Ehemaliger Schalker träumt von der Bundesliga

"Bald wieder unter den Besten" - Hölschers Pläne in Enschede

Tim Hölscher

War viermal für die deutsche U-18-Nationalmannschaft am Ball: Tim Hölscher. imago images

Der Saisonstart ist geglückt: Der FC Twente Enschede ist als Aufsteiger mit zwei Siegen und drei Unentschieden nach fünf Spieltagen in der ersten niederländischen Liga noch ungeschlagen. Beim jüngsten 3:1-Heimsieg gegen den Vorjahressechsten FC Utrecht überzeugte Twente mit erfrischendem Offensivfußball. Im Stadion "De Grolsch Veste" ließen sich die Spieler ausgiebig von den 25.000 heimischen Anhängern feiern.

Nicht daran teilhaben konnte Tim Hölscher. Der 24-jährige deutsche Offensivspieler aus Gronau befindet sich derzeit noch im Aufbautraining nach einer Hüftoperation vor einigen Wochen. "Klar, die Jungs machen es super im Moment", berichtet Hölscher. "Ich möchte mich nun aber schnellstmöglich an die Startelf heranarbeiten, um dem Team zu helfen, die positive Entwicklung fortzusetzen."

Vor nicht einmal eineinhalb Jahren herrschten hier noch teils chaotische Zustände nach dem Abstieg aus der Eredivisie.

Tim Hölscher

In der vergangenen Saison hatte Hölscher, mit Unterbrechungen seit 2009 im Klub, bis zu seiner Verletzungsmisere in 16 Einsätzen seinen Anteil am souveränen Wiederaufstieg. Der Mittelfeldspieler erfreut sich dennoch an der aktuellen Erfolgsgeschichte: "Vor nicht einmal eineinhalb Jahren herrschten hier noch teils chaotische Zustände nach dem Abstieg aus der Eredivisie." Der Verein hatte einen Schuldenstand von rund 50 Millionen Euro angehäuft und war so in den Negativstrudel geraten. "Wie dann unser Umfeld uns mental und finanziell unterstützt hat - da hat sich erst die gesamte Wucht dieses Vereins gezeigt", erklärt der ehemalige Jugendspieler vom FC Schalke.

Vertragsverlängerung: Hölscher rechnet mit Gesprächen

Ein Vereinswechsel stand für Hölscher, der fließend holländisch spricht, nicht zur Debatte: Nicht nur die Trainingsbedingungen im benachbarten Hengelo sind erstklassig. "Wir haben mit Gonzalo Garcia einen herausragenden Trainer, einen guten Staff und unsere Vereinsführung wird den Verein in eine positive Zukunft führen", nennt der Offensivspieler die Vorzüge in der fußballverrückten Provinz Overijssel.

So rechnet Hölscher, der von Twentes Ex-Spieler Simon Cziommer beraten wird, zeitnah mit ersten Gesprächen über seinen auslaufenden Vertrag. Er sagt: "Klar, jeder deutsche Junge träumt von der Bundesliga. Aber hier in Enschede fühle ich mich sehr wohl."

Warum? Im Stadion herrscht Gänsehautatmosphäre: Schon vor dem Anpfiff singt das gesamte Rund "You'll never walk alone" und schweigt während des Spiels keine Minute, selbst als Utrecht die Heimelf nach 15 Minuten in ihrer Hälfte einschnürt. "Unsere Fans brauchen sich in Europa vor niemandem zu verstecken", ist Hölscher überzeugt. Der Fußball sei in den Niederlanden weniger von der Physis geprägt, was auch die deutschen Zuschauer zu schätzen wissen. Sie pilgern aus den grenznahen Regionen nach Enschede, mit Schalke gibt es außerdem eine Fan-Freundschaft.

Nur der Klassenerhalt zählt

Sportlich stehen bei Twente aktuell nicht die ehemaligen Bundesliga-Spieler Emil Berggreen (26, früher Braunschweig und Mainz) und der derzeit verletzte Paul Verhaegh (36, ehemals Augsburg und Wolfsburg) im Fokus, sondern eher prägt die starke spanische Fraktion mit Javier Espinosa (26), Aitor (23) oder auch Barca-Leihgabe Oriol Busquets (20) die Spielphilosophie.

Für den Deutschen zähle trotz des guten Starts in dieser Spielzeit einzig der Klassenerhalt. "Doch alles darüber hinaus nehmen wir gerne und ich glaube, dass wir in wenigen Jahren auch fußballerisch wieder zu den besten vier, fünf Teams des Landes zählen werden." Tim Hölscher wünscht sich dabei schnellstmöglich wieder eine wichtige Rolle.

Torben Ritzinger