DEL-Vorschau 2019/20: Die Titel-Favoriten

Mannheim hungrig auf das Meister-Doppel

Adler Mannheim

Das Meisterstück 2019: Die Adler Mannheim wollen 2020 den Titel verteidigen. imago images

Die Meisterschaft der Adler war vor allem eines: verdient. Schon in der regulären Saison dominierte Mannheim die Liga und schloss mit stolzen 116 Punkten als Hauptrunden-Erster ab. Dabei wurden München (109 Zähler) abgehängt, die Verfolger aus Augsburg, Köln und Ingolstadt (alle je 86) sogar regelrecht deklassiert. Zudem stellte der MERC die beste Offensive (194 Tore) und beste Defensive (117 Gegentore) der DEL. Auch in den Play-offs ging es mit unglaublicher Konstanz weiter: Im Viertelfinale gegen Nürnberg (4:1) brannte eben so wenig an wie im Halbfinale gegen Köln (4:0) und im Finale gegen München (4:1).

Zu- & Abgänge

Satt sind die Adler nach dieser nahezu perfekten Saison aber nicht. Mit einem geschätzten Gesamtetat von 16 Millionen Euro investiert kein DEL-Klub mehr als Mannheim. So wurde mit dem schwedischen Torwart Johan Gustafsson eine mindestens gleichwertige Nummer 1 neben Meister-Goalie Dennis Endras verpflichtet. Der 27-Jährige kommt mit der Empfehlung von drei CHL-Titeln von Frölunda Göteborg in die Quadratestadt. Das Meister-Gen bringt auch Stürmer Jan-Mikael Järvinen mit. Der 31-jährige Edeltechniker kommt aus seiner Heimat Finnland von Tappara Tempere, mit denen er 2016 und 2017 jeweils Champion wurde. Ein Geheimtipp ist Flügelstürmer Borna Rendulic. Der 27-jährige Kroate verfügt über einen brandgefährlichen Schuss. Neu in der Verteidigung sind Chad Billins (30) und Björn Krupp (28).

Angesichts der Kaderstärke konnte es sich Mannheim erlauben, Spieler wie Torwart Chet Pickard, die Verteidiger Mathieu Carle und Brendan Mikkelson sowie die Stürmer Garrett Festerling, Chad Kolarik, Luke Adam, Alex Lambacher und Ur-Adler Marcus Kink ziehen zu lassen. Unklar ist noch die Zukunft der beiden Jung-Stars Moritz Seider (Detroit Red Wings) und Lean Bergamann (San Jose Sharks), die sich derzeit in NHL-Training-Camps für einen Kaderplatz empfehlen wollen.

Stärken & Schwächen

Schwächen sucht man in Mannheims Kader vergeblich. Einzig die hohe Belastung durch ein weites Vordringen in der Champions Hockey League könnte ein Thema werden. Dem wirken die Adler allerdings mit einer unglaublichen Tiefe im Kader entgegen. Das Goalie-Gespann Endras/Gustafsson sucht ligaweit seinesgleichen. Die Verteidigung ist mit Spielern wie Mark Katic, Joonas Lehtivuori, Sinan Akdag oder Thomas Larkin nicht nur defensiv solide, sondern auch brandgefährlich von der blauen Linie. Abräumen sollten zudem Jungs wie Cody Lampl, Denis Reul oder Krupp. Im Sturm ist Mannheim sowohl auf dem deutschen Sektor (Marcel Goc, David Wolf, Markus Eisenschmid, Matthias Plachta, Nico Krämmer, Brent Raedeke, Phil Hungerecker, Tim Stützle) als auch bei den Ausländern (Andrew Desjardins, Tommi Huhtala, Järvinen, Rendulic, Ben Smith) exzellent und hochqualitativ besetzt.

Nachwuchs: Wird Stützle der neue Seider?

Zudem verfügen die Adler über einen großen Pool an Talenten. Hier ist allen voran Tim Stützle zu nennen. Der 17-Jährige gilt als eines der größten deutschen Sturm-Talente derzeit und dürfte im NHL-Draft 2020 bei vielen Klubs auf dem Zettel stehen. Die Bewerbungstour für ein Engagement in der besten Liga der Welt startet für Stützle in seinem ersten Herren-Hockey-Jahr in Mannheim. Eine Kostprobe seines Könnens servierte der kreative Linksschütze schon in der CHL, wo ihm in vier Einsätzen vier Scorerpunkte (zwei Tore, zwei Assists) gelangen.

Der Trainer

Mit Pavel Gross steht ein Trainer-Genie an der Bande. Der akribische Arbeiter zeigte schon in seiner Zeit in Wolfsburg, was er mit einer abgestimmten Taktik aus einem Kader herausholen kann - nun wies er auch nach, in einem Top-Team erfolgreich zu sein. Auch auf der Trainer-Position sind die Adler herausragend aufgestellt.

Ausblick

Die Adler sind nach dem Titelgewinn 2019 keineswegs satt, sondern sind hungrig auf das Meister-Doppel. Das zeigte Mannheim schon zum Auftakt in der Champions Hockey League, wo bislang alle vier Gruppenspiele gewonnen wurden. Dank der unglaublichen Qualität in der Tiefe sowie in der Spitze sowie der Durchschlagskraft aus allen Mannschaftsteilen zählt der MERC zum ultimativen Kandidaten auf den DEL-Pokal 2020. Der größte Konkurrent heißt wie schon in der Vorsaison München.

kicker-Tipp

Die Adler Mannheim werden sich ein packendes Finale mit dem EHC München liefern und am Ende das Meister-Doppel feiern.

Lesen Sie dazu auch: Die 14 Meister-Tipps der DEL-Klubs

Christian Rupp