Der Standardschütze über den Leverkusener Eckenwucher

Demirbay und die 19:0 Ecken: "Es war ein Zeichen für uns"

Kerem Demirbay

Seine Standards zündeten gegen den Ex-Klub nicht: Leverkusens Kerem Demirbay. imago images

Die Gruppe ist halbiert. Während sich zwölf Bayer-Akteure derzeit mit ihren Nationalmannschaften auf die anstehenden Länderspiele vorbereiten, sind nur noch ein Dutzend Profis auf dem Trainingsgelände neben der Bay-Arena aktiv. "Es ist mehr Zeit da, um Sachen wie Standards zu trainieren, zu schleifen", sagt Kerem Demirbay zu der ungewohnten Situation.

Zum Ende der Dienstagseinheit, als einige der verbliebenen Spieler schon den Weg in die Kabine angetreten hatten, schlug Leverkusens Rekordeinkauf noch knapp 15 Minuten lang Ecken. Diese waren nach dem 0:0 gegen Hoffenheim ein großes Thema gewesen. Schließlich hatte nur einmal der Ball den Weg ins Hoffenheimer Tor gefunden, als Lucas Alario in der Nachspielzeit die Hereingabe von Nadiem Amiri per Kopf ins Tor beförderte. Allerdings hatte Schiedsrichter Felix Zwayer den Versuch zuvor zurückgepfiffen.

Sonst geschah herzlich wenig nach den Leverkusener Eckbällen. Was umso überraschender ist, da Demirbay eigentlich ein ausgewiesener Spezialist für ruhende Bälle ist. Den 26-Jährigen, der bis zu seiner Auswechslung in der 62. Minute die Ecken getreten hatte, beunruhigt die nicht vorhandene Ausbeute allerdings nicht. "Das darf man nicht überwerten", sagt er, weiß aber auch: "Es war ein Zeichen für uns: Pass auf, wir schärfen das nochmal, damit wir die Abläufe richtig gut drin haben, was wir schon haben, und versuchen daran zu arbeiten."

Da geht es um Abläufe, Timing, darum, wo der Ball hinkommen muss, wo die Spieler ihn erwarten.

Kerem Demirbay

Demirbay bleibt gelassen, weil er weiß, wie schnell sich das Blatt wenden kann. "Vor sechs, sieben Wochen haben wir in den Testspielen zwei Standards und machen einen rein - und alle schreiben Superschütze, Superkopfballspieler. Und dann gibt es solche Spiele wie gegen Hoffenheim mit 19:0 Ecken." Dass die Ausbeute am Samstag ungenügend war, stellt er nicht infrage. "Natürlich muss der eine oder andere Ball rein, aber solche Tage gibt es. Wir müssen es immer wieder trainieren: Da geht es um Abläufe, Timing, darum, wo der Ball hinkommen muss, wo die Spieler ihn erwarten. Aber am Ende wird es auch viele Spiele geben, in denen wir nur eine Ecke haben und es steht 1:0."

Was bleibt, ist der simple wie schlüssige Ansatz, immer weiter zu üben. So wie ein Tennisspieler seinen Aufschlag automatisiert. Nur dass vor einem Tor nach einem Eckball ungleich mehr Unwägbarkeiten stehen als vor einem Ass im Tennis. "Es sind Wiederholungen, immer wieder", nennt Demirbay den Schlüssel zum Erfolg, den man nie beiseitelegen darf. Der Linksfuß weiß natürlich, welche Bedeutung Standards ("Sie können Spiele entscheiden. Das sieht man Woche für Woche") zukommt und betont: "Auch wenn wir in den nächsten fünf Spielen jetzt aus acht Standardsituationen acht Tore machen, es geht nur um Abläufe." Die man immer wieder einschleifen muss. Damit künftig nicht mehr ein Missverhältnis von 19 Ecken zu null Toren entsteht.

Stephan von Nocks

Gut verstärkt oder Ziele verfehlt? Transferbilanz der 18 Bundesligisten