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13 Neue in 22 Tagen: Almeria wird zum realen "Fußball-Manager"

Arabischer Geschäftsmann krempelt spanischen Zweitligist um

13 Neue in 22 Tagen: Almeria wird zum realen "Fußball-Manager"

Will doch nur spielen: Turki Al-Sheikh zeigt sich umtriebig in Almeria.

Wen kaufe ich als nächstes? Almerias Klubbesitzer Turki Al-Sheikh. imago images

Etwa 20 Millionen Euro hat es Al-Sheikh gekostet, sich zum Klubboss zu küren, ein abgekauftes Aktienpaket machte es möglich. Der 37-Jährige machte sofort Nägel mit Köpfen - und begann damit seinen realen "Fußball-Manager".

Am 4. August entließ Al-Sheikh, Geschäftsmann und Sportfunktionär aus Saudi-Arabien, erst einmal den Trainer. Oscar Fernandez wurde bereits nach zwei Tagen als Fehlbesetzung erkannt, und das wäre ja eigentlich schon merkwürdig genug. Dass Fernandez die Andalusier erst seit dem 15. Juni (und damit nach Saisonende) coachte, gibt der Entscheidung allerdings nochmal eine zusätzliche pikante Note. Auf der Bank saß der 44-Jährige kein einziges Mal. Der neue Trainer wurde auch gleich verkündet, der Portugiese Pedro Emanuel erhielt das Vertrauen.

Auch Sport- und Generaldirektor wurden ersetzt, mit Dario Drudi und Mohamed El Assy übernahmen zwei Vertraute Al-Sheiks die Ämter. Man schrieb den 7. August. Einen Tag zuvor war übrigens mit Alvaro Gimenez, Torschützenkönig der abgelaufenen Zweitligasaison, der erste Spielerabgang bekannt gegeben worden.

Der Kaufrausch beginnt mit Balliu

Einige Tage war dann Ruhe in Almeria - bis zum 12. August. Außenverteidiger Ivan Balliu kam aus Metz, er war die erste Neuverpflichtung unter dem neuen Besitzer. Am 14. August kam Nikola Maras (Leihe), am 16. August Dragan Rosic, am 19. August Radosav Petrovic, am 20. August Lazo (Leihe) sowie Jonathan Silva, am 22. August Valentine James (Leihe) und am 23. August Valentin Vada. Durchatmen.

So langsam wurde es in der Kabine allerdings eng bei den Rot-Weißen, Montoro (25. August, Vertrag aufgelöst) und Leihgabe Nkaka (26. August, Leihe beendet) verließen den Klub ebenso wie einen Tag später Gonzalo Bueno. Da muss schnell ein Neuer her, dachte man sich offensichtlich. Und so wurden am Tag von Buenos Abgang auch ein Zugang vermeldet, Ante Coric kam von der Roma auf Leihbasis. Am 28. August gab der Klub allerdings den Abschied von Simon Moreno bekannt, am 29. August auch den von Gianni Rodriguez. Aber: Ein Neuer kam! Darwin Nunez wechselte von Penarol für satte acht Millionen Euro ins sonnige Andalusien - der zehnte Neuzugang binnen 17 Tagen.

Almeria schnappt ManUnited Rekordtransfer Appiah weg

Doch es gab ein Problem: das Transferfenster. Wechsel waren ja nur noch für vier Tage, also bis zum 2. September möglich. Leichte Panik in Almeria, Schweißperlen bei Al-Sheikh und seinen Mitstreitern - zumal am 30. August Tano Bonnin dem Klub Adios sagte. Jetzt hieß es Gas geben: Am 1. September begrüßte man zwar "nur" Isah Aliyu vom armenischen Klub Lori Vanadzor, aber einen Tag hatte man ja noch. Und den nutzte Almeria natürlich: Mit Arvin Appiah (18) von Nottingham Forest holte der Klub den teuersten Zweitligaspieler der Geschichte. 8,8 Millionen Euro blätterten die Saudis für den Angreifer hin, der auch von Manchester United umworben gewesen sein soll. An Lugo ausgeliehen wurden dafür Yannis Rahmani und Mathieu Peybernes. Schluss? Nein. Eine Leihe ging noch, Juan Munoz kam von Leganes. Der 13. Neuzugang in Almeria. Dann schloss das Fenster.

Wilde Wechselspiele, doch die Ressourcen geben es anscheinend her. Bei keinem anderen Klub in der 2. Liga wird so viel Gehalt gezahlt wie beim 2014 aus der ersten Liga abgestiegenen Verein von der Südküste. Noch nie gab es so viele Transfers in Spaniens Unterhaus, Almeria investierte mehr als so mancher Erstligist. Mit den überwiegend jungen und längerfristig gebundenen Spielern will man einen ähnlichen Weg einschlagen wie Mallorca, das mit dieser Taktik aus der Versenkung und in die erste Liga zurückkehrte. Der Plan könnte aufgehen: Almeria liegt mit sieben Punkten aus drei Spielen auf Rang drei der Tabelle.

So oder so, der "Umbau" in Almeria ist noch nicht zu Ende. Als nächstes will Al-Sheikh das Stadion renovieren und die Peripherie verbessern, unter anderem soll ein Sportzentrum gebaut werden - wie im Fußball-Manager eben. Und am 2. Januar 2020 öffnet dann ja auch das Wintertransferfenster.

Christoph Laskowski

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