ECA rudert bei Reformplänen zurück

Agnelli: Neue Champions League wird nicht allen gefallen

Andrea Agnelli

Wie sieht die Champions League 2024 aus? ECA-Chef Andrea Agnelli. Getty Images

Es gibt nicht "meine, deine oder ihre Seite, sondern nur eine Seite: die Seite des Fußballs", sagte Andrea Agnelli am Dienstag blumig, nur machten die vergangenen Wochen und Monate einen völlig anderen Eindruck: Klubs, Ligen und Verbände streiten erbittert darum, wie die Europapokal-Wettbewerbe ab 2024 aussehen werden.

Vier Achtergruppen und ein Ligensystem mit Auf- und Abstiegen in der Champions League? Partien am Wochenende und fixe Startplätze für die Topteams unabhängig vom Abschneiden in der heimischen Liga? Als im Frühjahr derartige Reformvorschläge durchgesickert waren, hatte die von Juventus-Boss Agnelli geführte European Club Association (ECA) einen Sturm der Entrüstung geerntet, auch aus der Bundesliga.

Agnelli will den Fußball nicht nur in den "lauten" Ligen voranbringen

Und offenbar hat er etwas bewirkt: Die drastischsten Ideen spielten bei der ECA-Generalversammlung in Genf am Montag und Dienstag dem Vernehmen nach keine Rolle mehr, die Champions League soll doch nicht zum quasi-geschlossenen System werden. Irgendwo, so Agnelli bei der Abschlusspressekonferenz sinngemäß, habe man damals eben die Diskussion starten müssen.

Schauen Sie in den Kalender und finden Sie die Antwort selbst.

Andrea Agnelli

Es sei bei den Plänen von Anfang an um eine "Symbiose" mit den Ligen gegangen, betonte Agnelli und zitierte zur Beweisführung eingangs sogar extra aus einer ECA-Presseerklärung vom April. "Dieser ganze Lärm danach war aus meiner Sicht unnötig", so der Italiener. Grundsätzlich sehe sich die ECA der "Förderung des Fußballs in allen europäischen Ländern" verpflichtet, "nicht nur in einigen wenigen, die vielleicht in den vergangenen Monaten etwas lauter waren".

Mehr Europapokalspiele, aber mehr Pausen für die Profis - wie geht das?

Einige Grundprinzipien bleiben für die ECA bei der Reform unverrückbar: "Wir wollen mehr europäische Spiele, faire Zulassungsregularien, mehr Teilhabe kleinerer Länder" und mehr Pausen für "das Wohl der Spieler", zählte Agnelli auf. Darin, dass es eine Änderung brauche, seien sich alle ECA-Mitglieder einig; und das sind immerhin 246 Klubs großer und kleiner Länder.

Nur: Mehr Europapokalspiele, aber gleichzeitig mehr Pausen für die Profis - wie soll das gehen? Als ein Reporter fragte, ob die ECA dafür die nationalen Ligen oder die Nationalmannschaften beschneiden wolle, entgegnete Agnelli nur: "Schauen Sie in den Kalender und finden Sie die Antwort selbst."

Bis Jahresende soll ein konkretes Konzept ausgearbeitet sein

Weil er kurz zuvor unmissverständlich betont hatte, keine Liga verkleinern zu wollen, war klar, was der ECA-Vorsitzende damit meinte: Die Abstellungsphasen der FIFA sollen im neuen internationalen Match-Kalender ab 2024 zugunsten der Klubs ausfallen, also reduziert werden. Es müsse sichergestellt werden, "dass die Klubs gehört werden. Sie sind es, die die Risiken tragen."

Bis spätestens 2022 muss die "neue" Champions League ausgearbeitet sein. "Aber hoffentlich werden wir nicht so lange brauchen", lachte Agnelli: Schon bis zum Jahresende soll es ein konkretes Konzept geben. Die Vorschläge der ECA landen über das Klub-Komitee der UEFA, dem nun auch Bayer Leverkusens Geschäftsführer Fernando Carro angehört, beim UEFA-Exekutivkomitee. Nur dieses Gremium ist zu einer Entscheidung befugt.

Bislang hat sich die ECA das Image erworben, sich vor allem für die Interessen der Topklubs einzusetzen. Agnelli kündigte eine Lösung an, "die zur Mehrheit passt, aber nicht zu allen. Alle - das ist unmöglich." Es bleibt also abzuwarten, wie groß diese Mehrheit am Ende ausfallen wird. In jedem Fall dürfte es sie wohl kaum für eine "geschlossene" Champions League geben.

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jpe

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