei hatten sich mehrere Union-Ultras auf das Stadiondach begeben, konnten dieses allerdings nur über den Gästeblock wieder verlassen. Dabei soll es zu gegenseitigen Provokationen gekommen sein, die in einer Auseinandersetzung mündeten.

"Fanhilfe Dortmund" widerspricht der Darstellung der Polizei

Die Polizei hatte in ihrem Einsatzbericht am 1. September mitgeteilt, sie habe einschreiten müssen, um die rivalisierenden Fans zu trennen, nachdem sich ungefähr 100 Union-Fans auf den Gästeblock zubewegt hatten. Drei BVB-Anhänger seien festgenommen worden, woraufhin weitere Gästefans versucht hätten, die Festgenommenen zu befreien: "Diese Gefangenenbefreiung konnte nur durch den Einsatz von Reizgas verhindert werden."

Dieser Darstellung widersprach die "Fanhilfe Dortmund" in einer Mitteilung vom Donnerstag. Keiner der zahlreichen Augenzeugenberichte habe die Aussage bestätigt, "wonach die Polizei eine Person zu diesem Zeitpunkt festgenommen oder in Gewahrsam genommen hatte und dass diese befreit werden sollte". Vielmehr sei berichtet worden, dass "plötzlich, nicht vorhersehbar und unangekündigt" im oberen Bereich des vollbesetzten Gästeblocks Pfefferspray versprüht worden sei, was zu "panischen Reaktionen" geführt habe. Nach einer ersten rechtlichen Bewertung stelle sich der Polizeieinsatz "auf der Grundlage der gesetzlichen Vorschriften für die Anwendung des Zwangsmittels Pfefferspray als unverhältnismäßig und somit rechtswidrig dar".

ski