NFL 2019: Gelingt Star-Quarterback Brees noch der zweite große Wurf?

Vorschau NFC South: Saints, Falcons, Panthers, Buccaneers

Drew Brees

Star-Quarterback der Saints - und 40 Jahre alt: Drew Brees. imago images

New Orleans Saints (Vorjahresbilanz 13:3)

Wer weiß schon, was passiert wäre, wenn die NFL bereits früher den Videobeweis bei Pass Interferences eingeführt hätte. Sicher ist: Die Saints wären mit dieser Regel vergangene Saison an 100 Prozent grenzender Wahrscheinlichkeit in den Super Bowl eingezogen. So aber feierten im NFC-Finale die Rams (26:23 n.V.), die später im großen Endspiel New England unterlagen (3:13).

Und nun? New Orleans stellt sich ein weiteres Jahr auf, um nach 2009/10 zum zweiten Mal den NFL-Titel zu gewinnen. Mit dem nimmermüden Drew Brees zusammen mit Head Coach Sean Payton an der Front, einem inzwischen auch top-bezahlten Top-Receiver Michael Thomas und Running-Back-Maschine Alvin Kamara verfügt das Team aus "The Big Easy" weiterhin über ein grandioses Waffenarsenal. Letzterer hat sich bereits zum ersten Spieler der NFL-Geschichte aufgemacht, der in seinen ersten 20 Spielen über 1000 Rushing und über 1000 Receiving Yards erreicht hat. Die Offense dürfte besonders über ihn gesteuert werden, zumal Brecher Mark Ingram (Baltimore) nicht mehr zugegen ist. Für kurze Yard-Strecken soll sich fortan Latavius Murray verantwortlich zeigen. Ansonsten ist noch interessant: Der frühere Patriots-Defensive-Tackle Malcolm Brown ist ebenso an Land gezogen worden wie Rookie-Center Erik McCoy (22), der das schwerwiegende und überraschende Karriereende von Pro-Bowler Max Unger (33) auffangen soll. Als klarer Favorit der NFC South gehen die Saints ins Rennen. Es kann weit gehen, sehr weit.

Atlanta Falcons (Vorjahresbilanz 7:9)

Julio Jones

Star-Receiver der Falcons: Julio Jones. imago images

In zwei der vergangenen vier Spielzeiten hat Star-Receiver Julio Jones die NFL angeführt, der sechsmalige Pro Bowler ist das Aushängeschild der Falcons neben Star-Quarterback Matt Ryan. Allein letzte Saison hat er mit 113 Receptions 1677 Yards sowie acht Touchdowns erreicht - und ist trotzdem mit Atlanta am Play-off-Vorhaben gescheitert. Eine Serie von fünf Niederlagen in Folge brach dem Endrunden-Vorhaben des von Trainer Dan Quinn trainierten Teams das Genick. Auch Verletzungen spielten eine Rolle: Die Ausfälle von Safety Keanu Neal und besonders Linebacker Deion Jones konnten nicht kompensiert werden.

Mit einer sicherlich wieder besser dastehenden Defense sowie einer aufgebesserten Offensive Line, die dem passstarken, aber wenig laufstarken Spielmacher Ryan mehr Zeit verschaffen soll, zeigt sich das Gebilde aus Atlanta stark verbessert. Dafür sorgen auch weitere Top-Spieler wie Center Alex Mack, Cornerback Desmond Trufant, Defensive End Adrian Clayborn, Linebacker Vic Beasley, dem wieder fitten Running Back Devonta Freeman und den Wide Receivern Mohamed Sanu sowie Calvin Ridley.

Carolina Panthers (Vorjahresbilanz 7:9)

Luke Kuechly

Star-Linebacker der Panthers: Luke Kuechly.

Bei Gedanken an die Panthers dominieren in erster Linie zwei Namen - und das vollkommen zu Recht: Die Offense besteht in erster Linie aus Quarterback Cam Newton. Wenn der laufstarke Spielmacher gesund ist, gehört er zum Besten der NFL. Das zeigen allein seine Werte von 28.469 Yards und 182 Touchdowns seit seinem Draft 2011. Und das ist auch zugleich das Problem! Newton muss fit bleiben, damit Carolina wieder eine Chance auf die Play-offs hat. Sonst wird es schwierig bis unmöglich. Der zweite wichtige Name dieses Franchises? Linebacker Luke Kuechly. Der 28-Jährige ist das Herz der Defense, der Gedankenleser der gegenüberstehenden Offense, der Ankerpunkt seiner Kollegen. Solche Top-Athleten gibt es nicht oft.

Außer Acht zu lassen ist der Rest natürlich nicht - allen voran Christian McCaffrey (Erstrunden-Pick an 8. Stelle im NFL-Draft 2017). Der inzwischen 23-Jährige hat dem Team besonders 2018 seinen Stempel aufgedrückt: 16 Spiele, 1098 Rushing Yards, sieben Rushing Touchdowns, dazu 107 Receptions, 867 Receiving Yards und sechs Receiving TDs. Alles unfassbar starke Zahlen für den Bruce-Lee-Fan und Sohn des dreimaligen Super-Bowl-Champions Ed McCaffrey (13 Jahre NFL-Profi). Die Panthers haben darüber hinaus mit dem sechsmaligen Pro Bowler Gerald McCoy in der Defensive Line nachgebessert und außerdem bei den Wide Receivern mit Super-Bowl-Sieger Chris Hogan aufgerüstet. Im Draft hat man an Position 16 mit Linebacker Brian Burns, der sich prächtig in Form zeigt, zugeschlagen. Am Ende steht und fällt aber alles mit der Gesundheit von Newton, was auch 2018 gezeigt hat: Nach einem famosen 6:2-Start verletzte sich "Superman" an der Schulter, kam nicht mehr so richtig in Schwung - und das Team von Head Coach Ron Rivera verpasste die Play-offs. Bei voller Fitness ist ein Angriff auf die Saints aber drin.

Tampa Bay Buccaneers (Vorjahresbilanz 5:11)

Jameis Winston

Muss liefern: Bucs-Quarterback Jameis Winston. imago images

Extra für die Buccaneers ist Head Coach Bruce Arians aus dem vorzeitigen Ruhestand gekommen. Der 66-Jährige, der Wert auf Disziplin und dafür seinen Spielern auch gerne mehr Freizeit für Familie einräumt, trainiert in der NFL nun schon seit 1989. 2017 zog sich Arians - als Assistenztrainer der Pittsburgh Steelers zweimaliger Super-Bowl-Champion - dann bei den Cardinals zurück. Nun soll er mit seiner Erfahrung allen voran Quarterback Jameis Winston dabei helfen, den Durchbruch zu schaffen. Bislang ist der 25-Jährige (2015 an erster Stelle im Draft gezogen) eher durch lustige Ansprachen aufgefallen, weniger durch Top-Leistungen. Neben seinen 14.628 Yards und 88 Passing Touchdowns sowie neun Rushing TDs sprechen in 56 Spielen vor allem 58 Interceptions und 22 Fumbles eine deutliche Sprache. Das muss sich verändern - und dafür könnte Flüsterer Arians der Richtige sein.

Insgesamt wird es aufgrund der hohen Konkurrenz in der NFC South dennoch äußerst schwer werden für Tampa Bay. Zumal auch in der Offseason wenig gelungen ist. Hier ist am ehesten noch Defensive Tackle und Wandervogel Ndamukong Suh zu nennen. Im Draft hat man sich dagegen mit dem schnellen und athletischen Linebacker Devin White verstärkt - genauso wie mit den beiden Defensive Backs Sean Bunting und Jamel Dean, die die zuletzt wenig sattelfeste Abwehr (29 kassierte Punkte im Schnitt, schlechter waren 2018 unter allen 32 Teams nur die Oakland Raiders mit 29,2) verbessern sollen. Ob's gelingt? Es wird schwer.

mag

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