Eingefärbte Solarzellen - Mehr Reichweite für Elektroautos

Solarstrom vom Autodach

Auto mit Solardach

Fahren mit Sonnenergie: Das Fraunhofer Institut für solare Energie hat ein Solardach entwickelt. Franhofer ISE

Als es sich vor einigen Jahren abzuzeichnen begann, dass die automobile Zukunft wohl elektrisch sein würde, da beschrieb uns eine Userin ihre Idealvorstellung von einem Elektroauto: Es sollte überhaupt nicht an die Strom-Tanke fahren müssen, sondern seine elektrische Energie nachhaltig aus Solarzellen auf dem Autodach beziehen.

So weit wird es wohl nicht kommen, denn die per Photovoltaik erzeugte Strommenge wird auch in absehbarer Zeit kaum ausreichen, um ein Elektroauto adäquat anzutreiben. Unterstützend kann sie aber sehr wohl wirksam werden. Das Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme ISE stellt auf der Frankfurter IAA (12. bis 22. September 2019) ein Pkw-Solardach vor, das an einem sonnigen Sommertag so viel Strom liefern kann, dass ein elektrischer Mittelklassewagen damit rund zehn Kilometer an Fahrtstrecke gewinnt.

Gleichermaßen denkbar wie sinnvoll wäre es auch, mit der elektrischen Energie reichweitenkillende Verbraucher wie Klimaanlage oder Heizung zu füttern.

Unendliche Farbmöglichkeiten

Die Technik nennt sich "Morpho Color", und das deutet bereits auf eine weitere Besonderheit hin: Durch eine individuelle Farbbeschichtung passen sich die Solarzellen optisch der Wagenfarbe an und werden somit unsichtbar. "Die Farbmöglichkeiten sind nahezu unendlich", sagt Dr. Martin Heinrich, Leiter PV for Mobility am Fraunhofer ISE.

Toyota Prius Solardach

Schon Realität: Vom Toyota Prius Plug-in-Hybrid gibt es bereits eine Version mit Solardach. Toyota

Die Fraunhofer-Forscher haben sich bei der Anordnung der Siliciumsolarzellen für die sogenannte "Schindelverschaltung" entschieden. Das bedeutet, dass die Zellen überlappend angeordnet werden. Vorteil: Es entstehen keine inaktiven Zwischenräume zwischen den einzelnen Zellen, die Effektivität der Modulfläche fällt maximal aus. Die Leistung soll bei etwa 210 Watt pro Quadratmeter liegen.

Der Prius hat die Technik schon

Solarzellen in der Außenhaut von Elektroautos sind kein komplett neues Thema. Kia und Hyundai haben bereits vor Jahresfrist ein Solarladesystem gezeigt, Audi unterhält eine entsprechende Kooperation mit dem Unternehmen Hanergy, und vom Toyota Prius Plug-in-Hybrid gibt es bereits eine Variante mit Solarzellen auf dem Dach, wobei die elektrische Energie hier nur für die Lüfter der Klimatisierung gedacht ist. Allerdings arbeiten die Japaner bereits an einer leistungsfähigeren Technologie. Ein Prius-PHEV-Prototyp trägt Solarpanels auf dem Dach, auf der Motorhaube sowie auf der Heckklappe und soll sich auf diese Weise Strom für rund 45 Kilometer Fahrt zuführen.

Sion

Soll im nächsten Jahr auf den Markt kommen: Der Minivan Sion ist rundum mit Solarpanels bestückt. Sono Motors

Das Münchner Start-up Sono Motors wiederum will im zweiten Halbjahr 2020 den Elektro-Van Sion auf den Markt bringen, dessen in Motorhaube, Kotflügel, Flanken, Dach und Heck eingearbeiteten Sonalpanels Strom für bis zu 34 Kilometer zusätzlicher Reichweite erzeugen sollen.

Ulla Ellmer