Basketball

Protest eingelegt! Litauens Trainer platzt der Kragen: "Ein verdammter Witz"

Schiedsrichter ahndeten Goberts Einsatz nicht

Protest eingelegt! Litauens Trainer platzt der Kragen: "Ein verdammter Witz"

Dainius Adomaitis

Gewann als Aktiver mit Litauen im Jahr 2000 die olympische Bronze-Medaille: Dainius Adomaitis. imago images

Die Schlusssirene nach dem Zwischenrunden-Match gegen Frankreich war gerade ertönt, da lief Litauens Trainer Dainius Adomaitis gestikulierend und kopfschüttelnd auf das Parkett in Richtung der drei Schiedsrichter. Diese verschwanden allerdings schnurstracks in den Katakomben der Arena von Nanjing und ließen den wild schimpfenden 45-Jährigen stehen - was dieser mit weiteren Gesten quittierte.

Es war die vielleicht spielentscheidende Szene, 30,8 Sekunden vor Ablauf der Uhr, die Adomaitis Wut ausgelöst hatte. Jonas Valanciunas war durch einen Freiwurf gerade das 75:76 aus litauischer Sicht gelungen. Sein zweiter Versuch schien gerade durch die Reuse zu fallen, als Frankreichs Defensivstar Gobert herangesprungen kam, den Ball wegschlug, dabei aber auch klar und deutlich den Ring traf. Ein Pfiff der Referees Antonio Conde (Spanien), Daniel Garcia Nieves (Venezuela) und Leandro Lezcano (Argentinien) blieb jedoch aus. Das Instant Replay, was wohl Klarheit geschaffen hätte, durfte aufgrund ausbleibender Spielunterbrechung nicht bemüht werden. Stattdessen lief die Partie weiter - Momente später verwandelte Nando de Colo einen Jumpshot zum 78:75 und besiegelte damit Litauens Aus.

Litauische Medien sprechen von der "denkwürdigsten Pressekonferenz" der Geschichte

Auf der obligatorischen Pressekonferenz war Adomaitis' Wut keineswegs verraucht. Während seines Statements schlug der Trainer mehrmals mit der flachen Hand auf den Tisch, brüllte die vor ihm sitzenden Journalisten derart an, dass litauische Medien bereits von der "denkwürdigsten Pressekonferenz in der Geschichte des litauischen Basketballs" sprechen.

Stoppe das Spiel und schaue dir an, was passiert ist!

Dainius Adomaitis

In Anspielung auf das 82:87 gegen Australien in der Vorrunde, das aus Sicht der Litauer ebenfalls von strittigen Schiedsrichter-Entscheidungen geprägt war, schimpfte der Headcoach los: "Mit den Australiern haben sie uns Rugby spielen lassen. Das ist ein verdammter Witz. Das ist kein Basketball." Auf die Palme brachte ihn vor allem, dass das Schiedsrichter-Gespann die Szene nicht per Videobeweis checkte. "Du musst dafür nicht klug sein", redete sich Adomaitis in Rage. "Stoppe das Spiel und schaue dir an, was passiert ist!" Auf den neben ihm sitzenden Valanciunas deutend fügte er an: "Diese Jungs verbringen zwei Monate ohne Familien. Sie bekommen dafür keinen Dollar. Ich habe größten Respekt vor ihnen. Aber dann respektieren andere das Spiel nicht!"

"Gebt uns drei europäische Referees!"

Auf die Nachfrage, warum neben dem Spanier Conde zwei an das Niveau vielleicht nicht gewohnte südamerikanische Schiedsrichter das Spiel zwischen den Topmannschaften Frankreich und Litauen leiteten, antwortete Adomaitis energisch: "Danke für die Frage, vielen Dank! Es ist nicht sehr schwer, man muss nicht sehr klug sein: Gebt uns drei europäische Referees! Fragen Sie das die FIBA!"

Das Zwischenrunden-Spiel sorgte damit für den ersten massiven Aufreger um die Unparteiischen bei der diesjährigen WM. Bereits im Vorfeld waren Befürchtungen über das Niveau der Schiedsrichter laut geworden, da Referees aus der Euroleague nicht nominiert sind. Hintergrund ist der seit Jahren andauernde Streit zwischen der europäischen Eliteliga und dem Weltverband FIBA. Diese Sorgen hatten sich bislang aber nicht bestätigt.

Der litauische Verband reichte Medienberichten zufolge jedenfalls Protest gegen die Wertung des Spiels ein - dürfte allerdings kaum Aussicht auf Erfolg haben.

pau

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