Baltimores Quarterback überzeugt komplett - und sorgt für Dolphins-Chaos

Kritiker Lügen gestraft: Jackson ist nicht nur "Running Back"

Lamar Jackson

Ab sofort ohne Schwächen? Lamar Jackson hat abgeliefert. imago images

Der für seine läuferischen Fähigkeiten bestens bekannte Lamar Jackson hievte die Baltimore Ravens zusammen mit einer bärenstarken Defense in die Play-offs 2018 - und ging dort gehörig baden. In der Wild Card Round setzte es gegen die hochüberlegenen Los Angeles Chargers ein 17:23 - übrig blieben entsetzte Fans.

Seither begleitete ihn der Vorwurf vieler NFL-Experten, er sei kein Top-Quarterback, kein Franchise-Spielmacher - und eben nur für Rushes zu gebrauchen. Seine Bilanzen aus den ersten 16 Regular-Season-Partien 2018 passten dazu: Während er mit mageren 99 angebrachten von 170 versuchten Pässen lediglich 1201 Yards und sechs Touchdowns zustande brachte (drei Interceptions), lief er ganze 147-mal quasi als Running Back zu 695 Yards und fünf Scores (zehn Fumbles). Gerade während der gesamten Preseason hieß es deswegen immer wieder: Jackson werde sich gewaltig steigern müssen, um auch als Passing Quarterback ligaweit ernstgenommen zu werden.

"Das war nicht schlecht für einen Running Back..."

Seit Sonntag ist klar: Der 22-jährige Erstrunden-Pick von 2018 (32. Stelle) hat sich verbessert - und wie! Bei der mächtigen 59:10-Ansage von Baltimore in Miami, zugleich die höchste Ravens-Punktzahl der Franchise-Geschichte, avancierte Jackson neben Rookie-Receiver Marquise "Hollywood" Brown (147 Yards, zwei Touchdowns) zum Mann des Tages. Jackson lief dieses Mal lediglich für sechs Yards bei drei Versuchen - und brachte stattdessen als Wurfmeister 17 von 20 Pässen für sagenhafte 324 Yards (mind. 15 Yards pro Versuch) sowie fünf Touchdowns (keine Int.) an den Mann. In dieser Kombination hat es solche Zahlen noch nie zuvor in der NFL-Geschichte gegeben.

Kein Wunder, dass etliche Experten dem Spielmacher im Anschluss auf sozialen Netzwerken huldigten. NFL-Fantasy-Analyst Adam Rank schrieb etwa via Twitter: "Lamar Jackson kann werden. Überlegt euch einen neuen Witz da draußen." Bucs-Reporter Trevor Sikkema dazu: "Wenn ihr Lamar Jackson die Beine nehmt, was bleibt euch dann? Ein 59:10-Week-1-Sieg." Und NFL-Network-Analyst Daniel Jeremiah ergänzte: "Lamar Jackson war beeindruckend. Vor allem zwei Dinge haben mich beim Begutachten des Tapes beeindruckt: seine Genauigkeit bei Würfen von außerhalb der Pocket und seine Übersicht."

Lamar Jackson

Hat Miamis B-Defense auseinandergenommen: Lamar Jackson. imago images

Ein humorvoll aufgelegter Jackson hatte auf der Pressekonferenz nach dem Spiel ebenfalls etwas mitzuteilen - und zwar addressiert an all seine Kritiker: "Das war nicht schlecht für einen Running Back..."

Land unter in Miami?

Klar ist aber auch: So beeindruckend die Zahlen auch waren, so spielten die Ravens an diesem Tag nicht bei einem Top-Gegner, sondern bei den Dolphins, die sich im Neuaufbau befinden und schon jetzt etliche Draft-Picks für die nächsten zwei Jahre besitzen. Miami bewies dabei eindrucksvoll, warum viele keinen müden Pfifferling auf dieses ausgenommene Team (Offensive Tackle Laremy Tunsil, Linebacker Kiko Alonso, Receiver Kenny Stills, Receiver Danny Amendola, Running Back Frank Gore & Co. sind allesamt abgegeben worden) setzen.

Dazu passte dann auch die Nachricht, dass direkt nach der Ravens-Demontage von Jackson & Co. etliche Spieler intern rebelliert und sofort ihre Agenten zwecks eines möglichst schnellen Wechselwunsches kontaktiert haben sollen.

mag

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