Angreifer bei Inter-Sieg in Cagliari rassistisch verunglimpft

Affenlaute gegen Lukaku: "Es ist 2019 und wir entwickeln uns zurück"

Romelu Lukaku

Zorniger Blick Richtung "Fans": Romelu Lukaku in Cagliari. imago images

Unmittelbar vor seinem Elfmeter zum 2:1-Siegtreffer bedachten Anhänger der Gastgeber Lukaku mit Affenlauten. Nachdem er den Strafstoß verwandelt hatte, starrte der Belgiern mit zornigem Blick in die gegnerische Fankurve, bevor ihn seine Mitspieler in ihrer Jubeltraube begruben.

Rassistische Vorfälle sind im italienischen Fußball leider nichts Ungewöhnliches - vor allem in Cagliari nicht. Im April war Juve-Angreifer Moise Kean, der inzwischen für Everton spielt, an gleicher Stelle ebenfalls mit Affenlauten bedacht worden. Auch gegen Blaise Matuidi und Sulley Muntari hatte es in Cagliari schon rassistische Verunglimpfungen gegeben.

Ich habe Dinge gehört, die man im Fußball nie hören sollte. Dinge dieser Art dürften nie passieren.

Lukakus Mitspieler Milan Skriniar

Während sich Kean zunächst noch von Teamkollege Leonardo Bonucci eine Mitschuld geben lassen musste, sprangen Lukaku seine Mitspieler zur Seite. "Ich habe Dinge gehört, die man im Fußball nie hören sollte. Dinge dieser Art dürften nie passieren", sagte der Slowake Milan Skriniar, der der Cagliari-Kurve schon während des Spiels entgegengetreten war.

Lukaku, der sich am Sonntag nicht geäußert hatte, meldete sich am Montag via Instagram zu Wort. "Viele Spieler sind im letzten Monat rassistisch beleidigt worden - ich gestern auch. Fußball ist ein Spiel, das alle genießen sollen und wir dürfen keine Form von Diskriminierung akzeptieren, die Schande über unser Spiel bringt", schrieb Lukaku: "Ich hoffe, dass Fußballverbände auf der ganzen Welt alle Fälle von Diskriminierung streng bestrafen!!!"

Eine Hoffnung, die sich in Italien oftmals allerdings nicht erfüllt. Für die Vorfälle rund um Kean wurde Cagliari vom italienischen Verband nicht bestraft. Vielmehr musste Kean wegen einer Schwalbe in der Partie 2000 Euro Strafe zahlen. "Peinlich. Erbärmlich. Schändlich", kommentierte seinerzeit die Organisation "Kick It Out", die gegen Rassismus und Diskriminierung kämpf. Immerhin: Cagliari Calcio verurteilte die Vorfälle am Montag in einem offiziellen Statement. Selbst das war in Italien in der Vergangenheit nicht immer sicher.

Lukaku sprach am Montag auch die rassistischen Hasskommentare an, die es unter nahezu jedem Beitrag von dunkelhäutigen Spielern in den sozialen Netzwerken heutzutage gebe. Das Thema war in England zuletzt bereits verstärkt in den Mittelpunkt gerückt, als unter anderem Manchester Uniteds Paul Pogba nach einem verschossenen Elfmeter übel beschimpft wurde. "Es ist 2019 und anstatt nach vorne entwickeln wir uns zurück", schloss Lukaku: "Wir als Spieler müssen uns vereinen und zu diesem Thema ein Statement abgeben, damit das Spiel sauber bleibt und alle es genießen können."

ski/sid