Herthas Ex-Trainer über das Ende seiner Amtszeit

Dardai: "Ich habe diese Auszeit gebraucht"

Pal Dardai

Seit Mai nicht mehr Hertha-Trainer: Pal Dardai. imago images

Viereinhalb Jahre war Pal Dardai für das Profi-Team der Berliner verantwortlich. In der Folge wollte der 43 Jahre alte Ungar abschalten und seinen Akku aufladen. Nach einer Auszeit soll er dann 2020 in der Nachwuchs-Akademie des Klubs einsteigen - ob es dazu wirklich kommt, ist offen.

Das Hertha-Urgestein Dardai, mit 286 Bundesliga-Einsätzen Rekordspieler des Klubs und nach Helmut Kronsbein und Jürgen Röber der Hertha-Trainer mit der längsten Amtszeit, kann sich grundsätzlich auch den Trainer-Job bei einem anderen Bundesligisten vorstellen: "Ich denke schon, dass das funktionieren würde", sagt er im Gespräch mit dem kicker. Als Spieler habe er "fast jeden Sommer Angebote" gehabt, "aber ich bin Hertha immer treu geblieben, und es hat sich immer richtig angefühlt. Als Trainer ist es eine andere Situation."

"Ich habe nicht den Wunsch, morgen wieder als Trainer anzufangen"

Einer zweiten Amtszeit als Nationaltrainer seines Heimatlandes Ungarn, das er bereits zwischen September 2014 und Juli 2015 trainierte und auf den Weg zur EM-Endrunde 2016 brachte, erteilt er eine kategorische Absage: "Ich bin ein Typ für die Tagesarbeit. Das Thema Nationalmannschaft ist vorbei. Ich werde nicht mehr als Nationaltrainer arbeiten - weder in Ungarn noch in einem anderen Land." Nach seinem ausgedehnten Sommer-Urlaub am Balaton sei sein Akku wieder voll, "aber ich habe nicht das Gefühl und den Wunsch, morgen wieder als Trainer anzufangen".

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Für sein Mitte April beschlossenes Aus als Hertha-Trainer zum Ende der Saison 2018/19 zeigt er Verständnis: "Ich war müde, das muss ich zugeben. Ich habe schon im Sommer vor meiner letzten Saison Müdigkeit gespürt und im vergangenen November mit dem Manager darüber gesprochen, dass eigentlich die Zeit für eine Veränderung gekommen ist." Er habe "diese Auszeit gebraucht", gesteht der Ungar. "Die Pause ist das Beste, was mir passieren konnte."

Ante Covic ist ein Prototyp der Hertha-Trainerausbildung, das war ich nicht.

Pal Darbai

Obwohl sein Nachfolger Ante Covic ebenfalls ein Hertha-Eigengewächs ist, betont Dardai die Unterschiede: "Ich finde nicht, dass man uns vergleichen kann. Ante ist ein Prototyp der Hertha-Trainerausbildung, das war ich nicht. Ich habe in Ungarn die Trainerscheine gemacht, ich hatte als Spieler in der Nationalmannschaft Top-Trainer wie Erwin Koeman und im Verein Trainer wie Huub Stevens, Hans Meyer oder Lucien Favre. Ich habe eine andere Geschichte als Ante." Kontakt zu seinem Nachfolger gibt es nicht. Covic habe ihn nicht angerufen "und muss das auch nicht", sagt Dardai. "Er kennt die ganze Mannschaft und alles im Verein."

Montagsausgabe: Auch Covic im kicker-Interview

Pal Dardai äußert sich im kicker-Interview (Montagsausgabe) außerdem zu Herthas Stadtrivalen Union, zur Bilanz seiner eigenen Amtszeit, zu seinem Sohn Palko, zu Herthas Sommer-Transfers und zum mäßigen Saisonstart.

Wie Dardai kommt auch Nachfolger Ante Covic in der Montagsausgabe des kicker ausführlich zu Wort. Er spricht im Interview über die Gründe für Herthas schwierigen Start, die Krise einiger Leistungsträger, Rekord-Einkauf Dodi Lukebakio, seine Arbeitsweise und das wichtige Spiel am Samstag in Mainz.

Steffen Rohr