Mehrere Teenager vor dem Durchbruch in der DEL

Stützle, Peterka & Co: Millennium-Talente auf Seiders Spuren

Tim Stützle

Schon jetzt im Fokus der NHL: Tim Stützle. imago images

Denn während deutsche Toptalente, wie Draisaitl (ohne Profi-Einsatz für einen deutschen Klub) oder der 2018 von St. Louis im Draft in Runde eins gezogene Dominik Bokk (19), der lieber in Schwedens SHL spielt, lange Jahre einen großen Bogen um die DEL machten, macht nun das gute Beispiel von Seider (18) Schule, der im vergangenen Jahr bei Pavel Gross' Adler Mannheim - nebst einer starken WM - seine Draftchancen nachhaltig erhöhen konnte. Dies liegt indes auch daran, dass man im deutschen Eishockey in Sachen Nachwuchsausbildung in den vergangenen Jahren dazu gelernt hat und künftig zudem anstrebt, junge, gut ausgebildete Spieler schon so früh wie von Talent und Physis eben möglich in den Profi-Bereich zu hieven.

Schon in der am kommenden Freitag beginnenden DEL-Saison 2019/20 könnten sich eine ganze Reihe großer deutscher Millennium-Talente (Jahrgang 2000 oder später) schon bald auf Seiders Spuren begeben...

Tim Stützle (17; Adler Mannheim): Die Pflichtspielsaison hat für den deutschen Meister Adler Mannheim in der CHL bereits begonnen - und Deutschlands nächstes Toptalent Tim Stützle schreibt nach Leon Draisaitl und Moritz Seider bereits selbst an seiner eigenen Aufstiegsstory. In den bislang vier CHL-Partien, seinen ersten Einsätzen als Profi überhaupt, konnte sich der 17-Jährige Stützle stets je einmal in die Scorerliste eintragen. Bei den Scouts aus Nordamerika, die sich nach Seider nun wegen des Stürmers in Mannheim die Klinke in die Hand geben, galt der Kreativstürmer schon zuvor als heißer Kandidat für die erste Draftrunde 2020. Gut möglich, dass Stützles Aktien - ähnlich wie im Fall von Seider - im Saisonverlauf nun sogar noch weiter steigen.

Justin Schütz (19; EHC Red Bull München): Er ist von den NHL bereits gedraftet: Justin Schütz wurde 2018 von den Florida Panthers (6. Runde, Position 170) ausgewählt. Nach ersten sporadischen Profi-Einsätzen 2018/19 (drei DEL-Spiele für München) steht der Außenstürmer, der in der Vorbereitung bereits Spieler wie Mads Christensen und Andreas Eder (Leihe nach Nürnberg) aus dem Kader verdrängte, 2019/20 vor dem Durchbruch. In den ersten Tests und CHL-Einsätzen bestach der Linksschütze durch Einsatz, Athletik und Zug zum Tor.

Justin Schütz

Will in der DEL den nächsten Entwicklungsschritt machen: Justin Schütz. imago images

John-Jason Peterka (17, EHC Red Bull München): Was für Schütz gilt, gilt auch für seinen Teamkollegen John-Jason Peterka; mit dem Unterschied, dass Letzterer erst 17 Jahre alt ist. Der Filigrantechniker, der vom Spielertyp her ein wenig an NHL-Profi Dominik Kahun erinnert, spielte in der vergangenen Saison mit dem Akademie-Team von RB in der tschechischen U19-Liga - und wurde mit 45 Toren und 49 Assists (94 Punkten) in 48 Spielen nicht nur Topscorer seines Teams, sondern der gesamten Liga. In der Vorbereitung schaffte der Neu-Profi nun bereits den Sprung in den Münchner CHL-Kader. Peterka könnte im NHL-Draft 2020 ebenfalls in einer vorderen Runde ausgewählt werden.

Lukas Reichel (17; Eisbären Berlin): Der Stürmer ist der Sohn des früheren Deutsch-Tschechen Martin Reichel und wechselte 2018 aus dem Nachwuchs der Starbulls Rosenheim in die Hauptstadt. In der Vorbereitung präsentierte sich der gebürtige Nürnberger, der erst im Mai 17 Jahre alt wurde, auffällig und konnte sich mehrfach in die Scorerlisten eintragen. Kuriosum am Rande: Während Vater Martin einst für die deutsche Nationalmannschaft auflief, spielte Onkel und Ex-NHL-Star Robert Reichel (900 Spiele und 661 Scorerpunkte in der NHL) für Tschechien - und wurde dreimal Weltmeister (1996, 2000, 2001) und einmal Olympiasieger.

Simon Gnyp (17; Kölner Haie): Verletzungssorgen in der Abwehr der Kölner Haie bescherten dem damals gerade erst 17 Jahre alt gewordenen Simon Gnyp schon in der vergangenen Saison die ersten 14 DEL-Einsätze. Der Kapitän der U18-Nationalmannschaft, der an der Seite von Stützle, Peterka und Reichel die Rückkehr in die A-Gruppe perfekt gemacht hatte, wird im gesunden Haie-Kader 2019/20, in dem mit Jakub Kindl ein ehemaliger NHL-Verteidiger steht, allerdings um Einsatzminuten kämpfen müssen.

Hendrik Hane

Mit 18 bereits im DEL-Kader eingeplant: Keeper Hendrik Hane. imago images

Hendrik Hane (18; Düsseldorfer EG): Was Gnyp & Co. mit der U18 gelang, schaffte Torhüter Hendrik Hane gemeinsam mit Seider, Bokk und Schütz mit dem U20-Nationalteam des DEB: die Rückkehr in die A-Gruppe. Der Düsseldorfer Keeper war dabei im Tor kaum zu überwinden und kam letztlich auf überragende statistische Werte (Fangquote: 94,9 Prozent, Gegentorschnitt: 0,98) und wurde folgerichtig zum besten Torhüter des Turniers gewählt. Die DEG entschied sich im Sommer dazu, neben A-Nationalkeeper Mathias Niederberger keinen weiteren erfahrenen Schlussmann zu verpflichten. Das bedeutet: Hane wird wohl seine ersten Bewährungschancen in der DEL erhalten.

Alexander Dersch (19; Düsseldorfer EG): Rechtsschießende Verteidiger sind selten und dementsprechend begehrt; erst recht, wenn sie auch noch deutlich über 1,90-Meter groß sind. Das dachte sich wohl auch der Tampa Bay Lightning, als punktbestes Team der NHL-Hauptrunde Presidents' Trophy-Gewinner 2019/20 - und lud Alexander Dersch in sein Trainingscamp für Talente Anfang September ein. Der 19-jährige Niederbayer, der zuletzt in der nordamerikanischen Juniorenliga für die Charlottetown Islanders (QMJHL) spielte, wird sein Profi-Debüt dennoch voraussichtlich bald in der DEL für die DEG zu geben, bei der er bereits zuvor vertraglich im Wort stand.

Joachim Meyer

Die Top-Neuzugänge der 14 DEL-Klubs