Bundesliga

Toni Schumacher auf Abschiedstour

Neues FC-Präsidium mit Anlaufschwierigkeiten - Häßler Markenbotschafter

Toni Schumacher auf Abschiedstour

Die Kölner Vereinsikone Toni Schumacher.

Noch eine Woche im FC-Präsidium: Die Kölner Vereinsikone Toni Schumacher. imago images

Am Sonntag tat Schumacher das, was er in den vergangenen siebeneinhalb Jahren am liebsten getan hatte. Der Vizepräsident des 1. FC Köln mischte sich unter die Fans und genoss beim "Geißbock"-Cup - einem riesigen Nachwuchsturnier, das traditionell in Köln am Wochenende nach Schulbeginn ausgetragen wird - die Stimmung.

Wie überall, wo er als Vorstandsmitglied des 1. FC Köln hinkommt, erhielt der 65-jährige Ex-Nationaltorhüter auch am Sonntag großen Zuspruch der FC-Fans, die sich um Selfies oder Autogramme mit der Klubikone rissen. Ein schöner Sonntag, trotz des am Samstag erlittenen Bandscheibenvorfalls, der noch in Freiburg vom Teamarzt behandelt werden musste.

Es ist dies für ihn, wie für Markus Ritterbach, der letzte Sonntag als Vize-Präsident des 1. FC Köln. In einer Woche soll das vom Mitgliederrat bestellte Trio um Werner Wolf, Jürgen Sieger und Eckhardt Sauren von der Mitgliederversammlung gewählt werden.

Die drei Herren taten sich in den vergangenen Wochen nicht gerade leicht mit ihrem Eintritt in die große Welt des Fußballs, buken fleißig Allgemeinplätzchen, ließen teils grässliche Plattitüden vom Stapel, programmatisch war wenig bis nichts zu vernehmen. Weil man Toni Schumacher offensichtlich partout nicht mehr in die Fan-Arbeit einbinden will, wurde mit Thomas Häßler ein Kandidat als "Markenbotschafter" aus dem Hut gezaubert, der von 2006 bis 2011 in untergeordneter Rolle im Funktionsteam arbeitete, aber abseits dessen in den vergangenen 30 Jahren kaum mehr etwas mit dem 1. FC Köln zu tun hatte. Auch in jenen fünf Jahren als Techniktrainer versperrte er sich gegen Interviews, Autogrammwünsche und andere öffentliche Auftritte.

Streichung der "Choreo-Klausel" angekündigt

Sei's drum, das designierte Präsidium soll es ab kommenden Sonntag richten, 50 Prozent plus eine Stimme wird bei der Jahreshauptversammlung benötigt. Über die erste Amtshandlung wurde bei einer Wahlkampfveranstaltung auch bereits gesprochen. Werner Wolf, der künftige Präsident, kündigte dabei an, die "Choreo-Klausel" streichen zu wollen. Diese besagt, dass derjenige für die Inhalte einer Choreo haftet, der sie anmeldet.

Diese Anbiederung an die Ultra-Szene wurde verstärkt durch die Bekräftigung einer Aussage eines führenden FC-Ultras, nachdem es dem DFB nicht um Sicherheit im Stadion gehe, sondern nur um Geld. Dass Geschäftsführer Armin Veh einst die Mitglieder-Räte als "Vollamateure" bezeichnete, konterte das zukünftige Präsidium mühsam witzig damit, dass man ihm das Gehalt kürzen wolle, dann könne er die Räte ja in Zukunft bezahlen und damit professionalisieren. Vehs Kollege Alex Wehrle schließlich bekam noch sein Fett weg, weil er sich "ungefragt" bei Jörg Schmadtke für die Ausfälle der Kölner Fans beim Auftaktspiel in Wolfsburg entschuldigt hatte.

Das Trio tut sich noch schwer mit der Realität des Profifußballs, die Hoffnung bleibt bei vielen Fans und Kennern der Szene, dass die Herren sich zunächst in aller Ruhe in ihren neuen Job einfinden und nicht in Aktionismus verfallen. Gerade jetzt, wo die Profiabteilung sich mühsam gefunden zu haben scheint, könnte dies nur kontraproduktiv wirken.

Frank Lussem