Was passiert denn jetzt mit Neymar?

Armes Barcelona: Was das Transferfenster nicht brachte

Ousmane Dembelé und Neymar

Involviert, aber nicht transferiert: Ousmane Dembelé und Neymar. imago images

Ob es ihn wirklich interessiert, weiß man nicht. Was ihn überhaupt interessiert, bleibt schwer zu sagen. Ousmane Dembelé ist zwar 22 Jahre alt und Weltmeister (und zweimaliger spanischer Meister und spanischer Pokalsieger und spanischer Superpokalsieger und deutscher Pokalsieger), aber offensichtlich ist Ousmane Dembelé auch noch ganz weit weg vom Musterprofi. Ein junger "Erwachsener", der sowohl in Dortmund als auch in Barcelona nicht nur dem Training fernbleibt, sondern gleich ganz vom Radar verschwindet; der sich bei einem Spiel in Bilbao verletzt, aber erst drei Tage später zum Arzt geht - und dann fünf Wochen ausfällt.

Ob es Dembelé da interessiert hat, dass er den ganzen Sommer als Tauschobjekt gehandelt wurde? Vielleicht ließ er ja auch gerade deswegen den Arzttermin sausen - aus Trotz? Ihr werdet mich nicht los! Beim BVB hatte es geheißen, dass der so talentierte, aber auch so undisziplinierte Franzose immer nur zu Barça wollte. Und als Barça dann lieber wieder Neymar wollte, obwohl Dembelé laut Barça-Präsident Josep Bartomeu ja eigentlich "besser als Neymar ist", da weigerte sich Dembelé eben.

Das mag sich blöd anhören, aber es ist doch sein gutes Recht, in Barcelona bleiben zu wollen. Bartomeu hat ihm 2017 schließlich einen Fünfjahresvertrag ausgehändigt. Drei Wochen, nachdem Neymar für 222 Millionen Euro zu Paris Saint-Germain gewechselt war. Erst kam Dembelé für zunächst 105 Millionen Euro, dann Coutinho für 120 - beide blieben blass und sollten wieder weg, damit nach dem 120-Millionen-Euro-Einkauf Antoine Griezmann und dem 75-Millionen-Euro-Einkauf Frenkie de Jong wieder Geld da ist (#FinancialFairPlay).

Philippe Coutinho

Schon ein waschechter Bayer: Philippe Coutinho. imago images

Coutinho war der Erste, dem die Idee mit dem Tauschgeschäft zwischen Barça und PSG nicht gefiel. Er entschied sich für Marienplatz statt Champs-Élysées. Ivan Rakitic soll einem Tausch sogar fast zugestimmt haben, aber da war der Deal schon geplatzt, weil Dembelé Barça nicht verlassen wollte. So muss sich der bemitleidenswerte spanische Meister am Ende mit einem Angriff aus Luis Suarez, Lionel Messi, Carlos Perez, Griezmann und Dembelé begnügen. So ein Pech.

Und Neymar bleibt auf seinem 36-Millionen-Euro-Gehalt sitzen, obwohl er lieber wieder in Barcelona gespielt und dafür auch 17 Millionen Euro weniger verdient hätte. Ärgerlich.

Ob Florentino Perez darüber lachen kann? Nach den ersten drei Spieltagen vielleicht sogar wirklich. Real Madrids Präsident hat in diesem Sommer 300 Millionen Euro ausgegeben (und 130 eingenommen #FFP), aber das war nicht so interessant wie das Handicap von Gareth Bale. Der Waliser hat Real mit seinen Toren gleich mehrere Titel beschert, aber weil Zinedine Zidane ihn nicht mehr wollte (und Bale angeblich eh lieber Golf spielt als Fußball), sollte er weg, am besten nach China. Jiangsu Suning aber ging auf die Ablöseforderung nicht ein, und Zidane sagte plötzlich, er plane mit Bale. Seltsam.

Und was macht Bale, der ja angeblich lieber Golf als Fußball spielt? Er ist nach drei Spieltagen Madrids Topscorer mit zwei Toren und einer Vorlage (und einem absolut überflüssigen Platzverweis, naja).

Gareth Bale

Huch! Gareth Bale sammelte in Villarreal zwei Tore - und zwei Gelbe Karten. imago images

Ob Jerome Boateng das verfolgt? Auch er war einer der Namen, der an müden "Sommerloch"-Tagen mal hier und da ins Spiel gebracht wurde. Uli Hoeneß hatte ihm nach dem Pokalsieg gegen Leipzig empfohlen, "sich einen neuen Verein zu suchen". Karl-Heinz Rummenigge sagte dann vor ein paar Tagen, dass Boateng was sagen sollte, "wenn er den Klub verlassen möchte, dann muss er uns das mitteilen, dann werden wir uns damit befassen."

Zuletzt war ein Wechsel zu Juventus plötzlich realistisch, aber dann doch wieder nicht. Vielleicht beschweren sich die Bayern auch nicht, wenn Mitte September die englischen Wochen Fahrt aufnehmen und einer der zwei neuen Weltmeister (Pavard und Hernandez) oder Niklas Süle mal ausfallen sollte.

Apropos Ausfall: Leroy Sané!

Aber das ist eine andere Geschichte...

Neymar

Bleibt in Paris: Neymar. imago images

1,023 Milliarden Euro hat die Bundesliga laut dem "Guardian" in 286 Deals eingenommen und ausgegeben (übrigens am wenigsten von allen Top-5-Ligen), und am Ende wurde besonders viel über die Deals geredet, die nicht stattfanden. Gleiches gilt für die Premier League (Christian Eriksen) und ihre zwei Milliarden Euro (520 Ein- und Verkäufe!), für La Liga und 1,8 Milliarden Euro. Ärgerlich besonders für Spanien, denn mit Neymar wäre die Zwei-Milliarden-Marke vielleicht geknackt worden, argh!

Es wirkt fast symbolisch, dass sich die Temperaturen in Deutschland mit Ende des Transfer-Sommers ein bisschen abgekühlt haben. Barcelona knackt am Mittwoch beinahe nochmal die 30 Grad, aber das braucht Neymar ja nicht zu interessieren.

Mario Krischel

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