Bundesliga

Mehmedi will nicht länger Joker sein: "Es gibt schönere Situationen"

Wolfsburg: Das Rumoren der Reservisten

Mehmedi will nicht länger Joker sein: "Es gibt schönere Situationen"

Admir Mehmedi

Wünscht sich mehr Einsatzzeiten: Admir Mehmedi. imago images

"Enttäuscht" hatte er sich schon nach dem Saisonauftakt geäußert, als Admir Mehmedi im Pokal in Halle (5:3) 120 Minuten auf der Bank saß. Nun ist das vierte Pflichtspiel rum, und noch nicht ein Mal stand der Schweizer, der am 1. Spieltag gegen Köln (2:1) wegen Rückenproblemen passen musste, in der Wolfsburger Startelf. Das wurmt ihn. "Das sind Entscheidungen vom Trainer, die hat man als Spieler zu akzeptieren und zu respektieren. Aber ich würde jetzt lügen, wenn ich sagen würde, ich wäre zufrieden mit der Rolle als Joker. Klar bin ich für die Mannschaft da und gebe mein Bestes, aber als Spieler wünscht man sich, dass man auf dem Platz ist."

Der Geduldsfaden wird dünner bei Mehmedi. "Noch ist er da", sagt er, der im vergangenen Jahr trotz diverser gesundheitlicher Probleme in 26 Spielen auf sechs Tore und sieben Vorlagen kam. "Für mich persönlich war es eine super letzte Saison, auch für die Mannschaft. Dass man dann so hinten dran ist, ist schwer zu akzeptieren. Aber man muss die Entscheidungen leider akzeptieren." Der 28-Jährige weiter: "Jetzt hat es mich halt getroffen die ersten vier Wochen, ich habe kein Spiel von Anfang an gemacht. Es gibt schönere Situationen für einen Spieler, aber die Hauptsache ist, ich bin gesund und habe keine Probleme." Seine Hoffnung: "Da werden noch ein paar Einsätze kommen von Anfang an."

Spielersteckbrief Mehmedi

Mehmedi Admir

Spielersteckbrief Gerhardt

Gerhardt Yannick

Trainersteckbrief Glasner

Glasner Oliver

Dass es im Wolfsburger System nicht mehr seine Rolle gibt als Nummer zehn, die Mehmedi noch unter Ex-Trainer Bruno Labbadia bekleidet hat, spielt für den Offensivmann keine Rolle. "Vor vier Jahren habe ich bei Bayer Leverkusen und Roger Schmidt genau das gleiche System gespielt. Da habe ich in einer sehr guten Mannschaft auch meine Pflichtspiele von Anfang an gemacht. Dieses Thema ist für mich irrelevant."

"Ich kann nur das entscheiden, was auf dem Platz passiert. Das ist die beste Plattform, um zu zeigen, dass man da ist

Admir Mehmedi

Mehmedi setzt auf den Faktor Zeit, weiß um die vielen Spiele, die der VfL als Europa-League-Starter vor der Brust hat. "Ich kann nur das entscheiden, was auf dem Platz passiert. Das ist die beste Plattform, um zu zeigen, dass man da ist." Was zuletzt gelang. Mehmedi bereitete in Berlin (3:0) nach seiner Einwechslung das 2:0 vor, am Samstag gegen Paderborn (1:1) war er entscheidend am Ausgleich beteiligt. Er weiß jedoch auch: "Es zählt nicht die Vergangenheit, es zählt nicht die letzte Saison, obwohl sie von mir und der Mannschaft super war. Es zählt das Hier und Jetzt, im Moment hänge ich ein bisschen hinten dran. Das ist halt so..."

Warum kam der Schweizer erneut nur von der Bank? "Ich hatte überlegt, ob ich ihn von Beginn an bringen", erklärt Trainer Oliver Glasner, der dann in der Offensive jedoch nur einen Wechsel vornahm: Josip Brekalo für Felix Klaus. Der Österreicher weiter: "Ich wusste auch, dass Admir in guter Verfassung ist. Es ist schön zu wissen, dass man Spieler draußen hat, die dem Spiel noch eine positive Wendung geben können." Dass Mehmedi das nicht ausreicht, liegt auf der Hand. Glasner indes hält an seinen Prinzipien fest. "Es wird sich an der Herangehensweise nichts ändern: Wenn ich denke, dass Admir in besserer Verfassung ist als ein anderer Spieler, dann wird er spielen. Wenn ich denke, ein anderer Spieler ist frischer oder besser drauf, dann wird der spielen."

Gerhardt rückt jetzt wohl rein

Erst einmal dabei sein dürfte nun Yannick Gerhardt, der durch die schwere Verletzung von Xaver Schlager (Knöchelbruch) in die Startelf zurückkehren dürfte. Doch auch Gerhardt, wie Mehmedi ein Stammspieler der Vorsaison, macht kein Geheimnis aus seiner Verwunderung über die Bankrolle der letzten Wochen. Das Rumoren der Reservisten ist unüberhörbar. "Natürlich war ich unzufrieden und hätte mir gewünscht, dass ich von Anfang an spiele", sagt Gerhardt, "aber der Trainer hat so entschieden, wir haben einen guten Kader." Hatte der Ex-Kölner im Pokal aufgrund seiner Kopfballstärke noch den Vorzug vor Schlager erhalten, verlor er anschließend seinen Platz. Schlagers Stärken in der "Balleroberung und die Dynamik nach vorne" hatten laut Trainer Glasner den Ausschlag für den Österreicher gegeben.

"Der Trainer hat vor dem Köln-Spiel mit mir geredet und hat die gleichen Argumente gebracht", sagt Gerhardt. Nachvollziehbar? "Natürlich nicht, ich möchte jedes Spiel spielen, ich muss das so akzeptieren." Nun werden nach dem Schlager-Schock die Einsätze kommen. "Mein Ziel ist es, den Konkurrenzkampf so anzunehmen, dass man sich über Leistung anbietet"; betont der 25-Jährige. "Wir brauchen in dieser Saison viele Spieler, durch die internationalen Spiele bekommt jeder seine Chance - und natürlich möchte ich die dann nutzen."

Thomas Hiete