Medvedev gleicht nach 0:2 aus

Was für eine Show! Nadal krönt sich in New York in fünf Sätzen

Rafael Nadal

US Open-Finale: Rafael Nadal setzte sich in fünf Sätzen die Krone auf. Getty Images

Mit 7:5, 6:3, 5:7, 4:6 und 6:4 gewann der Spanier das Endspiel in der Nacht auf Montag gegen den russischen Herausforderer. Der 23-Jährige aus Moskau stemmte sich vehement gegen die Niederlage, doch er musste diese in fünf Sätzen quittieren. Und das, obwohl der ehemalige Buhmann des New Yorker Publikums den Liebling Nadal auch auf den Rängen phasenweise entnervte und einen 0:2-Satzrückstand egalisierte. Für Nadal ist es der vierte Triumph in Flushing Meadows und der insgesamt 19. Grand-Slam-Sieg.

Satz eins: Medvedev holt das erste Break, Nadal das entscheidende

Abwechslungsreichtum stand ganz oben, die beiden Finalisten testeten sich scheinbar aus, wo sie sich gegenseitig wehtun könnten. Herausforderer Medvedev variierte noch einen Tick mehr als Nadal - Serve-and-volley, Grundlinien-Duelle, Slice und Stops - alles dabei. Ein weiteres Muster: Nadal gewann seine Aufschlagspiele leichter, teilweise "zu Null" oder mit nur einem Punkt für seinen Gegner. Der Russe hingegen musste fast immer kämpfen, am kritischsten war es beim Stand von 4:5, als er mehrmals bei 40:40 Vorteil hatte, diesen aber immer wieder abgab. Einen Satzball für Nadal ließ er aber nicht zu. Bemerkenswert: Das erste Break schaffte Medvedev zum 2:1, Nadal legte seine Stirn in grimmige Falten und schlug mit dem Re-Break zurück. Als das Duell nach über einer Stunde auf den Tie-Break zusteuerte, schaffte Nadal das entscheidende Break, zeigte sich eiskalt und verwandelte den zweiten Satzball zum 7:5.

Satz zwei: Netz-Stürmer Nadal holt das Break im zweiten Anlauf

Medvedev schüttelte sich kurz, versuchte erst gar keinen Ärger aufkommen zu lassen und überraschte Nadal gleich mit zwei Breakbällen - die er aber liegenließ. Der Spanier musste nicht wie zuvor früh einem Break hinterherlaufen, sondern hielt das Momentum auf seiner Seite. Allerdings blieb das Spiel seines russischen Widersachers gewitzt und weiterhin variantenreich. Kritisch wurde es dennoch für Medvedev beim Stande von 1:2 und 0:40, doch er wehrte insgesamt vier Breakbälle meisterhaft ab und machte das 2:2. Doch danach machte der Linkshänder Ernst, setzte Medvedev immer mehr unter Druck, nutzte die Chance zum Break zum 3:2 und zog schnell auf 5:2 davon. Kurz wackelte der Sandplatz-König vor dem Satzgewinn, als er 15:30 zurücklag, doch mit seinem Serve-and-Volley-Spiel wählte er das richtige Mittel, um den Satz mit 6:3 nach Hause zu fahren.

Satz drei: Spannung ohne Ende und Medvedev zur Stelle

Im dritten Satz hieß es für Medvedev Alles oder Verlieren. Der erste Ballwechsel nach einem kurzen Kabinengang von Nadal verlief spektakulär, der Punkt ging an den Russen, der damit sowie einem schnellen Auftaktspiel ein Lebenszeichen an den Kontrahenten senden konnte. Nadal zeigte sich aber relativ unbeeindruckt, brachte seine Aufschlagspiele weiterhin sicher durch und zeigte sich weiterhin mit Netzangriffen für Medvedev gefährlich. Beim Spielstand von 2:2 und Aufschlag Medvedev bekam Nadal wieder die Chance zum Break und nutzte diese. Nach zwei Netzkantenbällen Nadals schlug Medvedev eine vermeintlich leichte Rückhand ins Netz - 3:2 für Nadal. Der Spanier hatte alle Trümpfe in der Hand, doch direkt im nächsten Aufschlagspiel schlug Medvedev mit dem Re-Break zum 3:3 zurück. Medvedev hielt sein Niveau und steigerte sich in der Endphase des Satzes in einen Rausch: Beim Stand von 5:6 hatte der Russe zwei Satzbälle und eine peitschende Rückhand sorgte nicht nur auf den Rängen für Ekstase, sondern bescherte New York auch einen vierten Satz.

Satz vier wie Satz drei: Medvedevs Rückhand-Kracher zum Ausgleich

Im vierten Satz schien Nadal zunächst ein wenig zu trauern. Der dritte Satz und damit das Match war zum Greifen nah, doch er hatte nicht mit der Wiedergeburt des Russen gerechnet. Dieser spielte auch im vierten Durchgang weiter berauscht auf, gewann sein erstes Aufschlagspiel souverän und hatte dann mehrere Breakbälle. Nadal kämpfte um seine Rückkehr ins Duell und um die Gunst des Publikums. Er zog den Kopf aber aus der Schlinge und glich mit der geballten Faust zum 1:1 aus - das Duell war zu Beginn dieses Durchgangs schon am Siedepunkt.

Beim 2:2 musste Medvedev wieder Breakbälle abwehren - Nadal machte in dieser Phase aber einige leichte Fehler und konnte sich keinen Vorteil verschaffen. Beide Finalisten zogen ihre Aufschlagspiele in der Folge durch - und das bei immer wieder atemberaubenden Ballwechseln. Und dann lief es doch wie in Satz drei: Nadal glich zum 4:4 aus, ehe Medvedev jede sich bietende Chance nutzte und mit einem sensationellen Rückhand-Passierschlag den Satz mit 6:4 gewann. Minutenlange Ovationen von den Rängen folgten, die Spieler machten sich bereit für den entscheidenden fünften Satz.

Satz fünf: Medvedev schwächelt kurz auf der Rückhand - Nadal zieht es hauchdünn durch

Showdown in Satz fünf - das in zwei Lager geteilte Publikum lieferte sich ein Duell auf den Rängen. Nadal spielte etwas auffällig auf Zeit und wurde von Teilen der Zuschauer ausgebuht. Medvedev ging locker in Führung und hatte beim ersten Aufschlagspiel Nadals mehrere Breakchancen - einmal wurde der Spanier wegen Zeitspiels der erste Aufschlag genommen und als er den Breakball mit dem zweiten Service abwehrte führte er einen wilden Tanz auf - die "Rafa"-Fans kamen lautstark zurück.

Der Knackpunkt kam im fünften Spiel, als Medvedev bei eigenem Aufschlag 40:0 vorne lag und dennoch das Break kassierte. In dieser Phase begann der rechtshändige Russe auf der Rückhandseite zu schwächeln, kurz zuvor wurde er an den linken Adduktoren behandelt. Es stand 2:3 aus Sicht des Russen, Nadal legte schnell zum 4:2 mit eigenem Service nach. Nun wirkte Medvedev ein wenig desorientiert - den nächsten Aufschlag gab er wieder ab - einen Überkopfball donnerte er meterweit ins aus.

Nadal vermied jegliche Gefühlsausbrüche, sondern sammelte alle Energie für das Finale des fünften Satzes. Dieses hätte bei eigenen Aufschlag - und zwei Breaks Vorsprung - kommen können, doch Nadal "schenkte" das erste Aufschlagssiel her - wieder wurde er wegen Zeitverzögerung beim Aufschlag abgestraft und kassierte per Doppelfehler ein Break zum 5:3. Nadal aber schüttelte sich nur kurz und schaffte fast das Re-Break - Medvedev wehrte einen ersten Matchball ab. Auch den zweiten nutzte er nicht, einen zweiten Aufschlag auf die Vorhand ließ der Spanier liegen. Das Match schien sich wieder zu drehen, Medvedev stand kurz vor dem Ausgleich zum 5:5, doch Nadal nutzte seinen dritten Matchball zum Sieg.

bst

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Nadal krönt sich selbst gegen starken Medvedev

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